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69:67 – Derbysieg bringt Klassenerhalt für Rasta Vechta

Der heimische Basketball-Zweitligist hat mit dem Erfolg bei den Artland Dragons die letzten Zweifel am Verbleib in der ProA ausgeräumt. Hier gibt's den Nachbericht mit vielen Reaktionen.

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Getümmel unter dem Korb: Rastas Tajuan Agee im Center-Duell gegen Akim-Jamal Jonah. Fotos: Christian Becker

Getümmel unter dem Korb: Rastas Tajuan Agee im Center-Duell gegen Akim-Jamal Jonah. Fotos: Christian Becker

Am Sonntagabend um 18.46 Uhr hatte das Zittern ein Ende, die letzten Zweifel am Klassenerhalt in der 2. Basketball-Bundesliga ProA waren ausgeräumt: Rasta Vechta hat dank eines 69:67 (39:32)-Sieges bei den Artland Dragons ein Ziel erreicht, das vor der Saison gar keins war, das sich erst im Laufe einer verkorksten Serie aufgedrängt hatte. Die Spieler lagen sich in den Armen, Coach Vladimir Lucic atmete tief durch und wischte sich den Schweiß von der Stirn, auch Klubchef Stefan Niemeyer und Sportdirektor Gerrit Kersten-Thiele war die Erleichterung anzumerken. Und die Fans? Sie skandierten „Derbysieger, Derbysieger“ – die ganze Anspannung, der Frust der letzten Monate, fiel auf einmal ab. Mit dem dritten Sieg in Serie hat Rasta noch mal die Kurve gekriegt. Das Derby und seine Etappen:

Die Ausgangslage: Nach den Ergebnissen vom Freitag war klar: Rasta, 91:86-Sieger im Hinspiel, reicht ein weiterer Erfolg gegen den Nachbarn, um vorzeitig ans rettende Ufer zu kommen. Also: erster Matchball für den Klassenerhalt. Für die Dragons, seit Wochen auf einem Abstiegsplatz, nach den Siegen gegen Schwenningen und in Karlsruhe aber wieder voll im Rennen um Platz 14 („Der Traum lebt“), war's ein weiteres „Endspiel“ auf der Jagd nach Vechta, Bochum und Schwenningen.

Das Personal: Rasta bot jene zwölf Spieler auf, die am Freitag Tübingen aus der Halle gefegt hatten. Richard Washington kam als 13. Profi abermals nicht über die Zuschauerrolle hinaus. Die Dragons spielten ohne Topscorer Adam Pechacek (Hüft-OP), Adrian Breitlauch (Herzmuskelentzündung) und Jonas Weitzel, der bereits am Freitag in Karlsruhe krankheitsbedingt gefehlt hatte.

Gute Laune im Gäste-Block: Rastas Fans in Quakenbrück.Gute Laune im Gäste-Block: Rastas Fans in Quakenbrück.

Die Kulisse: Auch in Quakenbrück war eine volle Auslastung (3000 Fans) erlaubt. Inklusive der 1100 Dauerkarten wurden 2400 Tickets für das brisante Derby verkauft. Und gut 2000 Plätze waren tatsächlich besetzt. Nach trostlosen Geisterspiel-Wochen – auch das Hinspiel fand ohne Zuschauer statt – war's ein stimmungsvolles, lange vermisstes Basketball-Fest mit rund 300 Gäste-Fans.

Das 1. Viertel: Wie schon am Freitag gegen Tübingen (12:0-Start) legte Rasta furios los. 8:3, 15:4, 16:7 – dank starker Defense und konsequentem Zug zum Korb setzten die Gäste die ersten Akzente, angeführt von einem treffsicheren Preston Purifoy (acht Punkte). Die Dragons ließen sich aber nicht abschütteln und waren bis zum Viertelende wieder dran.

Das 2. Viertel: Per Dreier zum 23:20 gingen die Dragons erstmals seit dem 3:0 in Führung, der Kessel kochte. Aber Rasta blieb cool und machte aus einem 26:28 ein 36:30. Klar war aber auch: Es war kein Leckerbissen. Rasta ließ mit schwachen Würfen (u.a. vier Airballs) eine höhere Führung liegen, und die drei Dragons-Topscorer Zach Ensminger, Tramaine Isabell und Taren Sullivan hatten zur Pause eine gemeinsame Trefferquote aus dem Feld von 3/15.

Das 3. Viertel: Abstiegsk(r)ampf pur – beide Teams hatten große Probleme, in einen offensiven Rhythmus zu kommen. An der Jahnstraße galt: viele Emotionen, noch mehr Stückwerk. Rasta verpasste bei einer 48:38-Führung die Chance, den wankenden „Drachen“ den vorzeitigen K.o. zu verpassen. Folge: Die Gastgeber witterten ihre Chance auf ein Comeback, und zwei Ensminger-Dreier zum 46:52 und 49:52 befeuerten diese Hoffnungen der Dragons.

