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Wie Unternehmen Social Media für sich nutzen können

Sebastian Heun aus Visbek ist Social-Media-Experte. Der 29-Jährige berät Gewerbetreibende und hilft ihnen dabei, im Internet erfolgreich zu sein.

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Weiß, was mit dem Smartphone alles möglich ist: Sebastian Heun ist Social-Media-Experte und berät mehr als 100 Unternehmen. Foto: Heun

Weiß, was mit dem Smartphone alles möglich ist: Sebastian Heun ist Social-Media-Experte und berät mehr als 100 Unternehmen. Foto: Heun

Der Online-Handel boomt – nicht erst seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Wenige Klicks im Internet und das gewünschte Produkt ist innerhalb weniger Tage beim Kunden zu Hause. Lokale Händler haben es zunehmend schwer, sich der enormen Marktmacht bekannter Riesen wie Amazon erfolgreich entgegenzustellen. Seitdem die Corona-bedingten Shutdowns zu zahlreichen Schließungen von Geschäften geführt haben, ist Kreativität gefragt, um als Unternehmen für seine Kunden attraktiv zu bleiben. Viele haben spätestens jetzt die Möglichkeiten des Internets für sich entdeckt.

Wer da Nachhilfe braucht, kann Sebastian Heun buchen. Der Visbeker ist selbstständiger Social-Media-Experte und weiß, wie wichtig der richtige Online-Auftritt für Unternehmen ist. Der 29-Jährige berät seit rund 5 Jahren Betriebe und unterstützt sie dabei, gerade in den sozialen Medien präsent zu sein. Mittlerweile betreut er mehr als 100 Unternehmen, wie er verrät. Die Bandbreite reiche dabei vom „kleinen Drei-Mann-Betrieb bis hin zu großen Industriebetrieben“, sagt Heun.

„Wenn deine Zielgruppe ein Smartphone besitzt, solltest du einen Facebook-Account haben.“Sebastian Heun, Social-Media-Experte

Aber warum sollte ich als Unternehmen bei Facebook, Instagram und Co. präsent sein? „Die Leute sind mittlerweile mehr als 3 Stunden täglich bei Social Media unterwegs. Da wäre es doch blöd, wenn man da nicht aktiv ist“, findet Heun. Es sei zudem noch nie so leicht gewesen, sich einer breiten Masse zu präsentieren. So lautet sein einfacher Tipp: „Wenn deine Zielgruppe ein Smartphone besitzt, solltest du einen Facebook-Account haben.“

Wenn ein Unternehmen auf den Visbeker zukomme, erarbeite er in einem Erstgespräch den aktuellen Ist-Stand. Die Betriebe seien bei ihren Internet-Aktivitäten unterschiedlich aufgestellt. „Manche haben nicht einmal eine Webseite, geschweige Social Media“, sagt Heun. Für jeden Einzelfall heißt es, eine passende Strategie zu entwickeln. Eine Patentlösung für alle gebe es da nicht. Da sind die Ideen des Visbekers gefragt.

Was aber für alle gelte: Bei den Social-Media-Auftritten ist es wichtig, Authentizität zu vermitteln. Transparenz spiele eine entscheidende Rolle. Beispielsweise lohne es sich, einen Blick hinter die Kulissen eines Betriebs zu gewähren. „Die Leute wollen das sehen“, sagt Heun. Sie wollen sich mit den verkauften Produkten, mit der Marke identifizieren. Kunden wollen sehen, welche Gesichter dahinterstehen.

Influencer haben einen schlechten Ruf

Deshalb bietet der Visbeker seinen Kunden spezielle Workshops an, in denen er Wege aufzeigt, wie sie ihre Internetauftritte verbessern können. Ein Weg sei es, einzelne Mitarbeitende zu sogenannten Markenbotschaftern auszubilden. Diese übernehmen dann die Aufgabe, die Social-Media-Auftritte zu bestücken, indem sie beispielsweise kurze Videos von ihrem Arbeitsalltag zeigten. Grob gesagt fungieren diese Mitarbeitenden als hauseigene Influencer.

Doch der Begriff Influencer schrecke einige Kunden ab, weiß Heun. „Der Begriff ist mittlerweile negativ behaftet. Viele denken da zuerst an Beauty-Blogger und können damit nichts anfangen.“ Dabei gehe nach Ansicht Heuns der Weg gerade in diese Richtung. Sogenannte Corporate Influencer schafften Vertrauen beim Kunden, sagt er.

