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Zustände beim Bahnhof in Vechta: CDU fordert Bürgermeister auf, aktiv zu werden

Nach Berichten über Drogen, Dreck und Dealer in den Parkhäusern beantragt der CDU-Fraktionsvorsitzende bei Kristian Kater einen Maßnahmenkatalog mit 8 Punkten, um die Situation zu verbessern.

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Einsatz mit E-Bike: Polizeibeamte am Freitagabend auf Streifenfahrt in Höhe der Mobilitätsstation. Foto: M. Niehues

Einsatz mit E-Bike: Polizeibeamte am Freitagabend auf Streifenfahrt in Höhe der Mobilitätsstation. Foto: M. Niehues

Von der einen Seite der Brücke nähern sich 2 Fahrradfahrer, auf der anderen in Höhe des Kinos steigen plötzlich 2 uniformierte Beamte aus einem zivilen Auto. "Alter, das sind Bullen", ruft ein Jugendlicher seiner Gruppe zu. "Lasst uns schnell abhauen." Dann entschwinden die jungen Leute in Windeseile durchs Treppenhaus der Mobilitätsstation.

Am vergangenen Freitagabend waren Beamte des Vechtaer Polizeikommissariats immer wieder im Bereich des Vechtaer Bahnhofs und in der angrenzenden Zitadelle unterwegs, auch mit E-Bikes. "Erwischen", sagt ein Polizist, "können wir nicht alle. Aber die Präsenz zeigt Wirkung." Das ist tatsächlich so. An diesem Abend haben sich Dealer und zwielichtige Gestalten schnell aus dem Staub gemacht.

Offen sichtbarer Drogenkonsum auf der Brücke

Aber bereits am Samstagabend waren sie wieder da, wie sich der OM-Online-Reporter vor Ort überzeugen konnte. Ganz offen bastelten sich mehrere Jugendliche direkt auf der Brücke zwischen Kino und Parkhaus ihre Joints zusammen, um diese dort anschließend genüsslich zu rauchen – direkt gegenüber des Eingangs der Caritas-Suchtberatung.

Nach dem Bericht über Drogen, Dreck und Dealer von OM-Online am 16. Juni hat sich die Situation auf der Brücke, im Parkhaus und in der Mobilitätsstation noch nicht wesentlich geändert. Etliche Leser haben sich aber zwischenzeitlich gemeldet und bestätigen mit ihren eigenen Erfahrungen die Zustände in dem Bereich. Auch sie sprechen von Pöbeleien, verbalen Angriffen, Vandalismus und sichtbarem Drogenhandel. Einer sagt, er allein habe bereits dreimal Vorfälle zur Anzeige gebracht. Genau um Dinge dieser Art nicht mehr erleben zu müssen, sei er eigentlich vor Jahren von Hamburg nach Vechta gezogen. "Und jetzt das", beklagt der Anwohner. Damit habe er nicht gerechnet.

Vandalismus in der Mobilitätsstation: Das gerade neu errichtete Gebäude ist im Innenbereich teilweise bereits sanierungsbedürftig. Foto: M. NiehuesVandalismus in der Mobilitätsstation: Das gerade neu errichtete Gebäude ist im Innenbereich teilweise bereits sanierungsbedürftig. Foto: M. Niehues

Ziehen der Bahnhofsbereich und die urbane Architektur der Parkhäuser auch großstädtische Probleme an? Tatsächlich vermittelt das Areal architektonische Attraktivität. Hinter der Fassade brodelt es aber, und es bröckelt sogar. Denn gerade in der Mobilitätsstation zeigt sich die Kehrseite. Jugendliche Gruppen suchen die offenen Räume mit vielen Versteckmöglichkeiten für den Drogenkonsum und -handel auf. Überall riecht es nach Urin. Die Treppenhäuser sind völlig verdreckt und Wände beschmiert. Die Fahrradhalterungen aus Stahl sind im Bodenbereich verrottet. Die erst vor wenigen Jahren eröffnete Einrichtung ist in Teilen offensichtlich sanierungsbedürftig. Zudem kam es in dem Bereich wiederholt zu Übergriffen, sogar auf Polizeibeamte. Die wenigen wertlos wirkenden Fahrräder, die dort stehen, sind meist zugestaubt und wurden dort offensichtlich bereits zu Beginn der Pandemie abgestellt und dann stehen gelassen. Wer ein neuwertiges Fahrrad besitzt, traut sich offensichtlich nicht ins Gebäude. Diese werden draußen im Halteverbot abgestellt, wohl auch, weil es dort sicherer ist.

