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Damme Helau! Und weiter geht die Online-Party!

Noch einmal schwelgen wir in Erinnerungen. Hier ist Teil 2 der schönsten Carnevals-Geschichten. Und: Wir bieten jede Menge Narreteien im Videoformat!

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OV-Archiv: M. Niehues

OV-Archiv: M. Niehues

Der Dammer Straßencarneval fällt wegen der Corona-Pandemie aus. OM-Medien hat deshalb Närrinnen und Narren gebeten, persönliche Erinnerungen niederzuschreiben, um so für ein bisschen Frohsinn zu sorgen. Wir haben eine erste Auswahl für Sie zusammengestellt.


Ulrich Grambke (Haverbeck): Der Haverbecker Sängerstreit

Es war im Januar 2002, ein ganz gewöhnlicher Sonntagabend in Haverbeck, als man sich beim Spatz üblich zum Stammtisch traf. Auf der rechten Seite saßen Kies Bernd und seine Frau Lisbeth, Schulten Bernd, Robken Änni, Zoppo und Bolken Libeth. Der linke Flügel war besetzt mit Balsters Pit, Bergmanns Ulli, Oswald, Grambken Ulli, Wielenbergs Ingo und Markus, Kramers Guido, Maurer Ostendorf und einige weitere Personen.

Sogleich ging es beim Dämmerschoppen zur Sache und die durstigen Kehlen wurden von der Wirtin Anneliese gestillt. Wie aus heiterem Himmel überraschte der damalige Elferrat nebst Prinz Benno und Gefolge und stattete der Deters Kneipe einen Besuch ab.

Benno Goda, hier bei seinem Einmarsch als Prinz, war mit dabei beim Haverbecker Sängerwettstreit. Foto: KokengeBenno Goda, hier bei seinem Einmarsch als Prinz, war mit dabei beim Haverbecker Sängerwettstreit. Foto: Kokenge

Mit einem kräftigen 'Helau, Fastaubend' begrüßten uns die ins Haverbecker Revier eindringenden Dammer Narren. Es dauerte nicht lange und die Dammer Narretei begann mit einem Sängerwettstreit. Es erklang 'In Damme ist heut Carneval' und 'Heil Herrscher dir, Prinz Carneval' etc. Des Stammtisches linker Flügel konterte gezielt mit einem Lied 'In Deters Kneipe, bei Bier und Pfeife ... was kann das Leben Schöneres geben, wir wollen Haverbecker sein'.

Selbstverständlich floss das Germania-Bier und auch Zündkerzen wurden reichlich ausgeschenkt. Der Sängerwettstreit ging in einen Wettstreit in Form von Kümmerling und HKT über. Sogar dem Präsident Friemo wurde reichhaltig Wein eingeschenkt.

Angefeuert von den Stammtischbrüdern mit dem Satz 'Dou du ein ut, dei Kranz is noch nicht vull' gingen die Zündkerzen über die Tische. Als dann Ennekings Willi mit seinem Riesenerfolg 'Tempel Moses' auftrat, war das Eis gebrochen. Die Tische häuften sich mit den Kümmerling-Flaschen, und das Lied 'In Deters Kneipe bei Bier und Pfeife' schallte über die Grenzen von Haverbeck hinaus.

Als das Taxi für den Elferrat und Prinz mit Gefolge auf dem Hof stand, liefen hier einige Narren ums Taxi und sangen dabei 'Was kann's im Leben Schöneres geben, einmal in Haverbeck zu sein'. Die Narbe am Kinn eines Stammtischbruders ist noch ein Zeugnis dieses Abends.


Johannes Schneppats (Damme): Helau und Alaaf

Was haben Damme und Kölle gemeinsam? Ja, genau, beide Städte haben einen Dom. Die Dammer haben aber auch einen Herrn Zumdohme, die Kölner aber nur einen Domherren, der gerade auf Woelki 17 Urlaub macht.

Der urlaubende Kardinal soll aber auch schon im Dammer Osten, in Dümmerlohausen, gesehen worden sein, denn dort wird seit einiger Zeit auch echtes Kölsch ausgeschenkt. Und so wundert es niemanden, dass der Kölsche Klüngel auch schon musikalisch im Südkreis auf dem Vormarsch ist.

