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Johanna Wiese wünscht sich mehr "Sozialen Wohnraum" im Landkreis

Sehr persönliche Ansichten, immer dieselben 10 Fragen: Die Diplomingenieurin und Benediktinerin Schwester Johanna Wiese lebt und arbeitet auf Burg Dinklage.

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Portait an einer Weinrebe des Klosters: Schwester Johanna Wiese. Foto: M. Niehues

Portait an einer Weinrebe des Klosters: Schwester Johanna Wiese. Foto: M. Niehues

Und? Wie ging es in letzter Zeit?
Wir sind sehr froh, wieder Gäste zu haben, wenn auch noch keine volle Belegung möglich ist. Aber ohne Gäste hier am Ort und vor allem im Gebet, das ist für uns sehr fremd. Und wir haben letzte Woche am 3. September den 60. Weihetag unserer Scheunenkirche gefeiert. Das war ein schönes Fest, aber leider auch nicht so groß, wie wir es uns gewünscht haben. Zur Erweiterung hatten wir die Vesper über unsere Hompage gestreamt … so konnten einige von Zuhause aus teilnehmen.

Was haben Sie sich einmal so richtig gegönnt?
Einen Tag im Kolumba in Köln. Das ist das Diözesanmuseum, gebaut vom Schweizer Architekten Peter Zumthor. Das ist mein absolutes Lieblingsmuseum, die Architektur, wie es im Stadtgefüge steht, die Verbindung von alt und neu, sowohl des Gebäudes als auch der ausgestellten Gegenstände fasziniert mich immer wieder. Sie nennen es Kontrasthängung. Immer, wenn ich irgendwie mal in der Nähe bin, mache ich einen Besuch dort.

Wenn Sie Königin von Deutschland wären: Was gehört als erstes abgeschafft?
Das Jammern und Murren über „Die da oben“, was ich eine höchst undemokratische Haltung finde. Und ich meine damit nicht kritiklos alles akzeptieren, was Regierung oder Staat, Kirche oder Wissenschaft von sich geben. Ich meine das destruktive Jammern, dass in Lethargie verfällt, weil „man“ ja nichts ändern kann. Ich sehe darin ein Unterlassen der eigenen Verantwortungsübernahme.

Welchen Traum werden Sie sich als nächsten erfüllen (können)?
Echte Träume kann man sich nicht selber erfüllen … Was ich mir wünsche ist, mehr oder besser in der Gegenwart zu leben, im Jetzt, im aktuellen Augenblick und offen dafür zu sein, was gerade geschieht. Leider ist mein Kopf oft schon beim nächsten Schritt oder Projekt. Das ist auf Dauer nicht so heilsam. Da wo ich es schaffe in der Gegenwart zu bleiben, wird die Zeit weit…

Was tun Sie am liebsten?
Bauen! An unserer alten Burganlage mit Lehm, Holz, Ziegeln und Farbe – und am Reich Gottes natürlich! Ich meine das ernst, das Schaffen von Lebens-, Arbeits- oder Kirchenräumen gibt Menschen die Möglichkeit sich geschützt zu entwickeln und zu wachsen. Die Räume, in denen wir uns aufhalten, prägen uns.

Welche Eigenschaften mögen Sie an sich selbst? Und welche nicht?
Ich mag meine Spontanität und Kreativität. Ich mag nicht, wenn ich andere damit überfordere… aber das passiert manchmal.

Welche TV-Sendung mögen Sie am wenigsten?
Da muss ich passen, ich schaue kein Fern.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal treffen?
Angela Merkel. Ihr würde ich gerne mal persönlich begegnen, auch um ihr Dank zu sagen für all das, was sie als Bundeskanzlerin für unser Land und für Europa getan, entschieden und durchgetragen hat. Ich finde, sie ist in ihrer Klarheit, ihrer Standfestigkeit und ihrer schnörkellosen Geradlinigkeit eine beeindruckende Persönlichkeit.

Was würden Sie gerne einmal wieder essen?
Kanel-Knäck. Das ist die schwedische Sorte von Zimt-Knäckebrot. Am besten ist das Runde mit dick Butter – sehr lecker. 

Welches Thema in den lokalen Medien hat Sie am meisten beschäftigt?
Ein Thema, was mich immer wieder beschäftigt, ist das Thema „Sozialer Wohnraum“. Als Leiterin der Martinsscheune bekomme ich so einiges hautnah mit. Die Gemeinden und Städte haben in den letzten  10 Jahren ihrer Pflicht, sozialen Wohnraum zu schaffen, nicht ausreichend erfüllt. Wir leben in einem reichen Landkreis, in dem es vielen Menschen sehr gut geht. Für Menschen, die es im Leben nicht so gut getroffen haben, mit wenig Geld, mit kulturellen, sozialen oder gesundheitlichen Einschränkungen, gibt es zu wenig Wohnraum. Und die vorhandenen Wohnungen sind in einem sehr schlechten Zustand. Das ist ein Armutszeugnis für unsere Stadt und unsere Region.


Zur Person:

  • Sr. Johanna Wiese (OSB) gehört der Benediktinerinnenabtei St. Scholastika auf Burg Dinklage an.
  • Die 48-jährige Diplomingenieurin (Arch.) stammt gebürtig aus Twistringen und ist 2003 in den Orden eingetreten.
  • Innerhalb des Klosters engagiert sie sich unter anderem als Leiterin der Martinsscheune für Menschen in Not.
  • Außerdem ist sie für die Gästebetreuung zuständig und organisiert anfallende Bautätigkeiten auf Burg Dinklage.

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