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Maria Meyer liebt die sprachlichen Details

"Mensch der Woche": Die Dammer Autorin schreibt in ihrem 5. Buch über ihre Junglehrerinnenzeit.

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Maria Meyer lädt mit „Ein Fasan im Klassenzimmer“ wieder zum Lesen und Vorlesen ein und schließt mit ihrem mittlerweile 5. Buch eine „literarische Lücke in ihrem Leben“. Foto: Röttgers

Maria Meyer lädt mit „Ein Fasan im Klassenzimmer“ wieder zum Lesen und Vorlesen ein und schließt mit ihrem mittlerweile 5. Buch eine „literarische Lücke in ihrem Leben“. Foto: Röttgers

Sie ist wieder da: Die weit über den Landkreis Vechta hinaus bekannte Dammer Autorin Maria Meyer veröffentlicht mit „Ein Fasan im Klassenzimmer“ jetzt ihr mittlerweile 5. Buch. Dieses Mal geht es speziell um ihre eigene Junglehrerinnenzeit, die sie nach ihrem Studium für das Lehramt zunächst an die Dorfschule nach Barßel führt. Die Autorin nimmt den Leser hierbei nicht nur mit auf eine spannende Reise in eine längst vergangene und fast schon vergessene Zeit, als ein „junges Frollein“ mit nur 580 Mark über die Runden kommen musste, sondern sie lässt auch in vielen Momenten Einblicke in das Seelenleben einer blutjungen Lehrerin zu, die sich an ihrer ersten richtigen Stelle gegenüber ihren Schülern, Eltern, Kollegen, Schulleitung und selbst gegenüber dem Schulrat in ihrer Lehrerpersönlichkeit erst einmal behaupten muss.

124 Seiten rund ums Thema "Schule"

Auf insgesamt 124 Seiten dreht sich aber nicht nur alles um das Thema „Schule“. Eingeteilt in 30 kürzere und längere Episoden, lädt das Lesebuch zum Schmökern ein. Zudem ist es eine Fundgrube für alle, die sich gern an ihre Schulzeit erinnern. Es beleuchtet alltägliche Situationen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen und nimmt den Leser mit in das Leben einer damals gerade erst 22 Jahre jungen Frau. Die engagierte Pädagogin hebt dabei jedoch nie den berühmt-berüchtigten „pädagogischen Zeigefinder“, so dass die Lektüre nie oberlehrerhaft oder belehrend sondern heiter und fröhlich stimmt. Immer wieder wird dabei der Blick auf das einzelne Kind gerichtet, auf seinen sozialen Entwicklungsstand, seine Anlagen und geistige Entwicklung.

Gewaltfreie Erziehung im Zentrum

„Im Mittelpunkt steht eine gewaltfreie Erziehung, das Bemühen, Widersprüche zu ertragen und Erklärungen zum eigenen Handeln abzugeben“, erklärt die Autorin selbst zu ihrem Werk. Dieser Erziehungsstil werde natürlich auch von einigen Eltern missverstanden, die meinten, die Kinder könnten machen, was sie wollten und der Lehrerin „auf der Nase herumtanzen“. Wichtig ist der Autorin bei aller Wissensvermittlung – gerade heute im technischen und digitalen Zeitalter – die „Anerkennung und Wertschätzung des Einzelnen“. Der Leser erfährt außerdem viel Privates aus dem Leben der Autorin dank viel Liebe zu sprachlichen Details und einer gedanklichen Tiefe. Sie sei selber mit einer autoritären Erziehung in der Kriegs- und Nachkriegszeit aufgewachsen, in der Gehorsam, Pflichterfüllung und Disziplin als „oberste Tugenden“ galten.

