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Plattdeutsche Patienten sind bei Roswitha Osterbrink in guten Händen

Die 48-jährige Altenpflegerin ist im Cloppenburger Pius-Stift Beauftragte für Niederdeutsch. Plattdeutsch spielt auch in der Pflege eine große Rolle.

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Hilft Menschen in ihrer ursprünglichen Muttersprache: Roswitha Osterbrink kümmert sich mit plattdeutscher Sprache um die Bewohner des Pius-Stifts. Foto: Martin Kessens

Hilft Menschen in ihrer ursprünglichen Muttersprache: Roswitha Osterbrink kümmert sich mit plattdeutscher Sprache um die Bewohner des Pius-Stifts. Foto: Martin Kessens

„Ick hebb so väl Pine“ – Ich habe so viel Schmerzen. Aufgrund dieser Aussage ging eine sehr junge Altenpflegerin des Cloppenburger Pius-Stiftes zum Medizinschrank, um die entsprechende Medikation zu suchen, die sie selbstverständlich nicht fand. Diese plattdeutschen Sätze fallen noch sehr häufig bei den Bewohnerinnen und Bewohnern des Pius-Stiftes. Damit es zu solchen Missverständnissen nicht mehr kommt, dafür engagiert sich die neue Beauftragte für Niederdeutsch am Pius-Stift Roswitha Osterbrink. Sie wurde im Beisein ihrer Kolleginnen und Kollegen vom Stiftungsvorstand Matthias Hermeling und des Ehrengastes Heinrich Siefer im feierlichen Rahmen zur Beauftragten für Niederdeutsch ernannt.

Für über 50 Prozent der Pius-Stift-Bewohner ist Plattdeutsch die Muttersprache

Die 48-jährige Altenpflegerin kann sich vorstellen, den Pflegekräften gewisse und häufig gebrauchte plattdeutsche Floskeln beizubringen. „Mit über 50 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner sind es mehr als die Hälfte, die Plattdeutsch als ihre Muttersprache bezeichnen“, schätzt Osterbrink.

Besonders bei demenziell veränderten Personen sei das Plattdeutsche ein Türöffner, weiß auch Ute Reckemeyer vom Sozialdienst im Pius zu berichten. Plattdeutsch spiele schon eine große Rolle im Pius-Stift. Nicht umsonst gäbe es die landesweite Aktion „Platt inne Pleeg“ – Plattdeutsch in der Pflege. Vor dem Corona-Stillstand war eine plattdeutsche Woche geplant, die in diesem September nun stattfinden soll, und auch plattdeutsche Lesestunden und plattdeutsche Maiandachten finden bei den Bewohnerinnen und Bewohnern großen Anklang. Darüber freut sich die neue Beauftragte und will das Plattdeutsche weiter voranbringen.

„Meine Eltern haben untereinander Plattdeutsch gesprochen, mit uns aber Hochdeutsch“.Roswitha Osterbrink, Altenpflegerin in Cloppenburg

Die in Hemmelte geborene Altenpflegerin hat das Plattdeutsche „auf der Straße gelernt“. „Meine Eltern haben untereinander Plattdeutsch gesprochen, mit uns aber Hochdeutsch“. Ihr Plattdeutsch klingt, als wenn es ihre Muttersprache ist.

Osterbrink spricht auch im Radio platt

Das konnten bereits viele Hörerinnen und Hörer des NDR-Niedersachsen erfahren, denn Roswitha Osterbrink ist eine von vielen Sprecherinnen und Sprechern der Reihe „Dat kannst mi glöwen“. Sie hatte sich zur Teilnahme an einem Seminar in der Katholischen Akademie Stapelfeld angemeldet, um das Schreiben von Andachten in plattdeutscher Sprache zu erlernen. Mangels Teilnehmenden fand das Seminar nicht statt, doch Osterbrink wurde vom Fleck weg als Sprecherin engagiert. „Eh ich mich versah, saß ich im NDR-Studio Osnabrück“, erzählt sie.

„Die Resonanzen waren großartig“, führt sie mit ein bisschen Stolz weiter aus. Osterbrink ist die einzige Nichttheologin unter den Sprecherinnen und Sprechern. So kam es auch zu außergewöhnlichen Anfragen nach dem gesendeten Beitrag bezüglich Pflegeplätzen. Die Texte sucht sich die Plattdeutschkennerin selbst aus. Sie schreibt sie in Hochdeutsch und übersetzt dann ins Plattdeutsche.

Vom absoluten Kenner des Plattdeutschen, Heinrich Siefer, lässt sie die Texte gegenlesen, „damit auch alle plattdeutschen Ausdrücke passen“, sagt sie. Auch beim NDR gibt es Sprecherseminare, in dem es beispielsweise um Sprechtechniken und Atemübungen geht. „Und das geht selbstverständlich auf Plattdeutsch“. Mit ihrem Sohn hat sie leider nicht Plattdeutsch gesprochen, „aber das Enkelkind wächst fast zweisprachig auf“, sagt sie und hält so das Plattdeutsche in der Familie lebendig.

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