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Sarah Dhem: "Ein bisschen Stolz war auch dabei!"

OM-Medien hat in diesem Sommer Sarah Dhem zur "OM-Zukunftsmacherin" gekürt. Die PROMENADE hat sie getroffen und sich mit ihr über den Preis, Reaktionen und die Frauenquote unterhalten.

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Sarah Dhem hat sich sehr über die Auszeichnung „OM-Zukunftsmacherin“ und die Skulptur gefreut. Foto: Tanja Schulte-Saß

Sarah Dhem hat sich sehr über die Auszeichnung „OM-Zukunftsmacherin“ und die Skulptur gefreut. Foto: Tanja Schulte-Saß

Frau Dhem, als Sie zur Zukunftsmacherin gekürt wurden, haben Sie uns verraten, dass Ihnen die Ehrung, die starke Rede Ihrer Laudatorin Silvia Breher und der viele Applaus fast ein wenig unangenehm sind. Gab es nicht doch einen Moment, in dem Sie nur stolz auf sich waren?
Auf jeden Fall war auch ein bisschen Stolz dabei. Für mich war es ein wenig peinlich, dass ich für etwas einen Preis bekomme, dass für mich ganz normal ist. Am Abend der Verleihung habe ich aber auch ein Stück weit realisiert, dass es doch gar nicht so wenig ist, was ich mache. Natürlich bin ich stolz, aber es ändert nichts in meinem Alltag. Es ist schön, dass man Anerkennung und Wertschätzung erfährt, aber ich mache das nicht für Preise, sondern ich mache es aus Überzeugung. Gerade im Hinblick auf das Ehrenamt ist Anerkennung und Wertschätzung wichtig. Das kommt manchmal zu kurz.

Wie waren denn die Reaktionen nach der Veranstaltung, von Freunden oder Bekannten? Sind Sie oft auf die Ehrung angesprochen worden? 
Die Reaktionen aus meinem Umfeld waren durchweg positiv und alle haben sich sehr für mich gefreut. Viele haben gesagt:„Wer hätte es auch sonst sein sollen?“ Das war für mich natürlich auch ein schönes Gefühl.

In Ihrer Rede am Abend der Verleihung haben Sie ein Plädoyer dafür gehalten, auch mit Schwächen offen umzugehen. Was glauben Sie: Warum pflegen so viele Menschen lieber ein taffes Image um jeden Preis? 
Ich finde, dass auch Misserfolge ein wichtiges Thema sind. Man sollte ruhig mal erzählen, wenn etwas nicht so gut läuft. Das geht beim Elternsein los. Da ist nicht immer alles toll und man geht oft auf dem Zahnfleisch. Aber auch im Beruf geht nicht immer alles glatt. Schließlich sind es oft die negativen Erfahrungen, die uns auch ausmachen. Das ist für die persönliche Entwicklung ganz wichtig. Ich finde es schade, wenn nur erzählt wird, wie schön alles ist, auch wenn das nicht der Realität entspricht. Dieses Bild baut in der Gesellschaft schließlich auch einen Druck auf und man meint, ständig mithalten zu müssen. Dabei ist es mindestens genauso mutig, auch über negative Erlebnisse zu erzählen. Jeder Mensch hat auch schwache Momente. Vielleicht entsteht das Bild eines taffen Menschen daraus, weil wir die starken Momente fokussierter wahrnehmen als die schwachen. Die Menschen sehen vielleicht immer nur das, was sie selber gerade nicht schaffen.

Auch wenn Sarah Dhem als Geschäftsführerin nicht mehr wirklich selber hinter der Fleischtheke steht, sind ihr der Austausch und die Gespräche mit ihren Mitarbeitern sehr wichtig. Foto: Tanja Schulte-SaßAuch wenn Sarah Dhem als Geschäftsführerin nicht mehr wirklich selber hinter der Fleischtheke steht, sind ihr der Austausch und die Gespräche mit ihren Mitarbeitern sehr wichtig. Foto: Tanja Schulte-Saß

Was genau ist denn Stärke? Wann ist jemand eine starke Frau oder ein starker Mann? 
Stärke bedeutet für mich, wenn jemand bei sich und mit sich selber zufrieden ist. Das ist jemand, der nicht nach rechts und links guckt und sich nicht von der Meinung anderer beeinflussen lässt. Es ist uns immer viel zu wichtig, was andere über uns denken.

