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Marissa Vazquez Perez ist vom Lesen fasziniert

Im Porträt "Mensch der Woche: Die 33-Jährige leitet seit Mai 2014 die Katholische Öffentliche Bücherei St. Catharina Dinklage.

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Wie heißt das Buch? Marissa Vazquez Perez mit dem Literaturquiz von Richard Latzin. Foto: Könker

Wie heißt das Buch? Marissa Vazquez Perez mit dem Literaturquiz von Richard Latzin. Foto: Könker

„Am Lesen fasziniert mich das Abtauchen in eine gute Geschichte. Die Gedanken- und Gefühlswelt eines Protagonisten wird in einem Buch wesentlich intimer und ausführlicher beschrieben. Das schafft ein Film eher selten“, sagt Marissa Vazquez Perez, die wir in der Serie „Mensch der Woche“ porträtieren. Die Leiterin der Katholischen Bücherei St. Catharina Dinklage ergänzt: „Außerdem kann man ein Buch auch überall mit hinnehmen. Ob im Zug oder am Strand. Einfach aufklappen und eintauchen.“

Hochzeit auf 2022 verschoben

Marissa Vazquez Perez ist 33 Jahre alt und seit acht Jahren mit ihrem Freund Florian zusammen. „Im März 2021 hatten wir vor zu heiraten. Weil wir keine Lust auf eine Hochzeit mit Abstandregelung haben, haben wir die Hochzeit auf März 2022 verschoben.“  Ihr Abitur hat Marissa Vazquez Perez in Ahlen gemacht und begann aufgrund ihres großes Interesses an Literatur ein Praktikum in der Stadtbücherei in Ahlen. Ein Jahr später startete sie das Bibliothekswesenstudium an der ehemaligen Fachhochschule Köln. Im Rahmen des Studiums sammelte sie weitere Berufserfahrung beim Ressourcenzentrum für Forschung und Lehre der Universität Barcelona. Nach dem Bachelorabschluss ging es nach Dinklage, wo sie im Mai 2014 die Leitung der Bücherei übernahm.

Vielfältige Aufgaben

Das Aufgabengebiet einer Büchereileiterin ist sehr vielfältig. Die Tätigkeiten reichen vom Erwerb und der Inventarisierung verschiedener Medien über Veranstaltungsmanagement, Kooperationsarbeit mit diversen Einrichtungen, Bereitstellung von Angeboten an verschiedene Zielgruppen bis hin zur Leseförderung. „Weitere Bestandteile meiner Arbeit sind Dienstleistungsmanagement und Teamführung. Mir steht ein Team von etwa 25 Personen zur Seite. Zwei Teammitglieder befinden sich in einem bezahlten Arbeitsverhältnis, die anderen sind ehrenamtlich tätig. Einige davon sind schon seit über 20 Jahren dabei.“

"Ich lege viel Wert auf die Meinung meiner Kollegen und bespreche mich erst mit ihnen, bevor ich etwas umsetze."Marissa Vazquez Perez

Am besten an der Arbeit gefällt Marissa Vazquez Perez ihr Team: „Was mir am besten an meinem Team gefällt, sind ihr Engagement und ihre Offenheit für neue Ideen und Konzepte. Wenn mal jemand ausfällt, springt immer einer ein. Werden neue Veranstaltungen oder Projekte geplant, steht das Team hinter mir. Natürlich bekomme ich auch interne Kritik, aber diese finde ich sehr wichtig. Ich lege viel Wert auf die Meinung meiner Kollegen und bespreche mich erst mit ihnen, bevor ich etwas umsetze. Veranstaltungen, größere Projekte und insbesondere die reguläre Ausleihe würden ohne das Team nicht laufen.“