Johannes Schneppat hat keine Berührungsangst mit dem Kölner Karnevalsliedgut. Foto: Süssmann-DierkenJohannes Schneppat hat keine Berührungsangst mit dem Kölner Karnevalsliedgut. Foto: Süssmann-Dierken

Einige Narren in den karnevalistischen Hochburgen sprechen hier auch schon die Fremdsprache ,Alaaf'. Ja, der Dammer Karneval ist ein weltoffenes Phänomen und so mancher Dammer Domspatz singt auf der Sitzung 'In Damme ist heut Karneval' und dann im Festzelt ganz frei und ohne Berührungsangst den kölschen Karnevalsschlager 'Mer losse den Dom in ...'. Ja, wo denn jetzt eigentlich, fragt sich da so mancher alt eingesessener Dammer Hofnarr. Helau und Alaaf.


Hans Georg Alten (Damme): Die Flucht aus dem "Paradies"

Es war im Jahr 1981. Mein Nachbar Franz Grabber war für diese Saison zum Prinzen erkoren. So stand er bei der ersten Sitzung im traditionsreichen Prinzenkostüm im Saaleingang der Pröbstingschen ,Ehrwürdigen Hallen' und nahm strahlend und tief bewegt die Ovationen der närrischen Untertanen in Empfang 'Heil Herrscher Dir, Prinz Carneval...'.

Eine großartige Sitzung, von der selbst Tante Änne noch lange einigen Vertrauten geheime Details zuraunte. Der Prinz bat mich inständig, die Rolle des Hofnarren zu übernehmen. Ich sagte zu.

Die Narrenwelt regierten 1981 (vorne, von links) Hofnarr Hans-Georg Alten, Prinz Franz II. (Grabber) und Adjutant Günter Aszmons. Foto: StadtmuseumDie Narrenwelt regierten 1981 (vorne, von links) Hofnarr Hans-Georg Alten, Prinz Franz II. (Grabber) und Adjutant Günter Aszmons. Foto: Stadtmuseum

Es ist eine Ehre für den Hofstaat, die eifrigen Wagenbauer zu besuchen. So kamen wir eines Abends zu fortgeschrittener Stunde zu einem kleinen Gehöft, aus dem bereits vielkehlig närrische Gesänge herausklangen. Bei unserem Eintritt ertönte in überschwänglicher Weise das Prinzenlied.

Bevor der Hofnarr seine lustvollen Reime vortragen konnte, erschienen zwei Damen mittleren Alters, die die Erscheinungsform von Müttern von Sumo-Ringern hatten, schlangen jedem Mitglied des Hofstaates eine Art Windel um den Hals und flößten ihm grünes oder rotes Carnevals-Mix-Getränk mittels eines spanischen Schnabelkrugs ein. Das war alles sehr lustig.

Die Stimmung stieg, als zwei Damen jüngeren Alters sich vor dem charmantesten Hofstaat-Carnevalisten aufbauten mit einer Flasche unter dem Arm und der Einladung 'Wenn du eenen drinks, dann drink ich dree'. Das Angebot nahm der so Geehrte selbstverständlich an und demonstrierte seine Trinkfestigkeit. Nachdem wir das schöne Lied 'Einmal ist keinmal, zweimal ist nicht schlecht...' aus Überzeugung mitgesungen und den mit viel närrischer Liebe gebauten Wagen bewundert hatten, erschienen wieder zwei liebreizende Damen und bezirzten unseren Schönsten mit dem Spruch: 'Wenn du eenen drinks, drink ick dree'. Und er spülte das angebotene liebliche Getränk auf seine trainierte Leber.

Der Schweiß auf seiner Stirn allerdings war das dringliche Zeichen zum dezenten Rückzug. So entschwanden wir mehr oder weniger unbemerkt durch die Dielentür und flohen zu einer alten Holzhütte mitten in einer angrenzenden Wiese, in der eine Schülergruppe feierte. Die hatte Verständnis für uns und gab uns Asyl. Und so beobachteten wir durch einen Türspalt, wie der ein oder andere Carnevalist durch die Dielentür schlich und mehr oder weniger schwungvoll in ondoliertem Gang seinen Heimweg antrat.

