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Wunsch nach Präsidenten mit Vorbildfunktion

Die gebürtige Altenoytherin Laura Decker hat Trumps Einwanderungspolitik am eigenen Leib erfahren. Seit 2017 lebt sie in Amerika und ist dort seit 2019 mit Ehemann Nick verheiratet.

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Verfolgt gespannt die US-Wahlen: Laura Decker aus Altenoythe, die seit drei Jahren in Amerika lebt. Foto: Nick Decker

Verfolgt gespannt die US-Wahlen: Laura Decker aus Altenoythe, die seit drei Jahren in Amerika lebt. Foto: Nick Decker

Das erste TV-Duell hat sie irgendwann abgeschaltet. „Respektlos, kindisch, chaotisch“, kommentiert Laura Decker das Aufeinandertreffen von US-Präsident Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden. Beim zweiten erlebte sie zumindest eine Debatte der beiden Kontrahenten, die sich am 3. November zur Wahl des nächsten Staatsoberhauptes der USA stellen. Lauras amerikanischer Ehemann Nick hat seine Stimme bereits per Briefwahl abgegeben und die Unterlagen persönlich im Rathaus eingereicht, „um ganz sicher zu gehen, dass sie auch ankommen“.

Seine 23-jährige Ehefrau ist noch keine amerikanische Staatsbürgerin, sondern bisher nur im Besitz einer „Greencard“. Die gebürtige Altenoytherin wohnt mit ihrem Mann in Charles Town (West Virgina). 2017 ist sie nach absolvierter Ausbildung zur Erzieherin für ein Jahr als Au-Pair in die USA gegangen. Als sie Nick kennenlernte, verlängerte sie ihren Aufenthalt zunächst um ein weiteres Jahr, erhielt ein Visum und hat sich 2019 endgültig für ein Leben in Amerika entschieden. Seit September ist das Paar verheiratet. Dankbar sind beide, dass sie in essenziellen Berufen arbeiten und somit durch die Coronakrise keine Existenzängste haben müssen. Laura arbeitet als private Lehrkraft in einer Familie, Nick ist Berufsfeuerwehrmann und Rettungssanitäter.

„Was in unserer Nachbarschaft alles zum Verkauf steht und wie viele, vor allem kleine Unternehmen, schließen mussten, ist schon erschreckend zu sehen“, beschreibt die Wahl-Amerikanerin. Trump habe viel zu spät die verheerenden Folgen der Pandemie erkannt und seine eigene Erkrankung an Covid-19 eher wahlkampftaktisch ausgeschlachtet, was nicht zuletzt der filmreife Auftritt seiner Rückkehr belege. Vorbildfunktion? Fehlanzeige. Und ein Hohn besonders für Menschen, die ebenfalls erkrankt sind, auf keine besondere medizinische Betreuung zurückgreifen könnten oder die Freunde oder Angehörige durch das Virus verloren hätten. „Ich glaube, dass er durch diese Show viele Wähler, die ihn bisher unterstützten, verärgert hat“, sagt Laura Decker. Doch auch wenn Joe Biden laut Umfragen aktuell vorne liegt: Das sei bei Hillary Clinton 2016 ebenfalls so gewesen und am Ende hieß der Sieger doch Donald Trump.

Spezielles Wahlsystem in den USA macht es spannend

Spannend bliebe es nicht zuletzt auch aufgrund des speziellen Wahlsystems, bei dem der US-Präsident nicht direkt vom Volk, sondern vom Wahlmännergremium gewählt wird. Somit kann ein Kandidat Regierungschef werden, obwohl er nicht die Mehrheit der Wählerstimmen hat. Ob Joe Biden der bessere Präsident wäre, müsse sich zeigen, „Er ist auf jeden Fall der sympathischere und respektvollere Kandidat“, erklärt die Altenoytherin. Trump habe ihrer Meinung mit der Erhöhung des Mindestlohns sowie der Senkung der Arbeitslosenquote während seiner Amtszeit gepunktet. „Am eigenen Leib“ habe sie jedoch die Verschärfungen seiner Einwanderungspolitik erfahren, die auch Sanktionen für legal ins Land gereiste Personen vorsieht. „Und in Zukunft wird es wohl noch schwerer werden, sollte er im Amt bleiben“, weiß die Pädagogin, die bis vor ein paar Monaten noch rund zehn Minuten vom Weißen Haus entfernt wohnte.

Dass Menschen ihre Autos und Vorgärten mit Fahnen und Plakaten für die Kandidaten schmücken, wäre in Deutschland undenkbar. Und an ihrem Heimatland schätzt sie sachlich-seriös geführte Wahlkämpfe und eine Debattenkultur, die gepflegt werde.

Am 3. November wünscht sich Laura Decker, dass Amerika einen Präsidenten mit Vorbildfunktion bekomme, der für Ehrlichkeit und Transparenz stünde und „das Volk vereint, anstatt es zu spalten“.

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