Stadt Vechta: Tun alles, um Situation zu entschärfen

Die Stadt Vechta hatte am 9. Juni noch gegenüber OM-Online betont, diese unternehme alles, was rechtlich möglich sei, um die Situation zu entschärfen und gegenzusteuern. Dabei setze sie auch einen Sicherheitsdienst ein. Auch Bürgermeister Kristian Kater (SPD) äußerte sich dazu. "Um es ganz deutlich zu sagen, wir treten vorsätzlichen Vermüllungen, Vandalismus und Begehung von Ordnungswidrigkeiten oder gar Straftaten entschieden entgegen", betonte er.

Völlig verdrecktes Treppenhaus: Die Besucher meiden die Mobilitätsstation auch deshalb. Foto: M. NiehuesVöllig verdrecktes Treppenhaus: Die Besucher meiden die Mobilitätsstation auch deshalb. Foto: M. Niehues

Der CDU-Fraktion im Rathaus ist das offensichtlich nicht entschieden genug. Der Vorsitzende Thomas Frilling beschwerte sich jetzt gegenüber dem Bürgermeister, dass sein vor über 2 Monaten stattgefundenes Gespräch mit ihm "anscheinend kein Gehör gefunden" habe. Frilling beantragte zugleich einen 8 Punkte umfassenden Maßnahmenkatalog, um die Situation im Bereich der Mobilitätsstation, des Bahnhofs und des Parkhauses mit den Stadthäusern zu verbessern.

CDU-Fraktion stellt drei Forderungen

Konkret fordert die CDU für mehr Sicherheit eine flächendeckende Videoüberwachung, eine engere Taktung der ordnungsbehördlichen Überwachung sowe bauliche Verbesserungen zur Sicherung in den Abend- und Nachtstunden, damit nur berechtigte Personen Zugang erhalten. Zudem soll nach Vorstellung der Fraktion ein Sicherheitsdienst konsequent vom späten Nachmittag an bis Mitternacht eingesetzt werden.

Korrosion an den Fahrradhalterungen im Bodenbereich: Kaum in Betrieb, schon verrostet. Foto: M. NiehuesKorrosion an den Fahrradhalterungen im Bodenbereich: Kaum in Betrieb, schon verrostet. Foto: M. Niehues

In Sachen Sauberkeit fordert die CDU eine häufigere Reinigung des gesamten Gebietes und bauliche Verbesserungen durch sinnvolle Veränderungen des Bodenbelages und der Wandgestaltung. Zudem sei eine Überprüfung des Konzeptes der Mobilitätsstation nötig. Die kostenlose und kostenpflichtige Nutzung der Einrichtung solle kombiniert werden. Gefordert wird zudem, dass Zugangs- und Rettungswege konsequent freigehalten werden.

"Wir wollen eine Verbesserung der Gesamtsituation!", heißt es in dem Schreiben Frillings an den Bürgermeister. "Es ist dringend nötig, dieses Aushängeschild unserer Stadt wieder in den sicheren und sauberen Zustand zu versetzen, den die Bürgerinnen und Bürger zu Recht erwarten." Nach Überzeugung der CDU-Fraktion müsse mehr für Sicherheit und Sauberkeit investiert werden. "Stadtrat und Verwaltung müssen jetzt aktiv werden", lautet seine abschließende Forderung.

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