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Eine Woche in einer verrückten Welt

Kolumne: Batke dichtet – Minsk und Washington liegen gar nicht so weit auseinander. Und das ist nur eine Erkenntnis der vergangenen Tage.

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Hinter uns liegt die Woche, in der der Herbst kam. Und das böse Virus zu Mister Trump. It's a flu, Mr. President, eine kleine Grippe, also keine Panik. Was war das sonst für eine Woche, in der der Herbst kam? Eine verrückte. Eine turbulente. Eine emotionale. Sagen jedenfalls die politischen Deuter und Welterklärer in Berlin. Da spricht die Kanzlerin ein paar Wahrheiten zu Corona aus, richtet einen moderaten Appell zur Vernunft an uns alle – und schon wird das von Analysten zu ihrer emotionalsten Rede aller Zeiten hochstilisiert.

Nun gut – mit dieser Form von Emotionalität können wir gut leben. Und selbst die Einblendung der notorisch geifernden AfD-Amazone Beatrix von Storch kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in unserer Politik halbwegs gesittet zugeht. Zivilisierter jedenfalls als in den USA, in der ein waidwunder Präsident versucht, für den Machterhalt scheinbar alles aufs Spiel zu setzen und sogar rechte Schlägertrupps scharf macht. Die „Proud Boys“ waren jedenfalls stolz darauf, dermaßen präsidial in Stellung gebracht worden zu sein und kündigten schon mal Gefechtsbereitschaft an.

"Es ist eine verrückte Welt, in der Maßstäbe verrückt werden. So weit liegen Minsk und Washington nicht auseinander."Alfons Batke

Es ist eine verrückte Welt geworden, in der wir leben. Und das liegt nicht nur an einem US-Präsidenten, der kaum Steuern zahlt oder jährlich 70.000 Dollar für seinen Frisör ausgibt, wobei die Frage erlaubt sein muss, was der Frisör eigentlich von Beruf macht. Trumps Bruder im Geiste könnte der weißrussische Präsident Lukaschenko sein, der genau wie sein amerikanischer Kollege Corona verharmloste und zur Bekämpfung Saunagänge, reichlich Wodka oder alternativ Treckerfahren empfahl - und der regelmäßig Milizen rausschickt, um auf sein demonstrierendes Volk einzuprügeln. „Proud Boys“ á la Belarus.

Um den Bezug zu dieser verrückten Woche herzustellen: Lukaschenko hat nun eine Personalie abgesegnet, die in der internationalen Sportwelt Furor verbreitet. Es geht um Iwan Tichon. Der Herr ist 44 Jahre alt und immer noch recht rüstig. Im nächsten Jahr möchte der Hammerwerfer noch einmal für Belarus in Tokio bei Olympia an den Start gehen. Tichon hat schon viele internationale Titel gewonnen, war mehrfach Welt- und Europameister. Mehr als die Hälfte aller dieser Titel und Olympiamedaillen wurde ihm nachträglich wieder aberkannt; der wuchtige Werfer hat sich im Laufe seiner Laufbahn einmal quer durch die Apotheke gedopt - Steroide, Testosteron, alles dabei. Der Hammer: Nun haben sie Tichon in Minsk zum Präsidenten des Leichtathletik-Verbandes von Belarus befördert.

Kontinuität im Amt, möchte man meinen, denn Tichons Vorgänger Vadim Devyatowskiy ist ebenfalls ein überführter Dopingsünder. Gern bemühen wir den Spruch „Den Bock zum Gärtner machen“. Im Buch der Redewendungen lesen wir dazu: „Jemanden eine Aufgabe übertragen, für die er aufgrund seiner Voraussetzungen gänzlich ungeeignet ist und der er dadurch schadet.“ Um die Sache rund zu machen: Es ist eine verrückte Welt, in der Maßstäbe verrückt werden. So weit liegen Minsk und Washington nicht auseinander.


Zur Person:

  • Alfons Batke (64) ist Journalist und lebt in Lohne.
  • Den Autor erreichen Sie unter info@om-online.de.

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