Als die Luft rein war, liefen wir im Galopp zu unserem Gefährt, in dem unser Fahrer besorgt auf uns wartete. Er steuerte dorthin, wo wir wie immer die Erlebnisse des Abends bei einem frischen Herforder Pils Revue passieren ließen: zu Lübken Hubert.


Heinrich Schomaker (Dümmerlohausen; Prinz 2004): Ein Prinz gibt dem NDR die Ehre

Der NDR (in Worten: Norddeutscher Rundfunk) hatte sich angekündigt. Großes Kino. 100 Narren, Wagenbauer, Prinz und Hofstaat. Alle standen bereit. Die für die Großstadt Hamburg wundersamen Wirkungen der auf dem Lande Wohnenden waren ein paar Sendeminuten wert. Kreatives Wagenbauen, Freude, Frohsinn, Singen, Dorfgemeinschaft, eben alles, was im Dammer Carneval gegeben ist.

Mittwochs vor dem großen Umzug: Warten, warten, warten. Irgendwann hieß es: Der NDR kommt doch nicht. Die Verärgerung war klar, aber überwindbar. Am nächsten Tag kam ein Vorschlag zur Wiedergutmachung aus Hamburg. Einladung für Prinz und Gefolge sowie Tanzgruppe am Freitag ins NDR-Studio.

Die Lust war nicht groß. Präsident Wolfgang Friemerding und Bürgermeister Hans-Georg Knappik baten innigst um Teilnahme. Der Bus war bestellt. Ein Versuch, unser Team mit dem Hubschrauber von Franz-Josef Strathausen direkt vor dem NDR-Studio abzusetzen, scheiterte leider. Landeplatz zu knapp. Mit dem Bus, Freitagsverkehr dazu, gerade noch pünktlich angekommen. Nach 5-Minutenbericht einer Dackelrettung der Feuerwehr begann unser 3,5-Minuten-Auftritt inklusive 2,5 Minuten Tanz mit Spagat von Caroline Zerhusen von der Funkengarde.

Medienstar: 2004 trat Prinz Heinrich Schomaker zusammen mit Wolfgang Friemerding (rechts) in der Aktuellen Schaubude des NDR, moderiert von Carlo von Tiedemann. Foto: LammertMedienstar: 2004 trat Prinz Heinrich Schomaker zusammen mit Wolfgang Friemerding (rechts) in der Aktuellen Schaubude des NDR, moderiert von Carlo von Tiedemann. Foto: Lammert

Die vom Star-Moderator Carlo Tiedemann wiederholte Forderung nach der Prinzessin des Prinzen misslang, weil ein Dammer Prinz Adjutanten und einen Hofnarren, aber keine Prinzessin hat. Dafür aber eine tolle Frau. Nach NDR-Buffet und Freibier endlich raus aus der Stadt und dann ging's ab. Dirigent Andreas Brokamp verordnete ein Narrenblech-Platzkonzert auf jedem, wirklich jedem A1-Rasthof. Volle Autobahnbegeisterung, wir hatten viele Fans, die gar nicht weiterfahren wollten. Närrisch betört zurück in Damme; mit Musik aus allen Rohren und Rumtata empfingen uns die närrischen Anwohner in der Gartenstraße bis zu unserem Ziel: Tuta Gasthaus. Die Nacht war lang. Einfach schön und unvergesslich.


Martha Enneking (Damme) und Martin Bernholt (Damme): Mit Liebe und ganz viel Gummiband

Im Alter von 15 Jahren begann ich (Martin Bernholt) im närrischen Jahr 1965 damit, den Dammer Karneval zusammen mit meinen Freunden ausgiebig und intensiv zu feiern. In einer Kellerbar erspähte ich ein junges, hübsches und schlankes Mädchen mit einem sehr kurzen Schottenrock. Dieser Anblick löste bei mir eine Schnappatmung aus und den Wunsch, dass diese tolle Erscheinung vielleicht mein großes Weltwunder werden könnte.

