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Wie soll der Inklusionsanspruch an der Gerbertschule umgesetzt werden?

Die Visbeker Ratsmitglieder sind sich uneinig darüber, ob bei der geplanten Aufstockung ein Fahrstuhl eingebaut werden sollte oder nicht. Beim Thema Energie herrscht dagegen Einigkeit.

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Wird erweitert: Der bislang eingeschossige Mittelbau der Gerbertschule erhält eine Aufstockung.   Foto: C. Meyer

Wird erweitert: Der bislang eingeschossige Mittelbau der Gerbertschule erhält eine Aufstockung.  Foto: C. Meyer

Die Visbeker Gerbertschule soll so aufgestockt werden, wie zuvor von den Mitgliedern des Finanz- und Sozialausschusses empfohlen. Das heißt, der Bau soll dem KfW-Standard 40 EE entsprechen, einschließlich einer Dachbegrünung sowie der Installation einer Photovoltaik-Anlage und einer Luft-Wasser-Wärmepumpe. So lautet das einstimmige Votum der Mitglieder des Visbeker Gemeinderates. Uneinig war man sich weiterhin darüber, ob ein Fahrstuhl oder ein sogenannter Plattformlift eingebaut werden soll. Die Entscheidung darüber steht noch aus.

Bis zum Sommer 2023 soll die Gerbertschule mit einem Holzrahmenbau aufgestockt werden. In diesem Zuge werden im Erdgeschoss das Lehrerzimmer sowie die Pausenhalle vergrößert. Im neuen Obergeschoss gibt es künftig drei Klassenzimmer mit angrenzenden Gruppenräumen, Toiletten sowie einen zusätzlichen Fachraum. Bei Letzterem lasse man sich, so führte Sebastian Latal vom Büro PLA aus, die Möglichkeit offen, eine Anbindung zu einer Mensa, die eventuell in Zukunft auf dem benachbarten Parkplatz errichtet wird, zu schaffen.

Aktuell gibt es keinen Bedarf für einen Fahrstuhl

Um dem Inklusionsanspruch gerecht zu werden, gibt es die Überlegung, einen Fahrstuhl oder einen Plattformlift zu installieren. Der aktuelle Vorschlag sieht nun vor, eine Unterfahrt mit entsprechender Technik vorzuhalten, um im Bedarfsfall einen Fahrstuhl nachträglich zu bauen, erklärte Latal. Auf Nachfrage von Martin Rohe (SPD) ließ der Architekt wissen, dass bei dem Lift mit Kosten in Höhe von bis zu 25.000 Euro gerechnet werden muss, bei dem Fahrstuhl von bis zu 50.000 Euro. Dazu kämen die bei dem Fahrtstuhl deutlich höheren Wartungskosten jährlich.

Sebastian Latal wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass ein Fahrstuhl zwischenzeitlich nicht unbedingt gebraucht werde. Verwaltungsmitarbeiterin Gaby Tönnies erklärte, dass es an der Gerbertschule momentan nicht den Bedarf gebe. Im Rahmen der Inklusion müsse es aber allen Schülerinnen und Schülern möglich sein, alle Räume nutzen zu können. Martin Rohe gab zudem zu bedenken, dass es nicht nur Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen gebe, sondern auch Lehrkräfte. Ein Fahrstuhl eigne sich überdies nicht nur für die Personenbeförderung, sondern auch für mögliche Lasten, warf Ratsvorsitzender Klaus Muhle (CDU) ein.

Sie halte den Plattformlift für eine gute Option, sagte Anja Muhle (FDP), die sich trotzdem dafür aussprach, sich die Möglichkeit für einen Fahrstuhl offen zu lassen. Ähnlich äußerte sich auch André Hüttemeyer (CDU). Josef Langfermann (Grüne) dagegen sprach sich vehement dafür aus, den Fahrstuhl direkt zu installieren. Ein Plattformlift „ist nichts“, urteilte er über die Alternative, die nach seinen Recherchen auch Folgekosten verursacht. „Wir geben so viel Geld aus, da kommt es auf diese paar Flocken jetzt auch nicht mehr an“, sagte Langfermann.

Energetische Maßnahmen erzeugen Mehrkosten

Die Kosten für die Aufstockung der Grundschule liegen insgesamt bei rund 2,8 Millionen Euro, wie Sebastian Latal vorrechnete. Ursprünglich war von Kosten in Höhe von rund 2 Millionen Euro ausgegangen worden. In der neuen Berechnung berücksichtigt sind die generellen Baukostensteigerungen, die Maßnahmen, um dem KfW-Standard 40 EE gerecht zu werden, sowie die Kosten für die zusätzliche Fläche mit dem Fachraum, die im Verhältnis zum Nutzen „absolut sinnvoll“ seien, so Latal. Schließlich lasse man sich damit die Option für die Verbindung zu einer möglichen Mensa offen. Noch nicht inbegriffen seien die Kosten für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe – Mehrkosten von rund 25.000 Euro – sowie für eine Photovoltaik-Anlage samt Speicher – Merkosten von rund 120.000 Euro – sagte Frank Pjede vom Büro Enerpe. Diese Kosten sollten eigentlich mit der KfW-Förderung, die bekanntlich gestoppt wurde, abgedeckt werden.

Über alle Fraktionen hinweg erhielt das Konzept jedoch deutliche Zustimmung. Josef Langfermann mahnte angesichts der gestiegenen Kosten jedoch an, in Zukunft „antizyklische Fiskalpolitik“ zu betreiben, vorausschauender zu planen. Seiner Ansicht nach müsse die Gemeinde nicht „um jeden Preis“ wachsen. Dies wollte André Hüttemeyer so nicht stehenlassen und verteidigte die Politik der vergangenen Jahre als „bedarfsgerecht“ und „vorausschauend“. Das Wachstum sei verhältnismäßig gewesen. Nichtsdestoweniger sei die Maßnahme notwendig und müsse jetzt umgesetzt werden.

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