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Daniel Weinbender: Der Boxer mit den zarten Händen

Der Cloppenburger Schwergewichtler arbeitet als Helfer in der Pflege im St.-Josefs-Hospital. "Die Zeiten, in denen Boxer mit platten Nasen und großen Zahnlücken herumliefen, sind vorbei", sagt er.

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Boxt beim FuS Cloppenburg: Der Schwergewichtler Daniel Weinbender nimmt die Deutschen Meisterschaften ins Visier. Foto: Bernd Götting

Boxt beim FuS Cloppenburg: Der Schwergewichtler Daniel Weinbender nimmt die Deutschen Meisterschaften ins Visier. Foto: Bernd Götting

Seine sportliche Karriere ist außergewöhnlich, sein Berufswunsch ebenso: Der 23-jährige Schwergewichtsboxer Daniel Weinbender stand in seinem Leben nach jedem Wettkampf auf einem Siegertreppchen und wünscht sich in seiner neuen Heimat Cloppenburg nichts sehnlicher, als einen Ausbildungsplatz zum operationstechnischen Assistenten zu finden.

Einen Widerspruch zwischen dem robusten Hobby und seinem Traumberuf sieht er keineswegs: "Die Zeiten, in denen Boxer mit platten Nasen, kaputten Händen und großen Zahnlücken herumliefen, sind längst vorbei. Schließlich sind wir Leistungssportler und keine Schläger", sagt der dunkelhaarige Boxer selbstbewusst. Und er weiß, wovon er spricht. In verschiedenen Altersklassen konnte er schon 4 deutsche Meistertitel sammeln und im Cloppenburger St.-Josefs-Hospital arbeitet er bereits als Helfer in der Pflege. "Ich fühle mich dort sehr wohl und gehe jeden Morgen mit Freude zur Arbeit", betont der gebürtige Bad Essener, der bereits den Beruf des Maschinenführers erlernt hat. Seine sportlichen Erfahrungen reichen schon 15 Jahre zurück und haben ihre Wurzeln im VfL Lintorf.

"Boxer wird man nicht mit Kuchenessen."Daniel Weinbender

Dort erkannte man früh sein Talent und so konnte er seine Kräfte mit zahlreichen Mitbewerbern messen. Immer kam eine Platzierung dabei heraus, sodass er selbst bei verlorenen Duellen noch einen Platz auf einem der 3 Treppchen fand. Und so ist es auch kaum verwunderlich, das er sich bereits bei den Kadetten 2 deutsche Meistertitel holte und danach noch in der Junioren- und in der Jugendklasse. Auch 2 Vizemeistertitel konnte er einheimsen. Gerne erinnert er sich bei seinen Erzählungen an Heidelberg, wo er 2 Jahre lang auf dem Olympiastützpunkt trainierte. Oder an einen Kampf in Südafrika, den er gewann und auch in der Publikumswertung als "Bester Boxer" abschloss.

Zu diesen Geschichten gehört aber auch die Episode, bei der er einen Gegner so dynamisch bedrängte, dass dieser aus dem Ring fiel, direkt auf den Tisch der Ringrichter. "Das gute Möbelstück hat diesen Kampf leider nicht überstanden", bedauert Weinbender grinsend. Nachdem er vor einem Jahr mit seiner Freundin nach Cloppenburg zog, fand er seine sportliche Heimat recht schnell bei den Boxern des FuS Cloppenburg und bei Coach Wladimir Sterlikow, der sich über einen echten Schwergewichtler in seinen Reihen besonders freut. "Wir haben uns gut mit Daniels Verein in Lintorf arrangiert und werden uns über seine Einsätze schon einig werden", ist sich der Trainer sicher. Daniel seinerseits ist bereit, für jeden der zwei Vereine sein Bestes zu geben. Sein einfacher Ratschlag: "Wenn man mich ruft, bin ich da." Über mangelnde Unterstützung kann er sich bei beiden Vereinen nicht beklagen, doch besonders wichtig ist ihm der Rückhalt, den er bei seiner Freundin findet. Sie ist ein ebenso großer Boxfan wie er und weckt ihn sogar in der Nacht, wenn im Fernsehen Kämpfe übertragen werden.

Profi oder Amateur - Beides hat seinen Reiz

Über seine Zukunft macht sich der 23-Jährige viele Gedanken. Der Profisport habe für ihn schon einen gewissen Reiz, vor allem, weil hier viele seiner Idole und Vorbilder zu finden sind. Andererseits sei es im Boxsport nur mit großem finanziellen Aufwand und einigen wirtschaftlichen Risiken möglich, "auf den Zettel" der großen Promoter zu kommen. Deshalb stehe für ihn zunächst einmal eine neue Berufsausbildung im Vordergrund. Und dann wolle er nach besten Kräften versuchen, auf dem klassischen Amateurweg auf sich aufmerksam zu machen, über Deutsche Meisterschaften und den Blick auf Olympische Wettkämpfe. Wichtig sei dafür so oder so ein intensives Training und eine optimale Ernährung. "Boxer wird man nicht mit Kuchenessen", warnt Weinbender.

Wer Boxsport treibe, werde im Wettkampf für alle Fitness- und Ernährungssünden bestraft. Deshalb stehen für ihn jede Woche Ausdauer, Kraft und Technik auf dem Stundenplan. Gemeinsam mit seinem Trainer Wladimir Sterlikow werde das Training abwechslungsreich und fordernd gestaltet, denn immerhin stehen in diesem Jahr noch eine Deutsche Meisterschaft und diverse Turniere auf dem Plan. Ganz aktuell muss er sich mit den Regularien seines Sports herumschlagen. Gerade wurde bekannt, dass die Obergrenzen für die Gewichtsklassen geändert wurden. Von seinen 91 Kilogramm muss er nun 5 loswerden. "Mit dem leckeren Eis am Sonntag wird's dann wohl nichts mehr", sagt Weinbender und zieht sich die Handschuhe über.

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