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"Wir haben in weiten Teilen des Landkreises ein Nitrat-Problem"

Von 57 untersuchten Messstellen weisen rund 37 Prozent Grenzwertüberschreitungen mit mehr als 50 Milligramm Nitrat pro Liter auf. Der Abschlussbericht bezieht sich auf die vergangenen fünf Jahre.

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Symbolfoto: dpa

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Weiterhin ein Nitratproblem hat der Landkreis Cloppenburg: Von den 57 untersuchten Messstellen weisen im Zeitraum der vergangenen fünf Jahre rund 37 Prozent Grenzwertüberschreitungen mit mehr als 50 Milligramm Nitrat pro Liter (mg/l) auf. Rund 20 Prozent hatten eine Konzentration von mehr als 100 mg/l.

Gemessen wurde an Stellen im direkten Anstrom von Äckern, hinzu kommen Wald (8), Siedlung (4), Gewässer (3), Grünland (3) und Moor (1). Die Proben in den vergangenen fünf Jahren wurden zum Beispiel an Brunnen in verschiedenen Tiefen entnommen: 1 bis 5 Meter (180 Proben), 6 bis 10 Meter (194), 11 bis 15 Meter (81) und 16 bis 20 Meter (86). 

Beim Nitrat gebe es dabei auffällig hohe Werte entlang der Haseniederung, teilte Projektleiter Hendrik Judith vom Ingenieur- und Sachverständigenbüro Rubach und Partner dazu im Kreis-Ausschuss für Planung, Umwelt und Klimaschutz mit. Besondere Sorgen bereite die Messstelle M15 im Bereich Grafenhorster Weg in Essen, dort wurden hohe und weiterhin ansteigende Werte gemessen. 

Im Nordkreis ist eher Ammonium zu finden

Aus dem Abschlussbericht geht zudem hervor, dass "erhöhte Nitratwerte in erster Linie im Bereich der Geest, im mittleren und südlichen Drittel des Landkreises sowie angrenzenden Bereichen der Haseniederung mit überwiegend intensiv ackerbaulich genutzten Böden angetroffen werden".  Bei rund elf dieser Messstellen werden dabei Nitratgehalte von mehr als 100 mg/l und bis zu 320 mg/l in der Spitze festgestellt.

Im Nordkreis hingegen gebe es kaum Belastung an Nitrat, hier sei die Ammoniumkonzentration weiter verbreitet. "Das ist auch klar. Wo Nitrat ist, ist kein Ammonium. Außerdem sorgt das Moor dort für besondere Bedingungen", erklärte Judith. Insbesondere in den Niederungsbereichen der Hunte-Leda-Moorniederung finden sich erhöhte Ammoniumgehalte in den ehemaligen Moorgebieten, "die auch auf Nährstoffeinträge aus der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung zurückgeführt werden können", heißt es im Bericht. Der durchschnittlich gemessene Ammoniumgehalt in den vergangenen fünf Jahren liegt bei rund 1,34 mg/l, der Schwellenwert ist bei 0,5 mg/l.

Vom Herbst 2016 bis Frühjahr 2021 wurden die Grundwasser-Messstellen des gewässerkundlichen Landesdienstes, des OOWV (Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband), Eigenmessstellen des Landkreises und Messstellen Dritter beprobt. Sie bilden nach Angaben der Experten ein annähernd gleichmäßiges Bild über das Kreisgebiet und die jeweiligen Gemeinden. 

Belastung meist innerhalb der ersten zehn Meter Tiefe

"Die Schwerpunktbelastung ist innerhalb der ersten 10 Meter zu finden", erklärte Judith. Bezogen auf alle Proben schwankt der mittlere Nitratgehalt. Von 50,7 mg/l im Herbst 2016 über den Tiefstwert von 45,0 mg/l im Frühjahr 2018 bis hin zum Höchstwert, der im aktuellen Zeitraum gemessen wurde (56,9 mg/l). Mit zunehmender Tiefe nimmt die Zahl der Grenzwertüberschreitungen ab.

"Wir haben in weiten Teilen des Landkreises ein Nitrat-Problem, das lässt sich auch nicht wegdiskutieren", erklärte Dezernent Ansgar Meyer nach der Vorstellung des Berichtes. Er hoffe, dass die Düngeverordnungen weiter greifen und es dadurch langfristige Verbesserungen gebe. Dabei könne man aber froh sein, dass die Problematik nicht in den tieferen Ebenen angekommen ist. "Das muss auch so bleiben", sagte Meyer.

Hans Götting (CDU) zeigt sich enttäuscht

Enttäuscht über die Ergebnisse zeigte sich Hans Götting von der CDU: "Es ist leider ein ernüchterndes Bild. Wir hatten die Hoffnung, dass es eine positive Entwicklung gibt". Anscheinend dauere die Entwicklung aber länger, man müsse die Werte weiter im Blick behalten und  hoffen, dass es eine Verbesserung gibt, so Götting weiter, der auch Selbstkritik übte: "Wir wollten uns auch auf Problemstellen fokussieren. Das ist nicht gelungen, wobei es schwierig ist, die Grundwasserströme zu erfassen". Das Nitrat-Monitoring jedenfalls wurde nun verlängert für sechs Jahre, der Abstand der Proben jedoch von einem auf zwei Jahre erhöht.


Fakten:

  • Nitrat ist erst einmal unbedenklich. Schädlich kann es sein, falls es im Körper zu Nitrit umgewandelt wird.
  • Nach Angaben des Umweltbundesamtes haben Säuglinge, die jünger als drei bis sechs Monate sind, ein weniger saures Magenmilieu als ältere Kinder. Dadurch kommt es zu einer Besiedlung mit anderen Bakterien als bei Erwachsenen, was wiederum zu einer Reduktion des Nitrates zu Nitrit führen kann.
  • Gelangt dieses ins Blut, wird der Blutfarbstoff Hämoglobin zu Methämoglobin oxidiert. Methämoglobin kann keinen Sauerstoff binden, es kommt folglich zu einer reduzierten Sauerstoffaufnahme. 

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