Das 4. Viertel: Nein, schön war's nicht, aber unfassbar spannend. Chase Griffin, einst bei Rasta gefeiert, traf in bewährter Manier einen Dreier zur 61:59-Führung der Dragons. Rasta lief Gefahr, das Spiel aus der Hand zu geben. Die Kräfte ließen nach. Aber: Zwei Dreier von James Washington zum 62:61 und 65:62, ein Mitteldistanzwurf von Josh Young zum 67:66 (nach zuvor drei Offensivrebounds in Folge) sowie zwei verwandelte Freiwürfe von Robin Lodders 5,9 Sekunden vor dem Ende zum 69:66 ließen die „Alarmstufe Orange“ jubeln.

Duell der Guards: Rastas James Washington (rechts) gegen Tramaine Isabell.Duell der Guards: Rastas James Washington (rechts) gegen Tramaine Isabell.

Die Tabelle: Rasta zog an Bochum vorbei und ist nun Zwölfter. Die kühnsten Optimisten, die noch eine Playoff-Qualifikation auf den letzten Drücker im Sinn haben, dürften aber angesichts des Sechs-Punkte-Rückstands auf Karlsruhe, Hagen, Nürnberg und Bremerhaven immer weniger werden. Die Dragons bleiben auf Platz 15 – und der Schwenninger Sieg in Leverkusen drückte am Abend zusätzlich auf die Stimmung.

Die Rasta-Reaktionen: Klubchef Niemeyer war einfach nur froh, dass es mit der vorzeitigen Rettung geklappt hat. „Eine Sorge weniger“, sagte er. Im Endspurt werde er den Dragons definitiv die Daumen drücken, denn: „Es war ein tolles Basketball-Fest, eine wunderbare, faire Atmosphäre. Schade, dass wir das im Hinspiel nicht hatten.“ Trainer Lucic war wie schon am Freitag „sehr stolz auf das Team“, das nach der Quarantäne für elf Spieler eine „sehr schwere Situation“ gemeistert und „viel Charakter“ gezeigt habe. Und er ergänzte noch: „Wir haben das Spiel über weite Strecken kontrolliert.“

Kristofer Krause freute sich über eine „unglaubliche Stimmung“ in der Halle und dankte den Rasta-Fans: „Sie haben uns zum Sieg gepusht.“ Dass es auf dem Weg zum 13. Saisonerfolg diverse Wackler gab, räumte er ein, sagte aber sofort: „Am Ende zählt nur das, was da oben auf der Anzeigetafel steht.“ Kapitän Young war „einfach nur froh“ und meinte: „Es ist gerade sehr emotional. Es war eine sehr schwierige Saison. Wir hatten uns alle etwas anderes vorgestellt. Jetzt ist es wichtig, dass wir sie gut zu Ende bringen.“ Die „Energie der Fans“ sei sehr hilfreich gewesen, und Young hielt fest: „Ich glaube, in der entscheidenden Phase haben wir unsere größere Erfahrung ausgespielt.“ Kersten-Thiele meinte unterdessen: „Für alle war's eine sehr wichtige Partie. Da ist die Nervosität, die man sehen konnte, ein Stück weit normal. Die Mannschaft hat den Kampf angenommen, jetzt sind wir natürlich sehr erleichtert.“

Am Ziel: Rastas Spieler feiern den Klassenerhalt. Am Ziel: Rastas Spieler feiern den Klassenerhalt.

Die Dragons-Stimmen: Patrick Flomo, Trainer der Dragons, meinte: „Es waren die kleinen Dinge, die den Unterschied gemacht haben.“ Er dachte dabei an die „Turnover in entscheidenden Phasen“ und an die zehn Fehlwürfe an der Freiwurflinie – und das passierte ausgerechnet dem besten Freiwurf-Team der ProA (79,0 Prozent). Ansonsten könne er dem Team „keinen Vorwurf“ machen, es habe „sehr gut gekämpft“. Ensminger, der in der zweiten Halbzeit zeigte, warum er ein BBL-Kandidat ist, meinte: „Es war vielleicht qualitativ nicht das hochwertigste Spiel, aber es hätte in beide Richtungen gehen können.“ Der 20-Jährige ärgerte sich vor allem über die drei Offensivrebounds von Rasta kurz vor dem Ende.

Der Ausblick: Für Rasta geht's bereits am Mittwoch (20.00 Uhr) mit dem Nachholspiel bei den VfL Kirchheim Knights weiter. Am Samstag um 19.30 Uhr folgt dann das Heimspiel gegen den Tabellenletzten Ehingen/Urspring. Und die Dragons? Während Rasta noch viermal spielt, hat Quakenbrück nur noch zwei Partien in Kirchheim und gegen Hagen – die Luft wird dünn im Kampf um Platz 14.

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