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60 Punkte für den Traum von Melbourne

Tennis-Talent Julia Middendorf hat es beim ITF-Turnier in Bruchköbel ins Finale geschafft. Die Krönung blieb aus, aber dafür rücken die Australian Open näher.

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Bereit für den Return: Julia Middendorf aus Dinklage, hier im Einsatz für den TV Visbek. Foto: Becker

Bereit für den Return: Julia Middendorf aus Dinklage, hier im Einsatz für den TV Visbek. Foto: Becker

Es war eine anstrengende Woche mit acht Spielen in fünf Tagen. Und es war eine „super Woche“, wie Julia Middendorf am Samstagnachmittag auf ihrer Rückreise aus dem osthessischen Main-Kinzig-Kreis ausdrücklich betonte. Aber – und auch das ließ die 17 Jahre alte Dinklagerin nicht unerwähnt: Die letzte Etappe beim „Head Cup“ in Bruchköbel brachte nicht das erhoffte Resultat. „Es ist blöd gelaufen“, gab Julia Middendorf zu. Zum vierten Mal stand sie auf der „Juniors Tour“ des Tennis-Weltverbandes ITF in einem Einzel-Finale, zum zweiten Mal bei einem Turnier der Kategorie J3. Aber wie schon im August 2018 in Renningen/Rutesheim, als ihr Alexandra Vecic den Titel vor der Nase wegschnappte, musste sie auch in Bruchköbel der Finalgegnerin am Netz gratulieren. Ihr Name: Noma Noha Akugue, 16 Jahre alt, vom Club an der Alster. Das Ergebnis: 4:6, 3:6 aus der Sicht von Julia Middendorf.

„Ich hab' nicht mein bestes Tennis gespielt, und dann ist es halt schwer, ein Finale zu gewinnen“, sagte die Nummer eins des designierten Zweitliga-Aufsteigers TV Visbek. Und sie gab zu: „Ein bisschen enttäuscht bin ich schon.“ Sie war in Bruchköbel, wo sie 2018 das ITF-Turnier der Kategorie J4 gewonnen hatte, an Nummer vier gesetzt, und die Top 3 der Setzliste waren bereits vor dem Halbfinale ausgeschieden. Zum zweiten Turniersieg auf der Tour reichte es nicht, im Reisegepäck hatte sie einen Pokal für Platz zwei, eine neue Tasche und ein paar Blumen.

Preisgeld gibt es auf der Juniors Tour der ITF nicht, dafür aber Punkte für die Jugendweltrangliste. Julia Middendorf, vor dem Turnier die Nummer 105, erhielt 60 Punkte und bezeichnete die Ausbeute als „sehr wertvoll“. Die Rückkehr in die Top 100 – Julia Middendorf lag Ende Januar schon mal auf Platz 86 – ist fix. Und: Die Australian Open in Melbourne rücken immer näher. Eine Teilnahme am „Girl's Singles“-Turnier beim ersten Grand Slam des Jahres ist das erklärte Ziel der Dinklagerin. „Da will ich hin“, sagte sie entschlossen. Das Hauptfeld ist für 64 Spielerinnen ausgelegt. Und zum Jahreswechsel fällt der Jahrgang 2002 aus der Jugendweltrangliste raus; aktuell liegen 44 Spielerinnen dieses Jahrgangs in den Top 100.

Gegen die Trainingspartnerin fehlten ein paar Prozent

Zurück zum Finale in Hessen: Julia Middendorf berichtete von einer „komischen Situation für beide“, denn die Dinklagerin und die Linkshänderin aus Glinde im Kreis Stormarn in Schleswig-Holstein sind beide Mitglied im „Porsche Junior Team“ des Deutschen Tennis Bundes. Sie kennen sich gut, trainieren oft zusammen. „Ich hab' diesmal keinen richtigen Rhythmus bekommen“, sagte Julia Middendorf: „Und hinten raus hab' ich auch gemerkt, dass ich Doppel gespielt habe und Noma nicht.“ Ein paar Prozent Power fehlten – auch weil die Zwölftklässlerin der Liebfrauenschule in Vechta am Freitag verdammt viele Körner auf dem Ascheplatz gelassen hatte.

Das Halbfinale gegen Celine Naef aus der Schweiz war ein Marathon. Erst nach über drei Stunden siegte Julia Middendorf mit 5:7, 6:4 und 7:5. Ihr Fazit: „Ich hab' mich nicht gut gefühlt auf dem Platz und auch nicht gut gespielt. Es ging nur über den Willen und den Kampf.“ Nach nur einer Stunde Pause folgte dann das Doppel-Endspiel an der Seite von Mia Mack, das im Matchtiebreak verloren ging. „Bei 8:8 hatten wir einen krassen Platzfehler, das war echt schade“, sagte Julia Middendorf.

Zweimal im Finale – eine starke Bilanz beim ITF-Comeback nach einer siebenmonatigen Corona-Zwangspause. „Auf jeden Fall, ich bin zufrieden nach dieser langen Zeit ohne Turnier. Das war eine super Woche“, meinte sie. Ab Montag ist wieder Schule angesagt – und Training. In der Woche darauf geht's dann zu einem J3-Turnier nach Hannover. Weiter Punkte sammeln für den Traum von Melbourne.


Julia Middendorf in Bruchköbel

  • Einzel:
  • 1. Runde: 6:4, 6:1 gegen Clara Cwajgenbaum (FRA).
  • Achtelfinale: 6:2, 6:3 gegen Tea Lukic (GER).
  • Viertelfinale: 6:1, 6:1 gegen Yaroslava Bartashevich (RUS).
  • Halbfinale: 5:7, 6:4, 7:5 gegen Celine Naef (SUI).
  • Finale: 4:6, 3:6 gegen Noma Noha Akugue (GER).
  • Doppel:
  • 1. Runde: 6:3, 6:3 gegen Naef/Semenova (SUI/RUS).
  • Viertelfinale: 6:1, 6:1 gegen Bilchev/Ercan (GBR/TUR).
  • Halbfinale: kampfloser Sieg gegen Putz/Granwehr (GER).
  • Finale: 2:6, 6:3, 8:10 (Matchtiebreak) gegen Lukic/Steur (GER).

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