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James schweigt auch zu den runden Ecken

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben - So ein Saugroboter erspart einem einiges an Hausarbeit. Doch das Gerät ist nicht unfehlbar.

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James schweigt. Das tut er die meiste Zeit. Nur wenn ich ihn rufe, wird er aktiv. Insofern ist er das unkomplizierteste Familienmitglied – Schreiber dieser Zeilen natürlich eingeschlossen.

James ist erst seit wenigen Wochen bei uns, und doch kennt er perfekt seine Aufträge und die Wege, die er zurückzulegen hat. Ein Knopfdruck, und er schnurrt ohne Murren durch jeden Raum, den ich ihm zuweise. Zuerst war die Gattin nicht so einverstanden mit der Wahl des neuen Hausgenossen. Ich konnte sie überzeugen: James ist männlich, jede Konkurrenz also ausgeschlossen.

Sie wissen natürlich längst, dass der Gute im wahren Leben schlicht Saugroboter genannt wird. Aber James hört sich nun mal persönlicher an. Und so wie der Butler in "Dinner for One" stolpert er hin und wieder über vorhandene Bodenhindernisse oder von uns unachtsam zurückgelassene Utensilien. Dabei verliert er aber nie die Fassung und hat noch keine Beschwerde eingereicht.

"Ansonsten fühle ich eine gewisse Verbundenheit zu unserem Exemplar relativ simpler künstlicher Intelligenz, kurz KI genannt."Andreas Kathe

Gründe hätte er. Klar. Menschen sind fehlbar. Unlängst fand ich den armen Rundling völlig verheddert in der Kabelage unseres Fernsehers. Ich hatte ihn nicht vorgewarnt. Schlimmer noch: Es wäre ein Leichtes gewesen, die Strom- und Antennenleitungen eine Etage höher zu legen. Asche auf mein Haupt.

Er nahm es nicht krumm. Schnurrte sogar ein wenig, als ich ihn befreite und mit einem leichten Streicheln über seinen makellosen Plastikkörper wieder auf die Reise schickte. Mir ist, als wenn er sich seitdem noch mehr Mühe gibt. Denn er frisst unermüdlich Staub, Flusen und herumliegende tote Fliegen in sich hinein und sein Magen – äh, sein Staubbehälter – muss unentwegt entleert werden.

Das Haar in der Suppe fand wie immer die beste Ehefrau von allen: Die Sache mit den Ecken. Das Runde will einfach nicht in das Eckige – da helfen auch die kleinen Wischerärmchen nicht, die James eifrig rotieren lässt. Schweigend übergeht er dieses Problem. Da muss also Hausmann selbst Hand anlegen. Und – by the way – der Roboter hebt ungern ab. Vermutlich hat er – wie auch andere Hausgenossen – eine gewisse Abscheu vor Spinngeweben in den hintersten Raumecken. Ich half mit dem ordinären Handsaugrüssel.

Ansonsten fühle ich eine gewisse Verbundenheit zu unserem Exemplar relativ simpler künstlicher Intelligenz, kurz KI genannt. James braucht nur hin und wieder einen Schub neuer Energie, er verharrt ruhig auf der ihm zugewiesenen Scholle und ist immer dienstbereit, wenn man ihn braucht. Jetzt sagen Sie nicht, das könnte auch die passende Beschreibung für den idealen Ehemann sein. Nein, nein, es ist die Form von KI, mit der ich leben kann. Den Robotern, die sogar runde Ecken säubern, misstraue ich.


Zur Person:

  • Der Journalist Andreas Kathe lebt in Dinklage. Lange Jahre war er Redakteur und Redaktionsleiter der OV.

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