Zauber kann man sich nur schwer entziehen

Meyer entfaltet einen Zauber, dem man sich nur schwer entziehen kann. So vermittelt die Autorin durch innere Monologe das Gefühl, bei ihrem allerersten Handtaschenkauf tatsächlich gedanklich auch dabei zu sein, die sie sich als ersten Luxus von ihrem mühsam ersparten Geld für stolze 60 Mark leistet. Der Leser fiebert bei der Premieren-Autofahrt mit der Autorin mit, landet praktisch auch mit ihr im Graben und erfährt, dass der Besuch einer anderen Stadt damals praktisch einer Weltreise geglichen habe. Er erleidet ebenso „Schiffbruch“ beim ersten Elternsprechtag, spielt „Hinke Pinke“ auf dem Pausenhof und erlebt „den Fasan im Klassenzimmer“.

Mangel an Liebe äußert sich

Schließlich lässt Meyer ihre Leserschaft an „ihrem gesammelten pädagogischen Schatz“ teilhaben: „Sehr oft in meiner pädagogischen Tätigkeit habe ich gespürt, dass Kindern das Wichtigste fehlt: die (Mutter-) Liebe!“, offenbart die Schriftstellerin. Dieser Mangel habe sich darin geäußert, dass diese Kinder anderen Kindern und Erwachsenen etwas gestohlen hätten. „Eigentlich nahmen sie sich nur etwas, was sie sonst nicht bekamen oder nicht bekommen konnten“, relativiert die Pädagogin. „Den Zusammenhang zwischen dem Mangel an Liebe und dem ‚Stehlen‘ habe ich viel zu spät erkannt“, resümiert Meyer. „Die Frage lautet ein Leben lang: Was kann eine Lehrerin im Unterricht ausrichten, an Liebe geben, ohne ungerecht zu sein?“, fragt die Autorin.

Engagierte Pädagogen dringend notwendig

Ein Schüler habe zu ihr in ihrer Orientierungsstufenzeit einmal geäußert: „Ich wollte, du wärst meine Mama!“ Ein afrikanisches Sprichwort laute: „Schließlich brauche es ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“, zitiert die Romanschreiberin. Ihre „Botschaft“ des Buches: Es braucht in unserer heutigen, modernen und digitalisierten Welt engagierte Pädagoginnen und Pädagogen dringender denn je. Hier ein kurzer literarischer Rückblick auf Meyers Gesamtwerk: Nach den sehr erfolgreichen Erzählbänden „Oma und Jule oder ein Löwe auf dem Skateboard“ und „Neues von Oma und Jule“ sowie „Omas Schatztruhe“ und dem Vorlesebuch speziell für Seniorinnen und Senioren „Oma und Jule in der guten Stube“ ist jetzt ein 5. Band erschienen, mit der die Dammer Autorin praktisch noch eine „Lücke in ihrem Leben für den Leser literarisch“ schließt: Ihre Anfänge als Lehrerin.

Fit durch Nordic Walking

Die mittlerweile 81 Jahre alte Autorin lebt mit ihrem Ehemann August in Damme. Mit Andreas und Martin hat sie 2 erwachsene Söhne und 3 Enkelkinder, die bereits in den „Jule“-Büchern allesamt Pate standen. In ihrer aktiven Berufszeit ist Meyer eine engagierte Pädagogin an 8 verschiedenen Schulen gewesen, war in der Lehrerausbildung und Schulleiterfortbildung tätig und hat nach ihrer Pensionierung mit „Lesestart“ ein nachhaltiges Leseprojekt auf den Weg gebracht, was von der Stiftung Lesen bundesweit durchgeführt wird. Ansonsten hält sich Maria Meyer zusammen mit ihrem Mann August durch Nordic Walking in den Dammer Bergen fit und liest gerne selber gute Bücher.

Buch als vorläufiger Abschluss

„Ein Fasan im Klassenzimmer“ ist nicht nur ein vorläufiger Abschluss der Lebensabschnitte der Autorin, sondern bietet sich auch als ein schönes Geschenkbuch für vergnügliche (Vor-)Lesestunden an. Das Buch ist im Eigenverlag erschienen, trägt die ISBN 9783756862887, kostet 9,99 Euro und ist in allen Buchhandlungen der Landkreise Cloppenburg und Vechta und beim Buchshop Books on Demand (www.bod.de) zu erwerben oder direkt über die Webseite der Autorin. Mehr Infos dazu unter www.mariameyer.info.

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