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Neuer Obermeister will Bauprozesse digitalisieren

Der Böseler ist neuer Obermeister der Bauinnung Cloppenburg. Er verbrachte rund 10 "Wanderjahre" als Diplom-Ingenieur in größeren Unternehmen und hat viele Erfahrungen gesammelt.

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Ingenieur wird Obermeister: Mattias Schöning kennt Baustellen seit seiner Kindheit und hat als Diplomingenieur in großen Unternehmen gearbeitet. Foto: Bernd Götting

Ingenieur wird Obermeister: Mattias Schöning kennt Baustellen seit seiner Kindheit und hat als Diplomingenieur in großen Unternehmen gearbeitet. Foto: Bernd Götting

Baustellen in Stadt und Land kennt er seit seiner Kindheit. Matthias Schöning aus Bösel hat seinen Vater viele Jahre lang begleitet und weiß bis ins Detail, wie Einfamilienhäuser, Gewerbebauten und landwirtschaftliche Gebäude erstellt werden. Einen handwerklichen Beruf hat der 44-Jährige selbst allerdings nie erlernt. Schöning ging den akademischen Weg und verbrachte rund 10 "Wanderjahre" als Diplom-Ingenieur in größeren Unternehmen. Heute leitet er die von seinem Vater gegründete Theo Schöning GmbH. Das Unternehmen ist auf Wohnungs-, Gewerbe-, Landwirtschafts- und öffentlichen Bau spezialisiert und errichtet Objekte auf Wunsch auch schlüsselfertig.

Ruf als aufgeschlossener und kreativer Macher erworben

Bei seinen Berufskollegen hat er sich den Ruf als aufgeschlossener und kreativer Macher erworben. Dazu trug auch ein Vortrag bei, den er vor der Bauinnung Cloppenburg hielt. "Den Leuten hat das offenbar gefallen", vermutet der Bauunternehmer bescheiden. Das Vertrauen in seine Person war dann offenbar so groß, dass die Mauerer und Zimmerer der Innung ihn Ende März zum neuen Obermeister wählten. Damit steht ein Akademiker mit handwerklicher Prägung an der Spitze der Bauinnung. Matthias Schöning ist sich sicher, den Anforderungen gerecht werden zu können. Wichtig war ihm zunächst, dass die Familie das Ehrenamt mitträgt. "Bevor die Innung getagt hat, wurde bei uns erst einmal der Familienrat einberufen", sagt der neue Obermeister. Alles andere sei dann auch eine Frage der Prioritäten. Er werde sicher viele Repräsentationsaufgaben wahrnehmen müssen. Wichtig sei ihm aber, die Innung als stolze und hoch qualifizierte Handwerkerschaft darzustellen. Dazu gehöre für ihn die Digitalisierung der Baustellenorganisation und der Materialwirtschaft. "Das Bauen wird immer komplizierter, aber mit digitalen Methoden können wir anders planen und besser planen", ist sich Schöning sicher, der in seinem Unternehmen selbst 20 Mitarbeiter beschäftigt. Tag für Tag erlebt er selbst, mit welchen Problemen die Bauwirtschaft zu kämpfen hat: Termindruck, Fachkräftemangel und explodierende Materialpreise. Für vieles sieht der Böseler die Lösung in einer komplexen Digitalisierung. "Die Zimmerer in unserer Innung sind da schon weiter als die Maurer", berichtet der Obermeister.

"Das Bauen wird immer komplizierter, aber mit digitalen Methoden können wir anders planen und besser planen."Matthias Schöning, Obermeister der Bauinnung Cloppenburg.

Als Ingenieur hat er schon viel Erfahrung mit dem Verfahren "Building Information Modeling" (BIM) gemacht. In Deutschland sei diese Arbeitsweise auch als "digitaler Zwilling" im Gespräch. Mit der Methode BIM werde ein Bauvorhaben idealerweise gewerkeübergreifend digital und dreidimensional gezeichnet. Daraus könne dann der Materialbedarf für Mauersteine, Mörtel, Beton, Fenster, Türen und vieles mehr präzise ermittelt werden. Doch es gebe noch mehr Möglichkeiten, schildert Matthias Schöning. Man könne für eine Fensteraussparung Steine auf der Baustelle mühevoll zuschneiden, man könne sie aber auch passgenau im Werk bestellen. "Wir arbeiten dann mit Wandlisten, vorkonfektionierten Steinen und durchnummerierten Paletten, die der Reihe nach vermauert werden. Dann gibt es kein Stemmen, Sägen und Flexen mehr", beschreibt er die Methode. Diese Arbeitsweise sei längst keine Vision mehr, sondern werde in seiner Firma bereits erfolgreich umgesetzt. Am Ende würden alle Beteiligten von der Digitalisierung profitieren. "Die Bauherren bekommen eine bessere Qualität. Die Termine können genauer eingehalten werden und der Bauunternehmer spart pro Kolonne einen Mitarbeiter ein, den er für qualifizierte Arbeiten nutzen kann" ist sich Schöning sicher.

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