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Zweifel sind angebracht

Thema: Neue Prognose zur Konjunktur - Es gibt noch keinen Anlass zur Erleichterung. Der Aufschwung nach der Krise hängt von nicht voraussehbaren Faktoren ab.

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Prognosen sind immer so eine Sache. Sie sind in aller Regel mit Vorsicht zu bewerten. So auch die jüngste des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hinsichtlich der Erholung des Arbeitsmarktes und der Konjunktur vom Corona-Schock im kommenden Jahr.

Für große Erleichterung bietet sie jedenfalls keinen Anlass. Denn die Forscher gründen ihre insgesamt recht optimistische Vorhersage über eine Zunahme der Wirtschaftsleistung um 3,2 Prozent auf zwei wichtigen Grundvoraussetzungen: Es darf zum einen keinen zweiten Lockdown geben und zum anderen keine Insolvenzwelle. Einen zweiten Lockdown, das dürften die meisten Politiker inzwischen verstanden haben, wird das Land nicht verkraften. Er hätte wesentlich schlimmere Langzeitfolgen als eine wieder deutlich steigende Zahl von Menschen, die tatsächlich an Corona erkrankt sind. Auch deswegen wird sich die Politik so lange wie möglich davor hüten, das Land noch einmal komplett herunter zu fahren.

Aussetzung der Insolvenzantragspflicht ist ein Taschenspielertrick

Eine Insolvenzwelle dagegen ist leider sehr wahrscheinlich. Ihr tatsächliches Ausmaß kann derzeit niemand abschätzen, weil die Bundesregierung die Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen zunächst bis Ende 2020 ausgesetzt hat. Das ist nicht mehr als ein Taschenspielertrick, um die Lage besser aussehen zu lassen als sie tatsächlich ist. Der Kreditversicherer Euler Hermes erwartet bis 2021 rund 21 000 Firmenpleiten. Hinzu kommt: Niemand weiß, wie sich die Automobilindustrie, der wichtigste Motor der deutschen Wirtschaft, tatsächlich entwickeln wird.

So gesehen scheinen Zweifel an der IAB-Prognose angebracht zu sein. Sollte das Institut aber am Ende Recht behalten, so wäre das eine für Deutschland gewiss sehr erfreuliche Entwicklung.

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