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Guter Markt, du stehst so stille

Kolumne: Das ganz normale Leben - Dass das Fest der Feste dieses Jahr ausfällt, ist längst klar. Denkwürdig bleibt es trotzdem. Vor allem durch seine Geschichte.

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Dass der Stoppelmarkt 2020 ausfällt, ist eine Katastrophe - aber eine, die längst angekündigt und mithin zu schultern ist. Schließlich wissen wir alle seit drei Monaten, dass der Spaß dies Jahr pausiert. Da konnte man sich geistig drauf einstellen und allein zu Haus in die Kissen weinen. Es ist, wie es ist.

Denkwürdig ist an dieser Stelle der Markt von 1577. Damals musste man ihn wegen der Pest auf die abgeernteten Felder vor der Stadt verlegen. Seitdem heißt das Fest, wie es heute noch heißt: Stoppelmarkt. In Sachen Pestilenz aber hat das nichts genützt; die Seuche wütete trotzdem weiter. Will uns dies ein Gleichnis sein?

Wegen Pest und Cholera und Krieg fiel der Stoppelmarkt leider bereits mehrfach aus, etwa dreimal im 16. Jahrhundert sowie natürlich 1944 und 1945. Zu meinen Lebzeiten aber ist das noch nie geschehen. Was für ein Elend. So trösten wir uns mit 2021. Und nutzen die Zeit bis dahin zur Beantwortung acht cooler Stoppelmarktsfragen.

"Wann wäre eigentlich Sperrstunde? Antwort: Es gibt keine. Hurra."Christian Bitter, Kolumnist

Erste Frage: Seit wann fängt der Markt eigentlich donnerstags an? Antwort: Seit 1988. Ehrlich jetzt. Zweite Frage: Ist Stoppelmarkt nicht immer am zweiten Augustwochenende? Antwort: Kann vorkommen, ist aber selten. Die Stoppelmarktstage müssen stets den 15. August (Mariä Himmelfahrt) einschließen oder dürfen erst danach beginnen. Dritte Frage: Seit wann gibt’s Jan und Libett? Antwort: Die beiden erschienen erstmals 1912 als Strichzeichnung von Heinrich Averdam. Vierte Frage: Wann wäre eigentlich Sperrstunde? Antwort: Es gibt keine. Hurra.

Fünfte Frage: Warum heißt das Amtmannsbult Amtmannsbult? Antwort: Genau genommen heißt es DER Amtmannsbult. Ein Bult ist, so lehrt der Duden, eine "Bodenerhebung in Moor oder Bruch". Auf eben dieser Anhöhe tagte schon in alter Zeit das Marktgericht. Sie soll so hoch sein wie der Kirchturm von St. Georg - was bei einem Unterschied von 15 Metern dummes Zeug ist.

Sechste Frage: Seit wann gibt es den Bahnhof direkt am Markt? Antwort: Seit die Oldenburger Staatsbahn 1886 dazu den ersten Zug andampfen ließ. Siebte Frage: Was kostet das Bier auf der Westerheide? Antwort: Wahrscheinlich hätten wir diesmal die 2-Euro-Marke geknackt, who knows? Achte Frage: Gehst Du alle Tage hin? Antwort: Nö. Aber ich stand vor zwölf Tagen unterm Baum zwischen Schäfers und Kaponierzelt und trank mutterseelenallein einen Mate-Tee in der Dämmerung.


Zur Person:

  • Christian Bitter ist Chef der Werbeagentur Bitter & Co. in Calveslage.
  • Er studierte Germanistik und war Leiter der Werbe-Redaktion der OV.
  • Den Autor erreichen Sie unter: info@om-online.de; OM online leitet die Mails mit Lob oder Kritik weiter.
  • Alle Geschichten rund um das Stoppelmarkt-Wochenende finden Sie direkt hier oder über den Tag "Stoppelmarkt".

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