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Es ist Zeit für Prinzipien

Anne Hartmann hat einen Entschluss gefasst: Bevor ein Stück Fleisch auf ihrem Teller landet, wird die Herkunft geklärt.

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Momentan wird viel diskutiert. Die Corona-Pandemie scheint Themen aufzudecken, die lange bekannt waren, jedoch nicht im allgemeinen Interesse standen. So wusste ich zum Beispiel, oder zumindest ahnte ich, dass die Zustände in einigen Fleisch verarbeitenden Betrieben so nicht in Ordnung sein können. Aber „Augen zu und durch“ oder wie heißt es so schön?

Nun wurden mir aber erneut die Augen geöffnet und ich sehe mich gezwungen umzudenken. Und da ich manchmal etwas radikal bin und schwerlich nur mit einem Mittelweg beginnen kann, habe ich mich entschieden, nun genauestens auf die Herkunft meiner Fleischauswahl zu achten. Kann ich im Supermarkt, auf dem Wochenmarkt oder im Restaurant nicht erfragen, wo Rind, Geflügel und Schwein gelebt haben, bin ich raus. Klingt schwierig? Ist es aber gar nicht so.

"Schimpfen und sich empören, wenn der Gong der Tagesthemen ertönt, oder regionale Medien den Zeigefinger erheben, reicht aus meiner Sicht einfach nicht mehr aus."Anne Hartmann

Auf den Märkten der Region werden einem Fragen mit Leichtigkeit beantwortet und wenn man Glück hat, wird man sogar auf den Hof, auf dem die Tiere leben, eingeladen. Dafür braucht man auch gar keine Foodbloggerin zu sein; es reicht, nett auf Produzenten zuzugehen und für deren Antworten offen zu sein.

Außerdem kann man auch E-Mails schreiben und regionale Landwirte bitten zu erklären, welche Philosophie sie verfolgen. Da kommen häufig richtig nette Kontakte zustande und erweitern den eigenen Horizont ungemein. Und man muss ja auch im Restaurant keinen Aufstand proben, wenn nicht beantwortet werden kann, woher das Fleisch bezogen und wie es verarbeitet wurde.

Man kann aber sehr wohl ein Zeichen setzen. Schimpfen und sich empören, wenn der Gong der Tagesthemen ertönt, oder regionale Medien den Zeigefinger erheben, reicht aus meiner Sicht einfach nicht mehr aus. Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir selbst der Anfang sein. Ja, die Politik hat da sicherlich auch schnell einen Job zu machen, aber solange wir den Markt bedienen, wird er sich eben nicht verändern.

Ich werde in Restaurants zukünftig das vegetarische oder vegane Gericht wählen, wenn ich keine Antwort bekommen kann. Das ist dann keineswegs böse gemeint, sondern lediglich eine bewusst getroffene Entscheidung meinerseits. Ich werde auch meine Vorräte aufstocken, damit ich nicht in die Verlegenheit komme, einem spontanen Hungeranfall zu erliegen und so meine neuen Prinzipien zu verlassen.

Da ich bereits häufig regional einkaufe und esse, wird die Umstellung vielleicht nicht allzu schwierig werden, ich stelle mich aber bereits auf die ein oder andere Diskussion ein und freue mich auf diese. Und wie spannend es erst wird, wenn ich mein Prinzip auf Milchprodukte ausweite? Die esse oder trinke ich nämlich, bis ich nicht mehr über sie weiß, momentan gar nicht. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen und freue mich auf Tipps oder Geschichten von Menschen, die bereits konsequenter als ich auf ihre Lebensmittel achten.


Zur Person:

  • Anne Hartmann ist Diplompädagogin, wohnt in Vechta und betreibt den Foodblog www.kitchich.de.

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