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Plattdeutsch liegt Gertrud Grotegers am Herzen

Im Porträt „Mensch der Woche“: Die 66-Jährige ist eine von vier Plattdeutschbeauftragten in der Stadt Dinklage.

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Dit un dat up Platt: Die Dinklagerin Gertrud Grotegers präsentiert ein Tischset mit zahlreichen plattdeutschen Begriffen. Foto: Klöker

Dit un dat up Platt: Die Dinklagerin Gertrud Grotegers präsentiert ein Tischset mit zahlreichen plattdeutschen Begriffen. Foto: Klöker

„Mit Platt fang an, mit Platt hör up, dann büs Du jeden Dag gaut drup.“ Das ist das Motto von Gertrud Grotegers, die wir in der Serie „Mensch der Woche“ porträtieren. Die gebürtige Mühlenerin ist eine von vier Plattdeutschbeauftragten der Stadt Dinklage und sagt: „Plattdeutsch ist mir eine Herzensangelegenheit.“ Gertrud Grotegers ist 66 Jahre alt und seit 1979 mit Ehemann Peter verheiratet. Das Paar hat drei Kinder und zwei Enkelkinder.

Arbeit auf Hühnerfarm und in Korkenfabrik

Nach der Schulbildung und Tätigkeiten auf einer Hühnerfarm und in der Lohner Korkenfabrik arbeitete Gertrud Grotegers als Helferin im Kindergarten Maria Frieden in Vechta und wechselte anschließend in den Kindergarten nach Mühlen. Nach einer beruflichen Station in der Teeküche des Dinklager Krankenhauses und der Geburt der Kinder nahm sie eine Tätigkeit im Kindergarten St. Catharina Dinklage auf, zunächst aushilfsweise, später dauerhaft. Im Alter von 40 Jahren absolvierte Gertrud Grotegers per Abendschule zweimal die Woche in Cloppenburg die Ausbildung zur Kinderpflegerin. „Die Arbeit mit Kindern hält jung, man bekommt sehr viel von ihnen zurück.“

Positive Wirkung von Mehrsprachigkeit

Im Jahr 2006 besuchte sie eine Fortbildung, in der die starke positive Wirkung von Mehrsprachigkeit bei Kindern verdeutlicht wurde. „Die Sprachentwicklung ist mit sieben Jahren weitgehend abgeschlossen.“ Und da Plattdeutsch eine eigenständige Sprache ist, hatte Gertrud Grotegers die Idee, mit den Kindern im Kindergarten fortan nur noch Plattdeutsch zu sprechen. Und damit rannte sie offene Türen bei allen Beteiligten ein. „Das war total faszinierend. Die Kinder haben es super aufgefasst und mich immer mit einem „Moin moin“ begrüßt.“ Mit Geduld und Verwendung von Bildsprache wurde das Verständnis für die Sprache beim Nachwuchs immer stärker gefördert. Fortan gehörte zudem ein plattdeutscher Morgenkreis, in dem Gertrud Grotegers mit Handpuppe Heini von Gruppe zu Gruppe zog und mit Liedern und Fingerspielen für Freude sorgte, zum Tagesablauf.

„Den Kindern Plattdeutsch zu vermitteln, ist toll.“Gertrud Grotegers

Im Jahr 2014 ging Gertrud Grotegers in die passive Phase der Altersteilzeit. Trotzdem engagiert sie sich weiterhin ehrenamtlich für die Kindertageseinrichtung. Ebenso wie Ulla Bröring, Ulla Pieper, Edith Husmann und Mechthild Kröger hilft sie im Kindercafé, richtet das Frühstücksbüffet für die Kinder an, hilft beim Abspülen und Aufräumen. Und auch der plattdeutsche Morgenkreis mit Handpuppe Heini darf nicht fehlen. „Den Kindern Plattdeutsch zu vermitteln, ist toll“, findet Gertrud Grotegers. Sie sprach bereits auf der Frühchen-Station mit ihren Enkelinnen Platt und ruft die Eltern und Großeltern dazu auf, einfach mit den Kindern Plattdeutsch zu schnacken.

Quartett an Plattdeutschbeauftragten

Seit 2012 ist Gertrud Grotegers neben Bernd Taphorn, Hildegard Herms-Westendorf und Paul Arlinghaus Plattdeutschbeauftragte der Stadt Dinklage. Das Quartett kümmert sich um Aktionen und Veranstaltungen, die dem Erhalt und der Förderung der plattdeutschen Sprache dienen. Besonders erfolgreich waren die mit zahlreichen plattdeutschen Begriffen versehenen abwaschbaren Tischsets und Plakate, die unter anderem in den Kindertagesstätten verteilt wurden. Auch das plattdeutsche Märchenquiz auf der Gewerbeschau und der plattdeutsche Erntedankgottesdienst kamen bestens an. Ebenso wie das Kulturfrühstück auf Platt, das bislang dreimal ausgerichtet wurde und dem Publikum im vollen Saal Suntken Geschichte, Gedichte, Lieder und vieles mehr bot – unter Mitwirkung von Kindern. Auch an den plattdeutschen Stammtischen beteiligt Gertrud Grotegers sich gerne.

„Ich versuche aus allem das Beste zu machen.“Gertrud Grotegers

Gertrud Grotegers ist ein sehr optimistischer Mensch. „Ich versuche aus allem das Beste zu machen.“ Sie pflegt gerne den Kontakt zu Kegelverein, Handarbeits- und Kaffeeclub sowie zu den Schulfreundinnen aus Mühlen. „Das sind alles Menschen, die mich auf meinem Lebensweg begleitet haben.“ Auch wenn die Dinklagerin Spaß an Geselligkeit hat und ein Vereinsmensch ist, kam bei ihr trotz Corona keineswegs Langeweile auf. „Ich habe den Garten noch nie so genossen wie in diesem Jahr“, sagt sie mit einem Lächeln.
In Dinklage lebt sie gerne: „Es gibt hier alles, der Ort ist schön mit der Schweger Mühle und der Burg. Und es gibt tolle Vereine. Wer sich in Dinklage einbringen will, wird definitiv fündig.“

"Plattdeutsch bedeutet für mich Heimat."Gertrud Grotegers

Vor 40 Jahren war Gertrud Grotegers Mitgründerin der Jungen Gemeinschaft in Dinklage und nimmt noch heute gerne an Veranstaltungen des Vereins teil. „Mittlerweile sind wir die jung gebliebene Gemeinschaft“, erzählt sie augenzwinkernd.
Die Dinklagerin sagt: „Plattdeutsch ist meine Muttersprache, es bedeutet für mich Heimat und gehört zum Leben dazu.“ Klar ist: Gertrud Grotegers wird sich weiter mit großer Leidenschaft dafür einsetzen, dass das Kulturgut plattdeutsche Sprache gewiss nicht verloren geht und sich einer weiter wachsenden Beliebtheit insbesondere beim Nachwuchs erfreut.

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