Außerdem bietet er an, die Inhalte für die unterschiedlichen Plattformen zu generieren und zu moderieren. Dabei sehe er sich selbst vor allem als „Input-Geber für die Postings“, sagt Heun. Ein aktuelles Beispiel sei der anstehende Valentinstag. Er mache die Unternehmen darauf aufmerksam und setzt bei Social Media kreative Postings passend zum Thema ab – zum Beispiel mit Rabattcode für den Online-Shop. Generell sei es wichtig, aktuelle Ereignisse aufzugreifen und in Postings umzusetzen.

Sprache sollte möglichst einfach sein

Die Ansprache auf den verschiedenen Plattformen muss er dabei variieren. Zum einen mache es einen Unterschied, ob er einen Beitrag für einen kleinen Handwerksbetrieb verfasst oder für ein sehr großes Unternehmen, sagt Heun. In dem einen Fall darf es familiärer sein, in dem anderen sollte es nicht zu leger werden.

Zum anderen ist das Publikum bei Facebook ein anderes als bei LinkedIn oder Instagram. Beim reichweitenstarken Facebook sind mehr ältere Nutzer unterwegs, während es bei LinkedIn bewusst um Business gehe, sagt Sebastian Heun. Für alle Plattformen gelte aber: Die Sprache sollte möglichst einfach sein, es sollten Gefühle vermittelt werden und es darf keine Maskierung geben.

Aufmerksamkeit der Nutzer wird geringer

Social Media ändere sich andauernd, sagt Sebastian Heun. Darauf müsse er sich immer wieder neu einstellen. Gerade diese Schnelllebigkeit mache jedoch den Reiz für ihn aus. Eine Entwicklung bei Social Media beobachtet Heun ganz deutlich: „Die Aufmerksamkeit der Nutzer wird immer geringer.“

Nach wie vor erhalte Heun viele Anfragen von Unternehmen für Imagefilme. Vor einigen Jahren waren diese aufwendig produzierten, mehrminütigen Videos noch stark nachgefragt. Doch mittlerweile sehe die sich keiner mehr an, sagt der 29-Jährige. Sogenannter „short-video-content“ ist dagegen derzeit beliebt. Das erklärt auch den Erfolg von Tiktok und Snapchat, die sich auf kurzlebigen Content spezialisieren. „Man muss den Nutzer innerhalb von 15 Sekunden ‚catchen‘“, sagt Heun. Das sei die große Herausforderung beim Erstellen der Beiträge.

Doch wie kommt man überhaupt dazu, Social-Media-Experte zu werden? Im Grunde sei das alles zufällig passiert, gesteht der Visbeker. „Ich habe es damals schon geliebt, mit meinem alten Handy Videos zu drehen“, erzählt er. Er sei immer der Klassenclown mit den verrückten Ideen gewesen und habe früh das Potenzial von Social Media erkannt.

Schnell konnte er sich selbstständig machen

Heun arbeitete während des Studiums – er studierte Digitale Medien und Sozialwissenschaften in Oldenburg – bei einem Maschinenbauunternehmen in Visbek. „Man ist einfach auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich beim Marketing mithelfen könne“, erinnert sich Heun. Konnte er, und zwar so gut, dass sich das schnell rumgesprochen hat.  Andere Betriebe seien daraufhin auf ihn zugekommen.

Innerhalb eines Jahres konnte sich Sebastian Heun mit seiner Social-Media-Arbeit selbstständig machen. „Das war eine Art Selbstläufer“, gesteht er. Ihm kam zugute, dass zu dem Zeitpunkt noch nicht so viele Unternehmen bei Social Media aktiv waren. Außerdem: „Die Leute haben gesehen, dass ich kreativ bin und geile Ideen habe“, sagt er selbstbewusst.

Hat der Social-Media-Experte auch ein paar Tipps für private Facebook- oder Instagram-Nutzer? „Social Media sollte grundsätzlich Spaß machen und nicht verletzen“, sagt Sebastian Heun. Außerdem sollte man seiner Ansicht nach Personen folgen, die einen inspirieren, denen man vertrauen kann. Außerdem sei es wichtig, auf seriöse Quellen zu achten und nicht allem blind zu glauben.

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