Ich sprach sie an und wir unterhielten uns den ganzen Abend. Dabei merkte ich instinktiv, dass wir auf einer Wellenlänge schwammen. Das wunderschöne Schottenmädchen hieß Gertrud und ist in ganz Dammensia besser als Trudy bekannt. Sie wurde später meine liebe Frau, und wir können in diesem Jahr, so Gott will, unsere goldene Hochzeit feiern. Diese Geschichte belegt eindeutig, dass der Dammer Karneval nicht nur ausgelassen und fröhlich gefeiert wird, sondern auch die Fähigkeit besitzt, beziehungsmäßig große Weichen für das Leben zu stellen. Helau Fastaubend!

Beim Carneval kennengelernt: Trudy und Martin Bernholt knüpften als Teenager die erste zarte Bande. Foto: BernholtBeim Carneval kennengelernt: Trudy und Martin Bernholt knüpften als Teenager die erste zarte Bande. Foto: Bernholt

Und Martha Enneking erzählt: 1994, im Jahr des Prinzen Sr. Tollität Arnold Schmutte, durften wir noch in unserer Gruppe mit dem Motto ,Lustig ist das Zigeunerleben' lustig sein. Wir hatten sogar ein selbstgezogenes Zieh-Geuner-Gefährt dabei. Heute muss dieses lustige Leben ja bekanntlich anders genannt werden.

Ich hatte viele kleine Utensilien zusammengesucht. Druckknöpfe, Bindfäden, Hosenknöpfe und Gummiband. Alles wurde den Zuschauern zum Kauf angeboten. Das beste Geschäft hatte ich mit Gummiband als Meterware. Der Preis fest, die Ware dehnbar. Das Geschäft mit den Narren am Straßenrand lief blendend. Zwei gedehnte Meter gezeigt, Geld kassiert und die Kurzware geliefert. Allen 20 Frauen unserer Gruppe konnte ich zum folgenden Valentinstag eine Rose davon kaufen.


Guido Wiehebrink (Borringhausen): Als die Kuhlenkratzer Entführer waren

Im Jahre 2012 machten sich die Kuhlenkratzer auf den Weg in die Karnevalsprovinz Drebber. Eingeladen hatte der Karnevalsclub Drebber von 84‘ (KCD). Schnell war den Kuhlenkratzern klar, dass hier noch viel karnevalistische Aufbauarbeit und Hilfestellung vonnöten ist. Dieses zeigte sich im besonderen Maße an der spärlichen Dekoration. Da war es zum Beispiel ein Deko-Clown, der aufgrund seiner kläglichen Bekleidung eines Clowns nicht würdig erschien.

Die schier endlos wirkende Traurigkeit des Clowns veranlasste die Kuhlenkratzer, diesen nach Dammer Art zu betreuen. Kurzerhand nahm man sich des verzweifelten Clowns an, begleitete diesen in den Bus, um schließlich in die Carnevalshochburg Dammensia zu fahren.

Die Narren in Drebber suchten mit großen Plakaten nach den Clown-Entführern. Foto: WiehebrinkDie Narren in Drebber suchten mit großen Plakaten nach den Clown-Entführern. Foto: Wiehebrink

Dort sollte der Clown in die Tugenden des Dammer Carnevals eingeweiht werden. Das erste Highlight war ein Stelldichein beim Prinzenball in Osterfeine. Prinz Franz Goda hatte dort eingeladen.

Noch nicht gänzlich in Dammensia eingetroffen, sprach sich das Fehlen des einzigen Clowns in Drebber herum. Woraufhin der KCD eine Vermisstensuche über die Zeitung veranlasste. Da es aber auch dem Drebberclown offensichtlich zu „bunt“ und zu fröhlich in Damme zuging, wurde der Kontakt zwecks Übergabe zum KCD wieder hergestellt. Auf dem Dammer Carneval im Billys Festzelt fand schließlich bei guter Stimmung die Übergabe an den KCD statt. Zusammen mit den Kuhlenkratzern wurden noch ein paar gemütliche Stunden auf dem Dammer Carneval gefeiert.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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