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"Wir sind nicht der Flaschenhals"

Das Sozial-und Gesundheitsministerium in Hannover betont, dass es Anträge von Schlachthöfen auf Sonntagsarbeit schnell bearbeitet. Bisher liegen jedoch  erst zwei vor.

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Schlachthof läuft wieder: Bei Weidemark in Sögel wurden die Kapazitäten zuletzt ausgeweitet. Foto: Sarah Frerichs

Schlachthof läuft wieder: Bei Weidemark in Sögel wurden die Kapazitäten zuletzt ausgeweitet. Foto: Sarah Frerichs

Das Sozial- und Gesundheitsministerium in Hannover hat Vorwürfe zurückgewiesen, es würde beim Abbau des „Schweinestaus“ in den Ställen auf der Bremse stehen. Tatsächlich hätten erst zwei Schlachtbetriebe Anträge auf Sonn- und Feiertagsarbeit gestellt, erklärte Ministeriumssprecher Oliver Grimm gegenüber OM online. Beide Anträge seien inzwischen genehmigt worden.

„Wir sind nicht der Flaschenhals“, widersprach Grimm anderslautenden Berichten. So hatte die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) die Sozialministerien von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen kritisiert und ihnen zu wenig Engagement vorgeworfen. Wegen der coronabedingten Mitarbeiterausfälle fehlen laut ISN wöchentlich mindestens 80.000 Schlachtungen in Deutschland, damit der bestehende Überhang nicht noch größer  wird.   

Landwirtschaft soll Druck auf Schlachtbetriebe erhöhen

Grimm bestätigte, dass eine Übereinkunft mit dem Landwirtschaftsministerium über die Freigabe von Sonn- und Feiertagsarbeit vorliegt. Dabei handele es sich nicht um die ohnehin bestehende Möglichkeit für Betriebe, an fünf Sonntagen im Jahr zu arbeiten. „Hier geht es um das öffentliche Interesse daran, Tierleid zu verhindern“, erklärt der Sprecher. Allerdings könne das Ministerium nur dann handeln, wenn auch Anträge vorlägen. „Das ist bislang aber nur zweimal geschehen“, so der Sprecher. Möglicherweise sollte deshalb die Landwirtschaft den Druck auf die Schlachtbetriebe erhöhen, empfahl er.  

Um eine Genehmigung zu erhalten, müssen die Unternehmen nachweisen, dass die Mehrarbeit nicht an den Werktagen zu schaffen ist. „Das dürfte anhand der Schlachtzahlen eigentlich kein Problem sein“, sagt Grimm. Der Arbeitsaufwand dürfte sich nach seiner Ansicht in Grenzen halten. Der Sprecher vermutet, dass personelle Engpässe für das Zögern der Schlachtbetriebe verantwortlich sind. Denn auch wenn sie eine Schlachterlaubnis bekommen, müssen erstmal genügend Arbeitskräfte vorhanden sein. Auch deren Schutz sei zu beachten, betont der Sprecher. „Das ist jeweils ein Abwägungsprozess.“

Anders als von der ISN gefordert, wird es in Niedersachsen keine Schlachterlaubnis für den Reformationstag (31. Oktober) geben. Der Feiertag solle arbeitsfrei bleiben, bestätigte der Ministeriumssprecher.

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