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Warum ein Bührener keine Furcht vor Hornissen kennt

Werner Fendesack ist seit mehr als 50 Jahren Imker und ehrenamtlicher Hornissenberater des Landkreises. Dem Rentner geht es um ein grundsätzliches Verständnis für die Zusammenhänge in der Natur.

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Neue Heimat: In Kästen wie diesen siedelt Werner Fendesack die Hornissen nach einem Umzug wieder an. Foto: Götting

Neue Heimat: In Kästen wie diesen siedelt Werner Fendesack die Hornissen nach einem Umzug wieder an. Foto: Götting

Genüsslich kaut er auf einem Stück Bienenwabe und freut sich über die milde Süße des ersten Honigs der Saison. Der 66-jährige Bührener Werner Fendesack ist seit über 50 Jahren Imker und hat die Lust an den emsigen und manchmal stechenden Honigbienen noch nicht verloren. Früher war es völlig normal, dass ein Junge vom Lande ein „Immenvolk“ hatte, um sich mit dem Honigverkauf etwas hinzuzuverdienen. Und als er dann seine Freundin und spätere Frau kennenlernte, gab es kein Entrinnen: Der Vater der Braut war ebenfalls Imker und so blieb Fendesack bis heute den Bienen und seiner Freundin treu.

Während es damals um Honig und etwas Taschengeld ging, geht es heute bei dem engagierten Rentner um ein grundsätzliches Verständnis für die Zusammenhänge in der Natur. „Die Natur kann ohne uns, aber wir können nicht ohne die Natur“, warnt er deshalb regelmäßig und erklärt auch gerne, wie wichtig Wespen und Hornissen für das Gleichgewicht in der Natur sind.

Hornissen sind wichtig für das Ökosystem 

Hornissen sind beispielsweise als „Naturpolizei“ enorm wichtig für das Ökosystem. Zu den Beutetieren gehören nicht nur Fliegen, sondern auch andere Insekten, die für Menschen unangenehm oder lästig sind, wie zum Beispiel Raupen, Bremsen, Wespen. Hornissen tragen dazu bei, Massenvermehrungen von Schädlingen zu verhindern.

Ein großes Hornissenvolk kann bis zu einem Pfund Insekten pro Tag erbeuten. Ähnliches gelte auch für Wespen, weiß der Bührener. Auch sie sind fleißige Insektenvernichter und vertilgen Fliegen, Mücken, Spinnen, Raupen, Blattläuse und allerlei andere Schädlinge. Zudem übernehmen die gelb-schwarz-gestreiften Flugkünstler wichtige Bestäubungsaufgaben, ähnlich den Bienen.

„Die Furcht ist unbegründet. Hornissen und Wespen sind friedfertig, solange sie in Ruhe gelassen werden.“Werner Fendesack

Und weil Werner Fendesack angstfrei mit diesen Insekten umgehen kann und auch über die entsprechende Schutzkleidung verfügt, war er eines Tages prädestiniert für einen Posten als ehrenamtlicher Hornissenberater. Acht gibt es im gesamten Landkreis Cloppenburg, alle sind erfahrene Imker. Sie helfen dem Landkreis dabei, den strikten Schutz dieser Insekten zu gewährleisten.

Wespen unterliegen den allgemeinen Schutzbestimmungen des Naturschutzgesetzes. Für Hornissen, die in ihrem Bestand aktuell gefährdet sind, gelten besondere Schutzbestimmungen. Diese verbieten es grundsätzlich, die Tiere unnötig oder mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, verletzen oder zu töten. Eier, Nester, Brut-, Wohn- und Zufluchtsstätten dürfen ohne Grund weder beschädigt noch zerstört werden.

Hornissenberater hat 60 bis 70 Einsätze im Jahr 

Doch leider gerät so mancher Mitbürger in Panik, wenn er an seinem Haus oder in der Nähe ein Hornissen- oder Wespennest entdeckt. „Die Furcht ist völlig unbegründet“, versichert der Bührener Imker. „Hornissen und Wespen sind friedfertig, solange sie in Ruhe gelassen werden.“ Weil er die Natur schätzt und um die Wichtigkeit dieser Insekten weiß, engagiert sich Fendesack tatkräftig als Berater. 60 bis 70 Einsätze hat er pro Jahr im Landkreis Cloppenburg. Oft geht es um aufklärende Gespräche, bei denen ihn seine Frau Ingrid unterstützt.

Doch häufig sind die Insekten zu weit in den Lebensbereich der Menschen eingedrungen, beispielsweise in Dachböden, in Jalousienkästen oder in ein Haus mit Kleinkindern oder Allergikern. „Dann muss ohne Zweifel eingeschritten werden“, betont der Bührener Rentner entschlossen. Die Nester werden von ihm möglichst vollständig entfernt und an passenden Orten in der Natur wieder angesiedelt, immer nach dem Grundsatz: „Wir Menschen können nicht ohne die Natur!“

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