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Binge or Bin? Das streamt die Redaktion

Der Herbst kommt, Zeit für einen Serienmarathon auf dem Sofa. Doch was haben die Streaming-Portale zu bieten? Das Team von OM online empfiehlt diese Serien - oder auch nicht....

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Foto: Netflix/dpa

Foto: Netflix/dpa

Ratched (Netflix)

Die Krankenschwester Mildred Ratched ist keine Unbekannte. Ältere Zeitgenossen und Fans von Filmklassikern dürfen die Dame kennen. Sie spielt eine wichtige Rolle in dem Streifen "Einer flog über das Kuckucksnest" aus dem Jahr 1975 mit Jack Nicholson in der Hauptrolle. Jetzt hat "Ratched" eine eigene Serien-Adaption bei Netflix bekommen - und die Geschichte gleicht einem Psychotrip durchs Poesiealbum. Zum einen sind da knallbunte Farben, die vermeintlich nostalgische (und fast steril-saubere) Welt der 40er Jahre. Auf der anderen Seite: Verstörende Methoden bei der Psychotherapie, die heute für Fassungslosigkeit sorgen würden, ein paar ziemlich blutige Morde, komplett schräge Charaktere und eine spannende Geschichte. Folge für Folge offenbar sich mehr und mehr der Charakter dieser vermeintlich kühlen Krankenschwester, die eigentlich nur ein einziges Ziel verfolgt...

Fazit: Sarah Paulson glänzt in ihrer Rolle als Mildred Ratched. Die farbgewaltige Kulisse ist ein ungewohnter Kontrast zur eigentlichen Geschichte. Das macht das ganze so ungewöhnlich und spannend. Einziger Wehrmutstropfen: Das Abenteuer ist eigentlich viel zu kurz. Wie mittlerweile bei Streaming-Anbietern fast üblich, umfasst die Staffel nur acht Folgen.


Alex Rider (Prime Video)

Mann mit Schnauzbart will die Weltherrschaft an sich reißen. Das gab's schon häufiger. Ausgerechnet ein Knilch in Schuluniform soll ihn aufhalten. Der gerät in die Gespinnste von Geheimdiensten, weil sein Onkel (Gott hab ihn selig) einmal Supergeheimagent war. Dessen Qualitäten sind offenbar genetisch veranlagt - denn jetzt soll der Jugendliche "Alex Rider" den Fall zu Ende bringen und den Mörder seines Onkels zur Strecke bringen. Die Figur basiert auf einer mittlerweile 13-teiligen Jugendbuchreihe. Schauspieler Otto Farrant dürfte den jüngeren weiblichen Zuschauern besonders gut gefallen - und es ist anzunehmen, dass es sich dabei auch um die Zielgruppe der Serie handelt.

Fazit: Wer einen Faible für Agenten-Filme und -Serien hat, wird relativ schnell enttäuscht sein. Auch wenn die Aufmachung der Serie samt Hochglanz-Intro im James-Bond-Style hip und modern ist: Die Rolle des Superagenten, der die Welt retten soll, nimmt man der Hauptfigur nicht ab. Gleiches gilt auch für den Bösewicht. Obendrein: Die Geschichte ist leider viel zu schnell vorhersehbar.


Deutschland '89 (Prime Video)

Agent Nummer 2. Diesmal die deutsche Variante. Martin Rauch meldet sich mit der dritten und letzten Staffel der deutsch-deutschen Geheimdienstserie zurück. Nachdem Schauspieler Jonas Nay als Agent des DDR-Geheimdienstes HVA schon zweimal die Welt gerettet hat, gerät er während des Mauerfalls zwischen die Fronten der Geheimdienste, die sich schon auf den Ausverkauf der DDR-Institutionen stürzen, noch ehe der erste Stein aus der Mauer bröckelt. Gleichzeitig überwinden die sozialistischen Ideologen den antifaschistischen Schutzwall um im Westen die Wiedervereinigung zu verhindern. Und nebenbei muss Martin Rauch auch noch seine Familie beschützen.

Fazit: Im Zeugnis würde stehen: Er hat sich stets bemüht. Die -Spannung der Geschichte, die mit Deutschland '83 noch packend war und auch im Free-TV gezeigt wurde, nimmt leider mit jeder weiteren Staffel ab. In der finalen Staffel wirkt es fast so, als sei beim Drehbuch die Luft raus gewesen. Schade eigentlich. Denn die realen deutsch-deutschen Geheimdienstaktionen während des Kalten Krieges hätten genug Stoff geboten.


The Americans (Netflix)

Aller guten Dinge sind drei: Und diese Serie ist eine der besten Agentenserien überhaupt: "The Americans". Dabei geht es um die Familie Jennings. Typisch amerikanisch könnte man meinen: Philip und Elizabeth führen ein Reisebüro. Die Kinder Paige und Henry sind ganz normale Teenager. Die Wahrheit ist ein andere. Philip und Elisabeth sind nicht verheiratet, nicht einmal Amerikaner. Sie sind russische Geheimagenten. Eingeschleust, um Aufträge für den KGB auszuführen. Die scheinbar makellose Fassade beginnt aber zu bröckeln, als ein neuer Nachbar einzieht. Er heißt Stan und ist FBI-Agent...