Ein Thema des Abends war die Frauenquote: Sie gehören zu der Gruppe, die sich gegen diese Regel ausspricht. Was stört Sie daran, wenn sehr gut qualifizierte Frauen etwas Hilfe bekommen, in die Männerwelt vorzustoßen? 
Es gibt natürlich auch Gründe für die Frauenquote. Die hat Nikola Steinbock, Sprecherin des Vorstands der Landwirtschaftlichen Rentenbank, am Abend der Preisverleihung gut erläutert, sodass ich diese Positionen auch nachvollziehen kann. Daran erkennt man, dass es bei diesem Thema unterschiedliche Blickwinkel gibt. Ich glaube aber, dass es auch ein wenig branchenabhängig zu sein scheint. Eine Quote mag z.B. in der Bankbranche funktionieren, wiederum in unserer Fleischbranche nicht. Hier gibt es nicht viele Frauen, die das wirklich wollen. Was hilft mir eine Frauenquote, wenn ich dadurch Frauen in Positionen hebe, die eigentlich nicht qualifiziert sind? Ich wäre nicht gerne über eine Quote in meinen Beruf oder mein Ehrenamt gekommen.

„Einfach machen“: Das war der Untertitel des Events. Ist das auch Ihr Rat an Ihre Kinder: Macht mal!? 
Auf jeden Fall! Ich möchte meinen Kindern vermitteln, auch mal mit Niederlagen umzugehen. Ich finde es wichtig, dass sie lernen, dass nicht immer alles glatt läuft. Meine Devise ist, auch wenn etwas schiefgegangen ist, einfach weitermachen. Hierbei merkt man aber auch, wie unterschiedlich Menschen sind und damit umgehen. Der eine steckt eine Niederlage besser weg und nimmt es vielleicht sogar als Ansporn für die Zukunft. Andere hingegen sind völlig entspannt und wiederum andere stecken erst einmal den Kopf den Sand und ärgern sich.

Sie haben, so erzählten Sie es uns in unserem kurzen Video über Sie, nicht sofort eine Lehrstelle gefunden. Und auch Sprüche wie „Jetzt brauchst Du ja nur noch den passenden Mann!“ gab es. Was würden Sie sich wünschen, damit junge Frauen es vielleicht doch leichter haben als Sie? 
Ich habe eher den Wunsch an junge Frauen, hartnäckiger zu sein und sich zu überlegen, was sie wirklich wollen. Und das dann auch einfach zu machen. Ich würde ihnen raten, auch mal gegen Widerstände anzukämpfen. Nicht viel beeinflussen lassen, sondern machen! Auch wenn es bedeutet, dass es unbequem wird und man über seinen Schatten springen muss. Warum soll eine junge Frau denn nicht Tischlerin oder Fleischerin werden, wenn das ihr Wunsch ist? Ich würde mir außerdem wünschen, dass sich unsere Gesellschaft ein bisschen vom Geschlechterdenken lösen und öffnen würde und nicht so sehr in Schubladen denkt. Frauen sollten genauso selbstverständlich Tischlerinnen werden können wie junge Männer Erzieher. Warum auch nicht?

„Fortsetzung folgt": Das soll für die OM-Zukunftsmacherin gelten. Welche Folgen wünschen Sie sich? 
Dass eine Fortsetzung folgen soll, finde ich toll. Ich würde mir sehr wünschen, wenn daraus ein Netzwerk entstehen würde, sei es im Hinblick auf Unternehmer, aber auch im Hinblick auf das Ehrenamt. OM-Zukunftsmacherinnen können so zu einer Anlaufstelle werden, Ratschläge und ihre Erfahrungen weitergeben und sich austauschen. Das ist sehr wertvoll. Im Gespräch stellt man immer wieder Parallelen fest und merkt, dass man den Satz des anderen zu Ende sprechen könnte. Ich hätte so etwas früher bestimmt in Anspruch genommen.

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