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Damme Helau! Aller guten Dinge sind drei!

Im finalen Teil unseres Online-Spezials schwelgen wir mit unseren Lesern in ihren Erinnerungen. Sie haben uns ihre schönste Carnevals-Geschichte aufgeschrieben. Wir teilen sie mit Euch!

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Die Narretei verbindet: In Osnabrück berichete ein Rundfunkteam vom Auftritt Hans-Georg Altens, Eckhardt Raskas  (2. und 3. von links) sowie Willy Ennneking (rechts). Foto: privat

Die Narretei verbindet: In Osnabrück berichete ein Rundfunkteam vom Auftritt Hans-Georg Altens, Eckhardt Raskas (2. und 3. von links) sowie Willy Ennneking (rechts). Foto: privat

Der Dammer Straßencarneval fällt wegen der Corona-Pandemie aus. OM-Medien hat deshalb Närrinnen und Narren gebeten, persönliche Erinnerungen niederzuschreiben, um so für ein bisschen Frohsinn zu sorgen. Wir haben eine Auswahl zusammengestellt.

Hans-Georg Alten (Damme): Als Ecki zur Polonaise bat

Es war Anfang der 2000er Jahre, als es der Elferrat und Dammes Wirtschaftsförderer Andreas Herzog für sinnvoll erachteten, auf die großartigen Dammer Carnevalsumzüge in Osnabrück und Diepholz geziemend hinzuweisen. So machten wir – Willy Enneking, Eckhardt Raska und meine Wenigkeit – uns in Begleitung von Andreas Herzog auf den Weg, unserem carnevalistischen Geist freien Lauf zu lassen.
Die erste Station unseres Wirkens war der Nicolaiort in Osnabrück.

Wir waren carnevalistisch bunt kostümiert und geschminkt. Willy unüberseh- und unüberhörbar mit seiner Teufelsgeige, Eckhart wie immer kaum zu bremsen mit seinem Schifferklavier, dem er virtuos alles Mögliche und Unmögliche entlockte, und ich mit einer Trommel, die ich je nach Bedarf laut und gefühlvoll hören ließ. Ein gemaltes Schild wies auf den Dammer Carneval hin.

Zunächst sangen wir die inhaltsreichen Dammer Carnevalslieder. Die Osnabrücker Bürger, die eher Flötenspieler aus Peru oder Drehorgeln gewohnt waren, bleiben stehen, schauten neugierig, hörten interessiert zu und ließen sich von unserem Spaß anstecken. Als Eckhardt vom Wasser der Dammer Donau auf das Wasser im Rhein umschaltete, das er sich als goldenen Wein wünschte, ließen einige ihre Zurückhaltung fallen und legten ein Tänzchen hin.

Unsere nächste Station war der Osnabrücker Bahnhof. Dort positionierten wir uns wiederum entsprechend. Ein Radio-Team war anwesend, es interviewte uns ausgiebig und unterstrich damit die Bedeutsamkeit unseres Auftritts.

Da wir nicht die Genehmigung hatten, in der Bahnhofshalle aufzutreten, stürmte Eckhardt mit uns gleich ins Bahnhofsrestaurant. Und als er dann von sich in der dritten Person sprach - von Ecki Granada - wussten wir: Jetzt geht es los.

Wir sangen noch einigermaßen seriös: „Wir sind aus gutem Holz, Damme ist unser Stolz...“, dann forderte er zur Polonaise auf - das Restaurant war etwa zur Hälfte besetzt -, und etliche Gäste, die offensichtlich dankbar für die Unterbrechnung ihrer Wartezeit waren, schlossen sich beschwingt und lachend dem freudigen Zug an.

Diesen Schwung nahmen wir dann mit in die Nord-West-Bahn, und ohne viel Umschweife spielte Ecki zum Tanz auf, und so walzten wir durch das Osnabrücker Land bis Neuenkirchen, wo wir fast den Ausstieg verpassten."


