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Ach, was tät ich ohne Duden

Kolumne: Wer kennt sie nicht - streikende Drucker. Wie gut, dass unser Autor einen Duden zur Hand hat.

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Verdruss am Mittwochabend: Beim spießigen Ausdruck der Nutzungsbedingungen zur neuen Corona-App zog mein Lieblingsdrucker ohne Vorwarnung sein Papier nicht mehr richtig ein, knütterte leise vor sich hin und gab über sein blaues Display freche Widerworte: Erst "paper jam", dann "error", am Ende gar "###".

Nun weiß der praktisch begabte Landmann, dass technische Geräte in solchen und ähnlich hoffnungslosen Fällen zuweilen eine Backpfeife brauchen. Zerknittertes Papier aller Art muss man schließlich nach wie vor von Hand herauszupfen, dafür gibt es keine Software. Also nahm ich die Gerätschaft vom Netz, riss und zerrte und förderte den bösen A4-Bogen schließlich ans Tageslicht, gefalzt wie ein Akkordeon, von Natur aus schlecht.

Ich verbrannte das Papier zur Strafe, tat den Stecker wieder rein, schüttelte alles durch und zelebrierte den Neustart. Der Drucker zuckte und muckte und weinte vor sich hin, verweigerte aber nach wie vor den Dienst. Also Stecker wieder raus, seitwärts drehen das ganze Elend, und siehe da: Drei 1-Cent-Stück-kleine weiße Zahnrädchen kullerten aus den Tiefen der Technik, Drucker im Sack.

"Aber wer hat in diesen Zeiten noch Radiergummis?"Christian Bitter, Autor

Da ist guter Rat teuer, vor allem, wenn man noch eben schnell 113 Kundenmailings in Sachen Mehrwertsteuersenkung raushauen muss. Ich besprach mich telefonisch mit einem PC-Experten, der zu eigenwilliger Improvisation riet: Die Zahnräder würden ganz gewiss nur die fragile Hebebühne fürs Papier anblasen, da solle man mal ein Stück Radiergummi drunterklemmen, das sei ja jetzt auch egal.

Aber wer hat in diesen Zeiten noch Radiergummis? Zum Ersatz dafür schob ich einen Duden – den braucht ja scheinbar auch keiner mehr – schräg unters Gewerk und fächerte den Stapel Frischpapier sorgsam durch. Das hat man schließlich bei Fachleuten auch schon mal gesehen, schaden kann’s kaum.

Der bedrohlich schief stehende Drucker fuhr langsam hoch und belichtete urplötzlich 121 holzfreie Papiere, wie herrlich. Ich zapfte mir eine Wiener Melange aus dem Kaffeevollautomaten und genoss die fixe Schadensbehebung in tiefen Zügen.

Leider wurde am Tag darauf der analoge Duden ganz dringend gebraucht, weil das digitale Internet in Calveslage nachhaltig streikte. Wundersamerweise funktioniert seitdem der Drucker wieder genauso gut wie vorher, obwohl gar nichts mehr darunter liegt. Es lebe Konrad Duden.


Zur Person:

  • Christian Bitter ist Chef der Werbeagentur Bitter & Co. in Calveslage.
  • Den Autor erreichen Sie unter: info@om-online.de.

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