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Wohnortnähe ist für Eltern entscheidend

Wissenschaftler der Uni begleiten Neuziehung der Schulbezirke. Informationsabende wegen Corona-Virus verschoben.

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Wissenschaftler der Universität Vechta haben die Umfrage zur Neuziehung der Schulbezirke in der Stadt Vechta ausgewertet. Wie die federführenden Professoren Dr. Frederike Bartels und Dr. Gerald Eisenkopf erklärten, ließen sich aus den ersten Ergebnissen bereits klare Prioritäten der Eltern künftiger Grundschüler ausmachen.

Am wichtigsten sei den Vechtaer Erziehungsberechtigten demnach mit deutlicher Mehrheit die Wohnortnähe der Schule, gefolgt vom pädagogischen Konzept. Abgesehen vom Stukenborg und vom Stadtzentrum hatte die eindeutige Mehrheit die Schule im eigenen Stadtteil als Erstwunsch angegeben. Die religiöse Ausrichtung – oder wie im Fall der Bekenntnisschulen eine konfessionelle Bindung – spielt bei der Schulauswahl eine geringe Rolle und steht bei den Eltern nur auf Platz sechs.

Die gut dreiwöchige Online-Umfrage unter Eltern war am 4. Februar angelaufen. Die Stadt hatte 1000 Briefe an Erziehungsberechtigte von 1200 Kindern verschickt. Zur Teilnahme aufgerufen waren jeweils beide Elternteile. 347 Personen hatten in der Folge den Fragebogen bis zum Abschluss gebracht – es mussten dabei aber nicht alle Fragen beantwortet werden. Die Umfrage ist damit nicht repräsentativ, zeigt aus Sicht der Wissenschaftler aber klare Trends. Die Zahl der Teilnehmer sei für eine derartige Umfrage gut. Die wissenschaftliche Untersuchung soll fortgesetzt werden.

Professorin Frederike Bartels betonte: Die Mehrheit der befragten Eltern würden eine konfessionell gebundene Schule auswählen, wenn sie die Wahl hätten – vor allem wenn sie katholisch sind. Bei den befragten evangelischen Eltern gab es kein klares Ergebnis. Von den nur fünf muslimischen Teilnehmern der Umfrage würden alle auf jeden Fall eine Schule ohne religiöse Bindung wählen.

Die Frage nach den Präferenzen für die Schulwahl ist für die Stadt Vechta bei der Festlegung der neuen Schulbezirke entscheidend. Für Bürgermeister Kristian und die Erste Stadträtin Sandra Sollmann waren die Umfrageergebnisse gestern eine Bestätigung für den eingeschlagenen Kurs. Die Stadtverwaltung hatte Vorschläge für neue Einzugsbereiche der Vechtaer Grundschulen von einem Gutachter berechnen lassen. Maßgeblich war dabei die soziokulturelle Durchmischung und danach die Wohnortnähe. Dass es eine Geschwisterregelung geben soll, nach der Kinder unabhängig von Schulbezirken die gleiche Schule besuchen können wie ältere Geschwister, entspreche laut Umfrage dem Elternwillen.

Betreuungszeiten in Kitas und Grundschulen sollen vergleichbar sein

Das bestätigten Bartels und Eisenkopf. Pragmatische Bedürfnisse seien für die Schulwahl entscheidend. Allerdings spiele für die Eltern auch die Sicht ihrer Kinder eine Rolle: Dass Kinder in die gleiche Schule gehen wie ihre Kindergartenfreunde, ist für sie wichtig – das entspricht Ergebnissen einer bundesweiten Studie.

Auf diese Wünsche kann die Stadt mit ihren Grundschulbezirken nur wenig eingehen, eben weil auch die Kapazitäten insbesondere bei der Hagener Grundschule mit nur einem Klassenzug begrenzt sind. Bartels erklärte: Dass Kindergartenfreunde gemeinsam zur Schule gehen, sei in der Praxis nicht zu garantieren, weil es in Vechta eine freie Kindergartenwahl gebe. Eltern machten die Wahl etwa von den Öffnungszeiten abhängig, die mitunter stark unterschiedlich seien.

Kristian Kater geht davon aus, dass sich diese Situation langfristig verändern werde. Mehr Eltern würden vorausplanen und ihre Kinder in künftigen, auf Dauer verlässlichen Grundschulbezirken anmelden. Die Stadt arbeite auf vergleichbare Betreuungszeiten in allen Kindergärten hin und bis 2021 auch auf vergleichbare Ganztagsangebote der Grundschulen – auch das ist eine Forderung der Eltern bei der Umfrage.

Vorgesehen ist bereits, die Ganztagsangebote bis 2021 in allen Grundschulen auszubauen, auch in der Overbergschule, bei der ein Angebot bisher fehlt. Dort wird es ab dem Schuljahr 2021/22 auch eine Mensa für das Mittagessen geben, sagte Sandra Sollmann.

Die Vorstellung der Umfrageergebnisse – der Schulausschuss des Stadtrats und die Mitglieder der Arbeitsgruppe Schulbezirke haben sie schon gesehen – hätte auch Teil der öffentlichen Informationsabende zu den neuen Grundschulbezirken sein sollen. Die Stadt hat die Veranstaltungen aber wegen der Risiken einer Verbreitung des Corona-Virus wie auch alle Kulturveranstaltungen vorerst abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben. Wie Sandra Sollmann erklärte, sollen die Termine möglichst noch vor der im Mai erwarteten Entscheidung des Stadtrats über die neuen Vechtaer Schulbezirke nachgeholt werden.


Meine Meinung: Pragmatisch

Von Lars Chowanietz

Eltern wollen das Beste für ihr Kind und dass es eine gute Schulbildung bekommt. Aber sie wollen ihr Kind auch nicht unnötig quer durch die Stadt zum Unterricht fahren – oder ihm lange Schulwege zumuten. Eltern, die heute oft als überfürsorglich gelten, sind vor allem pragmatisch. Ansonsten wäre die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oft nicht denkbar. Dass die konfessionelle Bindung einer Schule am Ende nur eine geringe Rolle spielt, überrascht nicht. Die Stadt liegt richtig, Schulbezirke zuzuweisen und nur mit dem Angebot, alternativ eine Bekenntnisschule zu besuchen, ihrer rechtlichen Verpflichtung nachzukommen. Allerdings haben viele Eltern aus ganz pragmatischen Gründen andere Vorstellungen. Es dürfte noch Diskussionen geben.

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