Anna-Maria Brockhaus (Dinklage): Am Rosenmontag ist sie geboren

Am Rosenmontag bin ich geboren' (Lied von Margit Sponheimer), und tatsächlich am Rosenmontag bin ich geboren. Nicht in Mainz am Rhein, natürlich in Damme. Am Montagmorgen, damit ich den Umzug auch ja nicht verpasse. 1990 habe ich den Umzug, Erzählungen nach, doch verschlafen. Aber seitdem habe ich keinen Carneval in Damme ausgelassen. Zu Grundschulzeiten (aufgewachsen in Dinklage) war ich dann montags regelmäßig ,krank': Carnevals-Fieber! 2001 fiel mein Geburtstag auf den Dammer Carnevals-Rosenmontag (19. Februar).

Wir waren in diesem Jahr die Gruppe des Prinzen. Für den Montag wurde innerhalb unserer Truppe noch ein Fahrer für den Traktor gesucht. Mein Vater erklärte sich bereit zu fahren. Mein Geburtstagsgeschenk war, dass ich vorne bei meinen Vater mit auf dem Traktor sitzen durfte.

Was an diesem Tag keiner ahnte, dass wir am Dienstag mit einem Bild in der OV landen. Ich glaube, dass es sogar die Titelseite war. Wie ich dann dienstags wieder zur Schule musste, war mir etwas mulmig zumute, aber mein Klassenlehrer nahm es mit Humor. Er legte mir die Seite auf den Tisch und sagte: ,Stimmt, du sahst gestern wirklich krank aus!' Ganz nach dem Motto ,Rosenmontagskinder müssen närrisch sein!'. Dieses Jahr hätte ich meinen Geburtstag gerne wieder auf dem Dammer Carneval gefeiert."

Carneval statt Schule: Die kleine Anna-Maria Brockhaus schwänzte für den Dammer Carneval, ein Zeitungsbild überführte sie. Foto: KokengeCarneval statt Schule: Die kleine Anna-Maria Brockhaus schwänzte für den Dammer Carneval, ein Zeitungsbild überführte sie. Foto: Kokenge

Britta Klingenburg (Soest): Der besondere Wert von 1034

Der Dammer Carneval ist deshalb so grandios, weil er sich über alle Sinnesorgane in das Bewusstsein schiebt. Wenn man an der Kreuzung ehemalige Post/Rathaus auf den Umzugsstart wartet, sieht man schillernde Rosen und bunte Kostüme, riecht man Trecker und Bratwurst, spürt man den guten Freund in einer herzlichen Umarmung, genießt man einen wärmenden Kakao oder auch schon einen schwungvollen Schnaps und nimmt man im Ohr Musik wahr.
Die Füße fangen an zu wippen, ein Lächeln ist gar nicht mehr abzuwenden, ein lautes Tuten vom nächsten Wagen unterstützt die Geräuschkulisse. Im Körper pochert es. Irgendwo singt auch ein Kostümierter auf dem Anhänger in ein Mikrofon.

Alle Sinne auf .on' geschaltet. In der Gegenwart der Digitalität wird alles fotografiert, festgehalten, Selfies verschickt.

In der Vergangenheit musste man in ungeduldiger Vorfreude warten, bis nach dem Fest die sinnlichen Eindrücke zumindest für das Auge nochmal in Erinnerung gerufen wurden. Nach der Schule fuhren wir in der Woche nach dem Carneval wieder an die Kreuzung ehemalige Post/Rathaus. Aber nun führte der Blick zum Schaufenster auf der rechten Gebäudeseite: Bei Buschatz pressten wir unsere Nasen an die Scheiben, schoben uns gegenseitig zur Seite, als drohten die Fotos durch das Anschauen zu verschwinden.

Unter den mehr als 1000 einzeln nummerierten Bildern war es vielleicht genau die Nummer 1034, die das Herz hüpfen ließ. Genau! Das habe ich erlebt! Das war DER Moment mit allen Sinnen. Das hat die Kamera vor einem geschulten Fotografen-Auge wahrgenommen, die Freude, die wir in den Straßen verspürten.

Weit entfernt von der schnelllebigen Digitalität wussten wir den Wert von Nummer 1034 einzuschätzen – und kauften diesen und andere besondere Momente durch die Nachbestellung im Fotogeschäft!

Manchmal vermisse ich diese nostalgische Verlängerung des Festes!

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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