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Wenn die gelben Säcke aus ihren Nähten platzen

Kolumne: Wir produzieren als Verbraucher so viel Müll. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken.

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Im letzten Monat ist mir etwas richtig negativ aufgefallen: Unmengen an Plastikmüll. Und das, obwohl ich schon versuche, meine Geschenke regional zu kaufen und sie in Geschenkverpackungen zu verpacken, die ich im kommenden Jahr wiederverwerten kann. Trotzdem platzten im Dezember bestimmt drei gelbe Säcke aus ihren viel zu dünnen Nähten. Wie kann das eigentlich sein und wie ist das zu verhindern?

Wie das sein kann, erklärt sich relativ schnell, wenn man mit offenen Augen einkaufen geht. Salat in Plastik. Gurken eingeschweißt. Tütchen mit ungesunden Pulvermassen, die versprechen, dass Gerichte im Handumdrehen gelingen. Die natürliche Schutzhülle der Ananas geöffnet, in mundgerechte Stücke geschnitten und in Plastik wieder verschlossen. Damit wir es einfacher haben und der süße Ananassaft nicht die Arbeitsplatte verklebt. Die müsste man dann nämlich abwaschen und das wäre vielleicht zu viel verlangt.

Werde ich wütend? Ja. Auf uns als Verbraucher. Und ja, da schließe ich mich mit ein. Es ist doch so verführerisch einfach, eingeschweißte Fertiggerichte zu kaufen oder wiederverschließbare Verpackungen für Reis und Co. zu erwerben. Aber, wer meckert, muss auch Gegenvorschläge machen und das ist sogar ziemlich einfach.

"Ich finde, Perfektsein ist nicht gefragt. Es reicht, einen Anfang zu machen."Anne Hartmann, Foodbloggerin

Wir haben zum Beispiel einen richtig tollen Unverpackt-Truck, der einige Wochenmärkte in der Region abfährt und unverpackte Waren wie Nudeln, Kaffee, Gemüsebrühe oder sogar Süßigkeiten feilbietet. Das erfordert lediglich die Disziplin der Verbraucherinnen und Verbraucher, sich zu überlegen, was benötigt wird und das Einkaufsfenster von 24/7 auf einen geeigneten Vormittag pro Woche zu verkleinern. So kann man seine Einkäufe dann im Säckchen oder im Glas gut geschützt und mit gutem Gewissen in den Vorratsraum stellen und hat bestenfalls noch ein kleines Pläuschchen mit der sympathischen Besitzerin des Trucks gehalten. Win-Win würde ich sagen.

Aber es geht tatsächlich noch mehr. Es gibt nämlich Restaurants oder Fleischer in unserer Region, die Gerichte selbst herstellen und diese in Glas einwecken. So kann man also regionale Produzenten auch unterstützen, wenn es mal schnell gehen muss oder einfach keine Zeit zum Kochen bleibt. Und für die Weiterverwendung dieser Gläser gibt es kluge Ideen. Man könnte ja zum Beispiel ein Körbchen mit Weckgläsern für den nächsten Besuch auf dem Wochenmarkt bereitstellen oder so. Selbermachen geht übrigens auch.

Wem aber das Herstellen von Pasta, Tomatenmark, Gemüsebrühe oder süß eingelegten Früchten doch zu stressig ist, kann zumindest bei (regionalen) Produzenten nachfragen, ob das Produkt der Wahl auch in mitgebrachte Gefäße abgefüllt werden kann – wenn die Coronasituation sich beruhigt hat, dürfte das nämlich wieder einfacher möglich sein. Ach so: Ich finde, Perfektsein ist nicht gefragt. Es reicht, einen Anfang zu machen.


Zur Person:

  • Anne Hartmann ist Diplompädagogin, wohnt in Vechta und betreibt den Foodblog www.kitchich.de.

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