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Museumsdorf startet mit einem neuen Chef ins nächste Jahrhundert

So anspruchsvoll wie die Expo, so unterhaltsam wie Disneyland: Diesen Spagat will der neue Chef des Freilichtmuseums in Cloppenburg wagen. Das Rezept dafür? Bildung, Optimismus und Humor.

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Fröhlich und immer optimistisch: Dr. Torsten Walter Müller will den Ausbau und die Erneuerung des Museumsdorfs vorantreiben.  Foto: Bernd Götting

Fröhlich und immer optimistisch: Dr. Torsten Walter Müller will den Ausbau und die Erneuerung des Museumsdorfs vorantreiben. Foto: Bernd Götting

Im Jahr 2019 – vor der Pandemie – hatte das Museumsdorf Cloppenburg 280.000 Besucher. 2020 waren es dann nur noch 100.000 Gäste. Es ist offenkundig, auf welchen Stand Dr. Torsten Müller, der neue Chef des Museumsdorfes, zurückmöchte. Und wie er das schaffen will, das lässt er seine Gesprächspartner binnen weniger Minuten wissen: Bildung, Optimismus und eine kräftige Prise Humor.

Als neuer Leiter einer bundesweit beachteten Einrichtung versteht auch Müller „das Dorf“, wie es die Cloppenburger oft nennen, als ein bildungs- und forschungsorientiertes Museum mit hohem Freizeit-, Erholungs- und Erlebniswert. „Wir wollen so unterhaltsam sein wie das Disneyland, und dabei so anspruchsvoll wie die Expo in Hannover“, schildert Dr. Müller den Anspruch bildhaft.

Und gleichzeitig soll der Ausbau des Museumsdorfes weitergehen. Dabei stört es ihn keineswegs, dass ihm „nur“ 6 Millionen Euro bewilligter Fördergelder zur Verfügung stehen, obwohl sich seine Amtsvorgängerin mindestens 10 Millionen gewünscht hätte. Müller bewertet die Lage auf seine eigene Art, und somit ganz optimistisch: „6 Millionen Euro müssen ja erst einmal verbaut sein.“  Natürlich sei  ihm klar, dass beim Unterhalt der vielen historischen Gebäude noch Luft nach oben sei. Und an diesem Punkt kämen ihm seine Erfahrungen und seine Fähigkeiten zugute: „Einwerbung von Drittmitteln, das ist mein Ding!“ sagt der gebürtige Eichsfelder und strahlt dabei schelmisch übers ganze Gesicht.

Er habe sich in einer vorherigen Tätigkeit schon mal einen Rüffel eingefangen, weil er so erfolgreich war, dass kaum noch Sponsoren für andere Einrichtungen seines damaligen Arbeitgebers zur Verfügung standen. Doch das habe ihn in seinem Eifer nur bestätigt. Auch für das Museumsdorf werde er um finanzielle Mittel kämpfen und dafür in den nächsten Monaten das erforderliche Netzwerk aufbauen.

Aus dem Fotoalbum des Museumsdorfs: Bauarbeiten an einem Fachwerkhaus in den 50er Jahren. Foto: MuseumsdorfAus dem Fotoalbum des Museumsdorfs: Bauarbeiten an einem Fachwerkhaus in den 50er Jahren. Foto: Museumsdorf

Dabei wird ihm auch sein persönliches Fachwissen helfen. Torsten Walter Müller, wie er vollständig heißt, studierte ab 2001 Volkskunde, Kunstgeschichte und Katholische Theologie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Bis 2008 folgte das Studium der katholischen Theologie an der Universität Erfurt sowie ebenfalls dort das Bachelorstudium (katholische Religionslehre, Germanistik und Studium Fundamentale) und das Masterstudium Lehramt Regelschule (Schulpädagogik, Katholische Religionslehre, Deutsch) – beide mit Abschluss.[2]

Bis 2014 war er Promotionsstudent an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt. Müller wirkte als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle für kirchliche Zeitgeschichte in Erfurt (FKZE) sowie am Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Erfurt mit.

Typische Idylle: Der Goldenstedter Hoffmannshof im Museumsdorf. Foto: Eckhard Albrecht.Typische Idylle: Der Goldenstedter Hoffmannshof im Museumsdorf. Foto: Eckhard Albrecht.

2014 wurde er mit seiner kirchengeschichtlichen Arbeit über Heimatvertriebene in Thüringen nach 1945 promoviert, veröffentlicht als Publikation „In der Fremde glauben – Die Auswirkungen von Flucht und Vertreibung im Ostteil des Bistums Fulda“. Beim Thema Heimatvertriebene sieht der stets agile Museumsleiter auch einen Aspekt, der das Museumsdorf noch bereichern könnte.

Mit Dr. Torsten Müller startet das Cloppenburger Freilichtmuseum in sein zweites Jahrhundert. Vor wenigen Tagen ist bereits eine Sonderausstellung gestartet: „100 Jahre für die Zukunft“ heißt sie und erzählt anhand von Geschichten der Menschen, die es geprägt und zu dem gemacht haben, was das Museumsdorf heute ist. Die Sonderausstellung läuft noch bis zum 31. Januar 2023. Öffentliche Führungen zum Jubiläum gibt es am 3. Juli, am 25. September, am 16. Oktober und am 13. November 2022.

Lebendiges Handwerk im Museumsdorf: Wolle spinnen mit einer Handspindel, anschaulich vorgeführt. Foto: MuseumsdorfLebendiges Handwerk im Museumsdorf: Wolle spinnen mit einer Handspindel, anschaulich vorgeführt. Foto: Museumsdorf

Und natürlich hat sich das Museum auch auf die Ferienzeit eingestellt. Während des „Dorfsommers“ vom 18. Juli bis zum 21. August finden unter der Woche die beliebten Tierfütterungen und allerlei Vorführungen statt. Die Museumslandwirte, -gärtnerinnen und -handwerker stehen gern Rede und Antwort, geben Tipps und Kniffe und freuen sich auf einen Klönschnack über den Gartenzaun oder am Dielentor. Alte Nutztierrassen und Handwerkstechniken kann man live erleben. Das detaillierte Programm gibt’s immer tagesaktuell im Internet unter: www.museumsdorf.de

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