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Vor dem Gang zur Biomülltonne: Sinne einschalten

Kolumne: Ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum ist nicht gleichbedeutend mit "sofort tödlich". Essen kann und muss gerettet werden. Wenn ihr zu viel haben solltet, dann verschenkt es einfach!

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Lebensmittelverschwendung sollte meiner Meinung nach in aller Munde sein. Und das meine ich wortwörtlich. Ich kenne leider viele Menschen, die der Meinung sind, dass die Abkürzung MHD nicht für Mindeshaltbarkeitsdatum, sondern für "sofort tödlich ab" steht. Es wird die Tonne für den schnellstmöglichen Entsorgungsprozess gewählt, ohne vorher die eigenen Sinne zu befragen.

Dabei könnten die Nasen der Welt doch erriechen, ob Milch sauer ist. Zungen könnten anschmecken, ob Joghurt noch genossen werden kann und Augen könnten sehen, ob Verpackungen sich leicht wölben oder Verfärbungen an Lebensmitteln Ungenießbarkeit andeuten. Ich beschäftige mich seit Längerem mit diesen Themen und bin häufig entsetzt, wenn ich sehe, wie unachtsam mit unseren Lebensmitteln umgegangen wird. Deshalb habe ich mich im großen Internet auf die Suche nach Menschen, die auch ein Problem mit Lebensmittelverschwendung haben, gemacht und bin auf Foodsharing aufmerksam geworden. Das ist eine Organisation, die aufmerksamen Lesern dieser Zeitung bereits bekannt sein dürfte.

"Wir leben im Überfluss und sollten uns wieder mehr damit beschäftigen, wie dankbar wir für jedes produzierte Lebensmittel sein sollten."Anne Hartmann, Food-Bloggerin

Ich dachte tatsächlich lange, dass es Lebensmittelretter wohl nur in Großstädten geben dürfte und assoziierte dieses Vorgehen lange mit "Containern", dem (leider) illegalen Klauen von Lebensmittelabfällen aus Mülleimern von Supermärkten und Restaurants. Auf der Internetseite von Foodsharing wurde ich dann aber eines Besseren belehrt. Ehrenamtliche Foodsaver retten in ihrer Freizeit Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist und die somit nicht mehr regulär verkauft werden können. Ich habe mich also gleich angemeldet und bin seit nunmehr einigen Wochen selbst als Foodsaverin aktiv. Ich habe tolle Menschen kennengelernt, viel über Lebensmittel gelernt und achte seitdem noch penibler darauf, möglichst keine Lebensmittel, die noch genießbar sind, wegzuwerfen.

Ich möchte hiermit ein Danke an aktive Foodsaver und alle, die ihre Sinne benutzen und sich von blanken Zahlen nicht leiten lassen, aussprechen. Es ist so wichtig, dass wir unsere Lebensmittel wertschätzen lernen. Es hat nicht immer 128 Joghurtsorten in Supermärkten gegeben, die zu jeder Tageszeit im Regal für uns verfügbar sind. Wir leben im Überfluss und sollten uns wieder mehr damit beschäftigen, wie dankbar wir für jedes produzierte Lebensmittel sein sollten. Schaltet eure Sinne ein und denkt bei jedem Gang zur Biomülltonne darüber nach, ob nicht doch noch verwendet werden kann, was vielleicht zunächst wie Müll anmutet. Schrumpelige Möhren etwa können nach einem Wasserbad aussehen wie neu, da wäre es doch schade, wenn diese als Müll enden müssten.

Und sollte doch mal zu viel eingekauft worden sein (und das passiert, ich weiß) dann versucht doch mal, Lebensmittel an andere zu verschenken. Das macht Freude und ist dabei noch eine richtig gute Tat!


Zur Person:

  • Anne Hartmann ist Diplompädagogin, wohnt in Vechta und betreibt den Foodblog www.kitchich.de.
  • Die Autorin erreichen Sie unter info@ov-online.de

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