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Die Hexe von Norddöllen zieht durch Vechta

Gästeführerin Elisabeth Tappehorn verkörpert bei ihren Kostüm-Führungen seit 8 Jahren die Sagenfigur. Dazu kam es durch einen Zufall.

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Zitadelle, Kaponier, St.-Georg-Kirche: An verschiedenen Stopps in Vechta reist Elisabeth Tappehorn bei ihren Kostümführungen durch die Zeit.   Foto: Bornhorn

Zitadelle, Kaponier, St.-Georg-Kirche: An verschiedenen Stopps in Vechta reist Elisabeth Tappehorn bei ihren Kostümführungen durch die Zeit.   Foto: Bornhorn

Elisabeth Tappehorn ist verheiratet, hat 2 Kinder und einen festen Job. Doch ein paar Mal im Jahr wird sie zur Hexe von Norddöllen. In der Rolle führt die Gästeführerin interessierte Gruppen durch Vechta und erzählt aus dem Leben der Sagenfigur im 17. Jahrhundert.

Seit 8 Jahren bietet die 57-Jährige diese Art von Führungen schon an. Eigentlich war sie eine Übersetzerin. Sie arbeitete von zu Hause aus an ihrem Computer. Ein stückweit einsam sei das gewesen, gibt Tappehorn zu. Das wollte sie ändern. In der Zeitung las sie, dass die Tourist-Information Nordkreis Vechta Gästeführerinnen suchte. Sie meldete sich und startete den entsprechenden Ausbildungskurs. Mit 20 Anderen wurde Tappehorn in regionaler Geschichte und der Arbeit als Gästeführerin geschult. Über 100 Stunden seien es insgesamt gewesen.

Danach ging es in die Praxis. Sie startete mit Detektiv-Touren für Kinder. Darauf folgten unter anderem englische Stadtführungen. Auch hauptberuflich vollzog Tappehorn den Wechsel. Als sie gerade mit den Touren anfing, ging eine Mitarbeiterin bei der Tourist-Information in Rente. Tappehorn übernahm deren Job. Seit 2008 arbeitet sie nun dort. Dass sich ihre Arbeit als Gästeführerin und ihre Büro-Tätigkeit ergänzen, sei reiner Zufall. 

Durch Zufall stieß Tappehorn auf die Sage der Hexe von Norddöllen

Zur Hexe wurde sie erst später. Sie nahm an einem Seminar von Helga Bürster aus Dötlingen teil. Diese war für ihre Erzähl-Führungen bekannt, bei denen eine zusammenhängende Geschichte anstatt Fakten über einzelne Stopps im Mittelpunkt stand. Als Hausarbeit sollte sich Elisabeth Tappehorn ein Thema aussuchen und dazu dann eine Führung dazu entwickeln. In einem Sagenbuch fand sie zufällig die Geschichte der Hexe von Norddöllen. Als sie die Idee ihrer Seminarleiterin vorstellte, war klar: "Das bist du", meinte Bürster. Tappehorns Hexe von Norddöllen war geboren.

Dafür flickte sie sich ihren Charakter zusammen. Die 57-Jährige kombinierte Fakten mit Sage: Heilwig Bestmann hieß die Hexe von Norddöllen einst. Sie lebte im 17. Jahrhundert. Da ihr Mann Soldat im 30-jährigen Krieg war, zog das Paar oft um. Als Heilerin verdiente sich die Frau ihr Geld. Als sie mit ihrem Sohn in einem Dorf bei einem Bauern unterkam, kamen Gerüchte auf. Sie war eine Fremde, eine Frau und eine Heilerin – schnell kam es zur Anklage: Sie sei eine Hexe. 1667 wurde sie auf der Vechtaer Zitadelle auf dem Scheiterhaufen verbrannt. 

Die Kostüm-Touren gefallen Tappehorn und den Gästen

Als Heilwig Bestmann erzählt Tappehorn bei ihren Führungen aus dieser Zeit. Zusätzlich baut sie historische Fakten von Vechta ein und suchte Orte aus, die zur Geschichte passen. Ihr Kostüm komme dem tatsächlichen Aussehen Heilwig Bestmanns nahe. Das sei vor einigen Jahren noch auf der Internetseite des Museums im Zeughaus beschrieben worden. "Das ist wie ein Ein-Mann-Theaterstück", scherzt Tappehorn. Aber die Kostüm-Touren gefallen ihr: "Dadurch, dass ich eine zusammenhängende Geschichte erzähle, nehmen die Leute mehr mit nach Hause."

Doch nicht nur metaphorisch nehmen die Besucher etwas mit nach Hause. Getreu ihrer Rolle teilt Tappehorn am Ende einer Führung kleine Lavendeltäschchen aus. Danach gibt es einen "Heiltrunk" in Form von Kräuterschnaps – oder einem Kräuterbonbon. 

Anfänglich habe die Gästeführerin noch Zweifel gehabt, dass sie in dem Kostüm zu sehr auffalle. Mittlerweile gefalle ihr der Wiedererkennungswert. Lustige Fragen nehme sie mit Humor. Die Menschen zeigten schließlich nur Interesse. Und ihr sei klar: Sie verkörpere eine starke und positive Frau. Bestmann habe kein einfaches Leben gehabt – und das nicht nur wegen der Hexenjagd. "Zu der Zeit brauchten die Frauen viel Durchsetzungsvermögen. Das kann man sich gar nicht vorstellen", so Tappehorn.

  • Info: Die nächsten Kostümführungen "Hexe von Norddöllen" von Elisabeth Tappehorn finden im Rahmen des Aktionsmonats "Gegen Gewalt an Frauen" statt. Sie werden kombiniert mit Tipps zu Angstorten von der Selbstbehauptungstrainerin Gabi Bothe. Sie finden am 2. und 9. November um 18.30 Uhr am Rathaus statt.

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