Fazit: Diese Serie macht süchtig und bietet ordentlich Stoff. Denn mittlerweile sind alle sechs Staffeln bei Netflix verfügbar. Dazu gibt's auch einen Flashback in die 80er-Jahre - optisch und akustisch. Was die Geschichte so spannend macht, ist die Frage: Hat man als Zuschauer für die falsche Seite Sympathien? Zuviel wird an dieser Stelle nicht verraten - denn auch nur der kleinste Spoiler könnte das Bingen der Serie vermiesen. Einen offiziellen Trailer gibt es leider nur auf englisch:


Stranger Things (Netflix)

Wo ist Will Byers? Nach einem Spieleabend mit seinen Freunden verschwindet in der US-Kleinstadt Hawkins in Indiana der 12-jährige Junge spurlos. Seine verzweifelte, alleinerziehende Mutter Joyce wendet sich an die Polizei. Unterdessen starten Wills Freunde Mike, Dustin und Lucas die Suche nach ihm auf eigene Faust. Doch dabei stoßen sie im Wald auf ein verstörtes Mädchen mit kurzgeschorenem Haar - und paranormale Fähigkeiten. Weiß sie, wo sich Will befindet und ob er noch lebt? Schnell kommen die 3 Freunde noch ganz anderen Geheimnissen auf die Spur.

Fazit: Popcorn machen, ab auf das Sofa und die 1. Folge von Stranger Things starten: Denn die Netflix-Mysteryserie wurde für einen Serien-Marathon geschaffen. Stranger Things ist hochspannend, düster, mitunter witzig und zum Teil echt gruselig. Die Serie fesselt den Zuschauer ab der ersten Folge - und lässt ihn nicht wieder los! Stranger Things ist vielleicht die beste Serie, die Netflix bisher selbst produziert hat. 3. Staffeln mit 25 Folgen sind jedoch schnell gebingt. Aber keine Sorge: Staffel 4 wird bereits gedreht!


Babylon Berlin (Sky/ARD-Mediathek)

Jeder einmal in Berlin, jeder einmal in der Stadt der Sünde: Der junge Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) aus Köln kommt 1929 nach Berlin, um im Rahmen eines Erpressungsfalls zu ermitteln. Im Berliner Polizeipräsidium lernt Rath die junge Charlotte Ritter kennen und beginnt zusammen mit ihr und dem Berliner Kollegen Bruno Wolter seine Ermittlungen. Doch in der noch jungen Weimarer Republik befindet sich alles im radikalen Umbruch. Ob Drogen, Mord, Wirtschaftskrise oder politischer Extremismus - Raths Untersuchungen gehen schnell über das ursprüngliche sittenpolizeiliche Umfeld hinaus und werden auch für ihn selbst gefährlich ... 

Fazit:  Zwischen Rausch und Realität: Babylon Berlin zeigt das freizügige und offene Lebensgefühl des Berliner Nachlebens der 20er-Jahre im Stil von "The Great Gatsby" - und vereint dies zugleich mit den krassen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemen der jungen Weimarer Republik. Die umfangreichen Ermittlungen von Rath lassen dabei keinen Aspekt aus. Auch deshalb ist die auf der Bestseller-Reihe von Volker Kutscher um Kommissar Gereon Rath basierende Serie bereits Teil deutscher Fernsehgeschichte. Die 3. Staffel wird ab dem 11. Oktober im Ersten ausgestrahlt. Also schnell sein: Staffel 1 und 2 sind in der ARD-Mediathek abrufbar.


Broadchurch (Amazon Prime Video/Netflix)

Ein kleines Küstenstädtchen in Aufruhr: Der 11-jährige Danny Latimer wird eines Tages tot unter den Klippen im südenglischen  Broadchurch aufgefunden. Das Verbrechen erschüttert die gesamte Gemeinschaft, denn eigentlich kennt jeder Einwohner jeden. Eigentlich. Denn während die Ortspolizistin Detective Sergeant Ellie Miller mit dem von außerhalb stammenden Detective Inspector Alec Hardy die Ermittlungen aufnehmen, kommen immer mehr Geheimnisse der Einwohner an Licht. Schnell stehen verschiedene Personen unter Tatverdacht. Doch was ist mit Danny passiert?

Fazit: Überragende 1. Staffel: Hochspannung in jeder Folge. In einer kleinen Stadt, in der jeder bisher geglaubt hat, den Nachbarn zu kennen, erschüttern gelüftete Geheimnisse das bisherige Zusammenleben. Der Tod des Jungen verändert ein ganzes Dorf - und damit auch ganze Familien. Einziger Wermutstropfen: Staffel 2 und Staffel 3 können von der Spannung und Handlung der 1. Staffel nicht ganz das Wasser reichen.


Hunters (Amazon Prime Video)

New York, 1977: Zahlreiche ehemalige KZ-Wächter, NS-Ärzte und sonstige Mittäter sind nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Nordamerika untergetaucht. Eine Gruppe Nazijäger um den Auschwitz-Überlebenden Meyer Offerman will daher für Gerechtigkeit sorgen. Die "Hunters" spüren diese Altnazis auf - und lassen sie "verschwinden". Als die Großmutter des jungen Jonah Heidelbaum von Nazis ermordet wird, schließt er sich dem Rachefeldzug an. Währenddessen planen faschistische Verschwörer in den USA ein "Viertes Reich" zu errichten. Ob die Nazijäger es schaffen, dies zu verhindern?

Fazit: Hunters hat aufgrund der sehr brutalen, rachegesteuerten Handlung, der alternativen Realität und dem undifferenzierten Umgang mit dem Thema viele Diskussionen ausgelöst. Die umstrittene Serie lebt vor allem von den Darstellern: Al Pacino spielt Meyer Offerman, "Percy Jackson"-Schauspieler Logan Lerman ist als Jonah Heidelbaum zu sehen und "How I met your mother"-Star Josh Radnor verkörpert Lonny Flash. Ob die Serie gefällt, dafür sollte man sich am besten selbst ein Bild machen. Bisher gibt es erst eine Staffel mit 10 Folgen.

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