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"Den Kuchen können Sie auch für uns bestellen!"

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben - Ein Land im Frühling, sorgenfrei und munter - so mag es scheinen.

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Herrlich. Am Pfingstsonntag saßen wir auf der Terrasse des kleinen Cafés beim Moor- und Fehnmuseum in Elisabethfehn und genossen Kaffee und Erdbeertorte. "Schmeckt 's?", fragten die Neuankömmlinge, und wir – mit angemessenem Abstand – reckten die Daumen nach oben: "Lecker". "Gut, dann können Sie den Kuchen ja noch einmal für uns bestellen", war die fröhlich-freche Reaktion. Wir lachten gemeinsam.

Die kleine Episode bringt uns der Heimat näher, die wir per Rad ganz neu erkunden. Im Süden entlang der Hase, im Norden im Umfeld der Soeste und der Kanallandschaft rund um Friesoythe und Barßel.

Wunderschöne Ecken und überall freundliche Menschen, die ein munteres "Moin" sofort fröhlich erwidern – egal ob Senioren auf ihren E-Rädern oder Kinder mit Inlinern oder auf City-Rollern.

"Hat Corona uns im Griff – oder begreifen wir, dass dieses Leben weiter geht?"Andreas Kathe, Journalist

Ein Land im Frühling, sorgenfrei und munter – so mag es scheinen. Und so möchten wir es ja auch nur zu gerne sehen. Dabei schwebt das Virus ja noch über Allen und Allem. Längst nicht jeder darf tun, was er möchte. Und auf einer Tour durch die Region sind manche Lokalitäten noch immer geschlossen oder nur bedingt geöffnet.

Wer sich per Rad auf den Weg macht, wird leider entdecken, dass auf den zumeist gut ausgeschilderten Strecken in unserer Region manche Abschnitte nur Buckelpisten sind oder seit Jahren nicht mehr gepflegt wurden.

Deshalb verzagen? Nein. Hinaus wollen wir, hinaus sollen wir, hinaus müssen wir. Das gilt für alle Generationen und für sehr viele Anlässe. Pfingsten ist außerdem ein Fest der Freude, nicht nur aus christlicher Sicht. Schützenfeste wollen – eigentlich – gefeiert werden. So manch' anderes Brauchtum sucht sich seinen Weg. Über das Wochenende waren Schützen in Uniform zu sehen, die trotz aller Veranstaltungsabsagen so ein wenig Festfreude verbreiten wollten. Es flatterten Fahnen im Wind. In diesem Jahr – einem Schaltjahr - fanden auch viele Mädchen einen Weg, ihren Freunden zumindest symbolisch einen Pfingstbaum zu setzen.

Hat Corona uns im Griff – oder begreifen wir, dass dieses Leben weiter geht? Sicherlich ein wenig anders, als erwartet. Mit Einschränkungen, mit Vorsichtsmaßnahmen, die notwendig sind. Die aber nicht den Blick darauf verstellen dürfen, dass es an uns selbst liegt, wieder Normalität einkehren zu lassen. Diese Normalität kann darin bestehen, dass das Einkaufen mit Maske zur Routine wird. Und vielleicht darin, unser Umfeld auf eine neue Art kennenzulernen.

Mag sein, dass man dann Geburtstage und weitere private Feste fantasievoll anders feiert, dass die Kirmes im Dorf gleich an verschiedenen Orten und damit "mit Abstand" stattfindet, dass der Sport die Menschen wieder zusammenführt in einer lockereren und zugleich gelasseneren Form; Beispiele dafür gibt es ja bereits jede Menge. Mag sein, dass man so auch der eigenen Heimat näher kommt.

Auf unseren Touren haben wir verschwiegene, verwunschene Winkel an der sonst ja fast kanalgeraden Hase kennengelernt. Dazu die Baumalleen entlang der Fehn-Kanäle, die offene Weite der Landschaft am Barßeler Hafen oder geschichtsträchtige Bauwerke. Berührungspunkte, die zugleich viel über die Mentalität der Menschen aussagen, die hier leben. Und die lecker backen. Erdbeertorte.


Zur Person:

  • Der Journalist Andreas Kathe lebt in Dinklage. Lange Jahre war er Redakteur und Redaktionsleiter der OV.
  • Den Autor erreichen Sie unter: info@om-online.de.

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