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Mit dem Abi-Zeugnis nach Afrika: Taku will die Oma beeindrucken

Sehr persönliche Ansichten – immer dieselben 10 Fragen. Dieses Mal: Taku Samurivo. Der 19-jährige Löninger Ratsherr bewundert Nelson Mandela und will sich weiterhin in die Lokalpolitik einmischen.

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Afrika im Herzen: Taku Samurivo ist stolz auf seine Herkunft. Foto: G. Meyer

Afrika im Herzen: Taku Samurivo ist stolz auf seine Herkunft. Foto: G. Meyer

Und? Wie ging es in letzter Zeit?
Es war sehr stressig, weil ich mitten im Abitur stecke. Mit den schriftlichen Arbeiten bin ich inzwischen aber durch. Meine Leistungsfächer sind Geschichte, Politik und Englisch. Ich finde, ich war ganz gut vorbereitet und freue mich schon auf den nächsten Lebensabschnitt. Wenn alles klappt, werde ich ab Herbst Jura studieren. Mein Rats-Mandat möchte ich aber möglichst weiterführen.

Was haben Sie sich einmal so richtig gegönnt?
Vor einigen Monaten habe ich mir ein besonderes Shirt mit passendem Blazer anfertigen lassen. Ansonsten bin ich mit wenig zufrieden. Vor drei Jahren, zu meinem 16. Geburtstag, habe ich meine Angehörigen in Simbabwe besucht. Meine Großmutter arbeitet dort als Schuldirektorin. Sie hat auch mich eingeschult, bevor ich vor 13 Jahren nach Deutschland gekommen bin, weil mein Vater hier Arbeit gefunden hatte. 

Wenn Sie König von Deutschland wären: Was gehört als erstes abgeschafft?
Abschaffen würde ich nichts. Ich finde, dass in Deutschland vieles gut und schlüssig funktioniert. Ergänzungen wären aber nötig. So sollten Ausländer, die qualifiziert sind, es leichter haben, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Schulen sollten außerdem eigenverantwortlich entscheiden können, wie sie ihr Geld verwenden wollen. Der Fokus sollte dabei vor allem auf die Stärkung der Haupt- und Realschulen gelegt werden. Und auf jeden Fall würde ich ein Tempolimit auf Autobahnen einführen.

Welchen Traum werden Sie sich als nächsten erfüllen (können)?
Sobald ich kann, werde ich wieder nach Simbabwe fliegen. Ich habe dort noch viele Freunde und natürlich möchte ich meinen Großeltern mein Abi-Zeugnis zeigen. 

Was tun Sie am liebsten?
Eigentlich spiele ich gern Fußball, aber dafür hatte ich zuletzt leider keine Zeit. Außerdem beschäftige ich mich viel mit Politik und Geschichte, lese zum Beispiel Biografien berühmter Freiheitskämpfer wie Nelson Mandela. Diese Lektüre hat auch zu meinem Entschluss beigetragen, für den Löninger Stadtrat zu kandidieren. Wer etwas verändern will, muss ja irgendwo anfangen.

Welche Eigenschaften mögen Sie an sich selbst? Und welche nicht?
Ich bin offen und direkt, sage die Dinge am liebsten gerade heraus und habe ein großes Empathievermögen. Neuen Herausforderungen möchte ich mich immer stellen und glaube an meine Stärken. Manchmal bin ich allerdings zu verbissen, etwas mehr Lockerheit wäre dann ganz gut.

Welche TV-Sendung mögen Sie am liebsten?
Die Serie Monk lasse ich nicht aus, dazu kommt einiges auf Netflix. Dokus und politische Talk-Shows wie Markus Lanz schaue ich ebenfalls häufig. Und auf Youtube habe ich eine Comedy-Serie aus Simbabwe gefunden, die ich noch von früher kannte. Die ist wirklich lustig.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal treffen?
Würde er noch leben, natürlich mit Nelson Mandela. Ich bewundere alles, was er getan hat. Dass er nach Jahrzehnten im Gefängnis nicht auf Rache sann, sondern als Versöhner voller Visionen für ein geeintes Südafrika auftrat, ist schwer zu übertreffen. Ich frage mich, wie sich das Land entwickelt hätte, wenn er noch eine weitere Amtszeit Präsident geblieben wäre. Außerdem würde ich gern Barack Obama und Olaf Scholz treffen. Ich mag Scholz' ruhige Art. Er vermeidet es, zu polarisieren, könnte aber etwas nahbarer sein.

Was würden Sie gerne einmal wieder essen?
Das Gericht, das jeder in Simbabwe kennt, heißt "Sadza". Dabei handelt es sich um einen grießartigen Maisbrei, der mit Gemüse gegessen wird. Zuhause essen wir gemischte Küche, Grünkohl mit Pinkel etwa finde ich auch sehr lecker. Ich vermisse also nicht wirklich etwas.  

Welches Thema in den Medien hat Sie am meisten beschäftigt?
Sicherlich der Ukraine-Krieg. Er ist für uns so nah und lässt mich deshalb nicht kalt. Der Angriff Russlands ist ein großes Unrecht und ich hoffe sehr, dass bald wieder Frieden sein wird. Über das Internet  habe ich viel Kontakt zu Gleichaltrigen aus allen möglichen Ländern, auch aus der Ukraine. Abgesehen davon hoffe ich, dass Schalke 04 den Abstieg aus der Bundesliga vermeiden kann. Schalke-Fan bin ich über meinen besten Freund geworden. Natürlich drücke ich den Knappen die Daumen für das Spiel gegen die Bayern.


Zur Person:

  • Taku Samurivo ist das jüngste Mitglied des Löninger Stadtrats.
  • Der 19-Jährige spielt gern Fußball und interessiert sich für Politik und Geschichte.
  • Geboren in Simbabwe, kam Taku Samurivo im Jahr 2010 nach Deutschland.
  • Mit 17 Jahren kandidierte er auf Seiten der UfL bei der Stadtratswahl und erzielte auf Anhieb eines der besten Einzelergebnisse.

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