Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Wie die Präsidentin die Zukunft der Uni Vechta sieht

Professor Dr. Verena Pietzner ist seit 2022 Präsidentin der Universität Vechta. Was sie an Vechta schätzt und wie sie den sinkenden Studierendenzahlen begegnen will, erzählt sie im Interview.

Artikel teilen:
Seit Januar leitet sie als Präsidentin die Geschicke der Universität Vechta: Prof. Dr. Verena Pietzner. Foto: Universität Vechta

Seit Januar leitet sie als Präsidentin die Geschicke der Universität Vechta: Prof. Dr. Verena Pietzner. Foto: Universität Vechta

Sie sind seit Januar 2022 Präsidentin der Uni Vechta. Was halten Sie von Vechta und der Umgebung?
Ich fühle mich sehr wohl in Vechta und arbeite in einer Hochschule mit ganz vielen Möglichkeiten und sehr zupackenden Menschen. Ich bin eher eine pragmatische Frau, deshalb glaube ich, dass ich mit dieser Eigenschaft ganz gut in die Region passe. Mich beeindruckt, wie sehr die Menschen hier zur Uni stehen. Ich sehe einen großen Rückhalt und viel Fürsprache. Meine Beobachtung: Vechta ist stolz auf seine Uni.

Uni-Präsidentin, lässt sich so eine steile Karriere eigentlich planen?
Vielleicht kann man das, bei mir war das nicht der Fall. Ich habe mir auch nie explizit das Ziel gesetzt, einmal Professorin zu werden. Zielorientiert habe ich meine Karriere nicht gestartet, ich habe eher intuitiv das gemacht, was mir Spaß bereitet. Und weil ich das gemacht habe, konnte ich wahrscheinlich gute Arbeit abliefern. Eigentlich bin ich immer nur meinen Neigungen gefolgt, die haben mich bis hierher getragen.

Wie sieht denn Ihr Werdegang bis heute aus?
Ich bin in Lippe geboren, habe nach dem Abitur in Bielefeld studiert, Mathematik und Chemie für die Sekundarstufe I und II. Das Referendariat für beide Lehrämter habe ich in Paderborn absolviert. Ich bin dann nicht in den Schuldienst gegangen, sondern an der Uni geblieben. Nach der Promotion in Braunschweig war ich dort als Habilitandin in der Abteilung Chemie und Chemiedidaktik. Die Habilitation war im Jahr 2010, an den Unis in Landau, Hildesheim und Oldenburg habe ich bisher gelehrt.


Das Interview erscheint in der kommenden Ausgabe der PROMENADE am 25. November 2022.


Ihre Fächer waren Mathe und Chemie – nicht zwingend eine typisch weibliche Fächerkombination.
Ich war immer schon naturwissenschaftlich affin, habe als Mädchen viel mit meinem Vater in seiner Werkstatt gebastelt. In der Grundschulzeit habe ich sogar mal einen Fernseher auseinandergenommen. Ich kannte sogar die Farbcodierungen für die Widerstände auswendig. Meine Eltern kannten mein Faible für die Naturwissenschaften, deshalb bekam ich Elektronikbaukästen oder einen Bastelsatz für einen Sternenhimmel geschenkt. Ich konnte alles ausprobieren, bin immer der Nase nach. Das war für mich sehr wichtig.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag als Uni-Präsidentin aus?
Termine, Termine, Termine. Ich bin unter anderem verantwortlich für die strategische Ausrichtung der Universität. Ich sitze sehr viel in Besprechungen, muss Dinge nachhalten und verfolgen. Aber ich muss auch Entscheidungen treffen, und schrecke auch davor nicht zurück. Das gehört zum Amt dazu. Meine Fähigkeit zu strukturellem Denken kommt mir sehr zugute.

Gibt es Neuigkeiten vom Campus in Vechta?
Wir haben eine Zielvereinbarung mit dem Land zur Einführung des Studiengangs Werte und Normen zum Wintersemester 2023/24. Außerdem wird an der Uni Osnabrück das Studienfach Französisch für Studierende aus Vechta geöffnet. Umgekehrt kommen die Osnabrücker für das Fach Gestaltendes Werken nach Vechta. Unser Ziel ist es, die Lehrkräftebildung weiter zu entwickeln und die Kooperationen mit Osnabrück oder auch mit Oldenburg voranzutreiben.

Die Studierendenzahlen sind rückläufig. Das ist aber nur eine Talsohle“, sagt die Uni-Präsidentin Prof. Dr. Verena Pietzner. Foto: Universität VechtaDie Studierendenzahlen sind rückläufig. „Das ist aber nur eine Talsohle“, sagt die Uni-Präsidentin Prof. Dr. Verena Pietzner. Foto: Universität Vechta

Transformation ist das Gebot der Stunde auch in unserer Region. Welche Rolle spielt die Uni dabei?
Die Uni kann und muss bei der Transformation der Region eine wichtige Rolle spielen. Da ist schon viel auf dem Weg. Der Austausch zwischen alle Beteiligten funktioniert sehr gut, das wird für die Region in Zukunft gewinnbringend sein. Wir sind da ein wichtiger und aktiver Verbundpartner und können unser Knowhow einbringen. Transformation spiegelt sich nicht nur auf technischem Gebiet wider. Auch sollten wir uns auf unsere Stärken besinnen und z.B. soziale Innovation einbringen und Modelle der Partizipation entwickeln, die die Gesellschaft weiterbringen. Um die Zukunft der Uni Vechta mache ich mir keine Sorgen.

Wagen Sie einen Blick in die Glaskugel? Was sind die wichtigsten Themen in den kommenden Jahren?
Wir haben bei aktuell rund 4300 Studierenden rückläufige Zahlen, das hat demographische Gründe und spiegelt den Trend in Niedersachsen wider. Wir müssen daran arbeiten, dass wir gut durch diese Talsohle kommen. Zudem werden die Auswirkungen des Ukraine-Krieges auch an den Hochschulen zu spüren sein: Im öffentlichen Sektor muss gespart werden. Da müssen wir sehr behutsam und klug vorgehen. Eines ist aber sicher: Unser Land braucht Lehrerinnen und Lehrer. Und genau das ist unsere Kernkompetenz. Die Uni muss auch offen sein für Veränderungen in der Gesellschaft. Das ist gerade für die Lehrkräftebildung sehr wichtig. Wir versuchen, den künftigen Lehrkräften das nötige Rüstzeug mitzugeben, um ihrer Verantwortung in der Gesellschaft gerecht zu werden.

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Wie die Präsidentin die Zukunft der Uni Vechta sieht - OM online