Abhol- und Rückgabeservice kommt gut an

Während des ersten Lockdowns hat das Bücherei-Team die Zeit genutzt, den Sachbuchbereich zu sichten und umzuräumen. „Bereiche wie „Haus & Garten“ oder „Küche & Co.“ werden immer größer, also haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, wie wir diese Bereiche repräsentativer und platzoptimierender stellen können. Zeitgleich haben wir ein Hygiene- und Abstandskonzept für die Zeit nach dem Lockdown entwickelt. Uns war dabei sehr wichtig, dass die Leserinnen und Leser sich trotz dieser Vorgaben weiterhin bei uns wohl fühlen und durch die Regale stöbern können.“ Als nach den Sommerferien die Besucherzahl anzog, kam auch schon bald der zweite Lockdown. Seitdem bietet die Bücherei einen Abhol- und Rückgabeservice an. „Dieser wird auch sehr gut genutzt. Aber es bleibt auch ein wenig Zeit, mein Büro ebenfalls auf- und umzuräumen. Nach gut sechseinhalb Jahren hat sich vieles angesammelt...“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

„Ich habe eine Leitungsstelle, ein super Team und die Arbeit macht mir großen Spaß."Marissa Vazquez Perez

Die Arbeit macht ihr sehr viel Freude: „Ich habe eine Leitungsstelle, ein super Team und die Arbeit macht mir großen Spaß. Somit wäre mein Plan, dass alles so bleibt.“ Zurzeit gefallen Marissa Vazquez Perez Gesellschaftsromane am besten: „Die beschriebenen Personen erleben ein einschneidendes Schicksal oder leiden unter Depressionen und die Geschichte behandelt ihren Umgang damit im Alltag. In den Geschichten, aber auch im Alltag zeigt sich, dass man den Leuten nur vor den Kopf gucken kann und meistens nicht weiß, was sie bewegt oder antreibt.“

„Nachtfräuleinspiel“ als Lieblingsbuch

Marissa Vazquez Perez' absolutes Lieblingsbuch ist „Nachtfräuleinspiel“ von Anja Jonuleit. Darin geht es um eine anerkannte Pädagogin, die nach außen hin das perfekte Leben führt. Sehr erfolgreich im Beruf, gleichzeitig zieht sie vier Kinder groß. Während der Geschichte stellt sich heraus, dass sie für ihre Ziele über Leichen gegangen ist und trotz ihres Berufs eine narzisstische Egomanin ist. Ihr Buch des Jahres ist „Rose Royal“ von Nicolas Mathieu. In dem Roman geht es um eine unabhängige, emanzipierte Frau, die an einen gewalttätigen Mann gerät.

„An Dinklage gefällt mir besonders gut, dass hier alles etwas unkomplizierter und familiärer ist."Marissa Vazquez Perez

In Dinklage fühlt Marissa Vazquez Perez, die mittlerweile in Osnabrück lebt, sich sehr wohl: „An Dinklage gefällt mir besonders gut, dass hier alles etwas unkomplizierter und familiärer ist. Wenn man neue Kooperationen sucht, sind die Wege dahin kurz. Man hält sich nicht lange mit Formalitäten auf. Auch privat macht sich das bemerkbar. Für die Stelle in der Bücherei bin ich von Ahlen nach Dinklage gezogen. Meine Vermieterin hatte Handwerker engagiert, um neue Fenster einbauen zu lassen. Für einen Termin rief die Werkstatt einfach in der Bücherei an, ohne dass ich ihnen gegenüber erwähnt habe, wo ich arbeite. Man wusste es halt schon über die OV.“

Zocken als großes Hobby

Ein weiteres großes Hobby der 33-Jährigen ist das Zocken. „Hauptsächlich auf der Playstation. Dieses Jahr kamen hervorragende Spiele raus. „The Last of Us Part 2“, „Assassin's Creed Valhalla“ und auf „Cyberpunk 2077“ freue ich mich schon sehr.“ Marissa Vazquez Perez sagt von sich selbst: „Ich bin sehr ehrlich und direkt. Mir sind diese Eigenschaften auch bei anderen sehr wichtig, weil ich Wert darauf lege, dass eine offene Kommunikation stattfindet.“

Reizüberflutung und Kulturschock

Marissa Vazquez Perez möchte gerne eines Tages nach Tokio reisen. „Dort würde ich mir dann die Elektronikmeile und Otakutreffpunkt Akihabara anschauen. Die völlige Reizüberflutung und der Kulturschock.“ Fest steht: Bücher werden weiter fester Bestandteil im Leben von Marissa Vazquez Perez sein, die sich auf viele weitere Jahre in der Dinklager Bücherei freut.

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