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Zeit für eine Debatte über Wohlstand: Wollen wir reich sein, weil andere arm sind?

Der Krieg in der Ukraine könnte für alle Menschen Folgen haben. Die Vereinten Nationen warnen vor Hunger, Destabilisierung und Massenmigration. Und wir? Wir müssen über unseren Wohlstand nachdenken.

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"Wir sind reich, weil die arm sind." Dieser Spruch der linken Szene aus den 1970er-Jahren bekommt in diesen Tagen Aktualität, wenn es um die Frage nach der Welternährung geht. Der Ukraine-Krieg führt zu einer massiven Versorgungskrise, die bei uns die Preise ansteigen lässt, was sehr ärgerlich ist.

In Afrika, dem indischen Subkontinent und Teilen Asiens drohen derweil Millionen Menschen zu verhungern, weil sie sich schlicht kein Essen mehr leisten können. Nach Angaben der Welthungerhilfe leiden rund 800 Millionen Menschen an Hunger, 10 Prozent der Menschheit, Tendenz wieder steigend.

Natürlich könnten Zeitgenossen, die nicht über den eigenen Tellerrand schauen, behaupten, das sei nicht unsere Schuld, sondern die des russischen Präsidenten Putin, der mit seinem zynischen Machtkalkül nicht nur den Westen mit Gas, sondern die Entwicklungsländer mit Getreide erpresst. Diese Behauptung ist freilich nicht falsch, aber sie greift zu kurz.

„50 Jahre nach dem Bericht des Club of Rome hat sich nur wenig für ein ökologisches und wirtschaftliches Gleichgewicht getan."Stefan Freiwald

Die Ursachen liegen tiefer: Spekulationen um Rohstoffe wie Weizen und allerlei Handelskonflikte ohne tieferen Sinn treiben die Preise in die Höhe. Hinzu kommt die global zunehmende Tiermast, die Getreide benötigt.

Weitere Ursache sind immer mehr Missernten im sogenannten Globalen Süden, die auf den Klimawandel zurückzuführen sind. Für diese Klimaveränderungen sind nicht die Entwicklungsländer, sondern vor allem die Industriestaaten wie Deutschland verantwortlich. Daran zeigt sich, dass unser Handeln im Norden auch Auswirkungen im Süden hat.

Um eine Katastrophe zu vermeiden, muss es der Menschheit gelingen, ein ökologisches und wirtschaftliches Gleichgewicht herzustellen und anstatt am Prinzip des „Weiter so“ festzuhalten, die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsordnung zu schaffen. Diese These ist schon 50 Jahre alt. Sie stammt vom Club of Rome, dem berühmten Zusammenschluss von Wissenschaftlern. Dass es der Staatengemeinschaft ein halbes Jahrhundert nach diesem Bericht und nach der ersten UN-Umweltkonferenz in Stockholm immer noch nicht geglückt ist, den Klimawandel als wohl größte globale Herausforderung auch nur annähernd ernsthaft anzugehen, ist beschämend.

Gewiss: Der UN Global Compact, das Bekenntnis zu mehr Nachhaltigkeit von Staaten, Institutionen und Unternehmen ist ein guter Anfang. Gleichwohl muss der gesellschaftliche Druck zunehmen, um die Entscheider zu verbindlichem, verantwortungsvollem Handeln zu bewegen. Es tut weh, über den eigenen Wohlstand nachzudenken. Doch es ist letztlich eine Gewissensfrage. Wollen wir reich sein, weil andere arm sind?

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