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Wie groß darf ein Mehrparteienhaus sein? Darüber diskutiert die Dinklager Politik

Im Bauausschuss ging es um 2 Häuser mit 6 Wohnungen, die an der Steinfelder Straße errichtet werden sollen. Das Vorhaben geht über die Empfehlungen für die Nachverdichtung hinaus.

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Symbolfoto: dpa

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"Verdichtung" ist das städtebauliche Stichwort dieser Tage. Flächen werden knapper, Bauplätze sind häufig hoffnungslos überzeichnet. Da gilt es vielerorts, im Bestand zu verdichten. Sprich: Mehr Menschen als bisher auf einer Fläche ein Zuhause zu bieten.

Einer der Bereiche in Dinklage, wo das künftig passieren soll, ist die Steinfelder Straße. Nördlich der Verkehrsader sind heute ein knappes Dutzend älterer Häuser sowie einige Gewerbebetriebe zu finden. Künftig könnten hier Mehrfamilienhäuser entstehen – zumindest, wenn es nach dem Willen der Stadtverwaltung und einer erkennbaren Mehrheit der Fachpolitiker geht.

Diese berieten nämlich in der jüngsten Sitzung des Dinklager Ausschusses für Bauen, Umwelt und Stadtentwicklung, ob das Baurecht für den Bereich nördlich der Steinfelder Straße entsprechend angepasst werden solle. Bisher, so berichtete es Bauamtsleiter Michael Busch den Politikern, sei das ein "eingeschränktes Gewerbegebiet". Sprich: Neue Wohnhäuser dürfen hier nicht entstehen. Mittels einer Änderung des Bebauungsplans Nr. 51 ("Holtesch I") solle daraus ein Mischgebiet werden. Die Folge: Wohnbebauung würde künftig erlaubt. Der Ausschuss empfahl mit 6 Stimmen bei 2 Gegenstimmen und einer Enthaltung die entsprechende Änderung. Sollte der Verwaltungsausschuss der Empfehlung Mitte März folgen, würden die Änderungsvorschläge öffentlich ausgestellt und die Träger öffentlicher Belange wie Wasser- und Energieversorger oder andere Behörden an den Planungen beteiligt.

9 oder 12 Meter – wie hoch darf ein Dach in der 2. Reihe sein?

Die Änderung selbst scheint in der Lokalpolitik kaum umstritten zu sein. Für Kontroverse sorgte in der Ausschusssitzung aber die Frage, wie groß die Häuser an der Steinfelder Straße werden dürfen.

Stein des Anstoßes ist ein konkretes Bauvorhaben auf einem schmalen Grundstück gegenüber von einem Bedachungsgeschäft. Das jetzt dort stehende Haus soll 2 Mehrfamilienhäusern mit 6 Wohnungen weichen. Das ist der Wunsch des "Antragsstellers", vermutlich also des Grundstückeigentümers. Soll die Stadt dem Wunsch entsprechen? Oder treibt der Vorschlag die Verdichtung zu weit? Das war der Kern der Diskussion am Donnerstagabend. Klar ist: Der Bereich des Bebauungsplans betrifft nur die Häuser nördlich der Steinfelder Straße, nicht aber Gebäude, deren Einfahrt zur Hermannstraße, Juttastraße oder Heinrichstraße liegt.

Der Vorschlag der Verwaltung will in diesem Bereich den Bau von Wohnhäusern erlauben, die maximal 2 Vollgeschosse haben und in offener Bauweise errichtet werden. Das heißt: Die Häuser grenzen nicht aneinander. Der First soll höchstens 12 Meter hoch sein und unter einem Dach dürften demnach nicht mehr als 6 Wohnungen entstehen.

Wenn aber auch das hintere Gebäude auf dem konkret diskutierten Gelände ein Mehrfamilienhaus wird, womöglich sogar mit 6 Parteien, so verstößt das gegen die Empfehlungen des Arbeitskreises Nachverdichtung. Das ist ein Gremium, in dem Ratspolitiker mit Unterstützung der Stadtverwaltung darüber diskutieren, wie das Wohnen in Dinklage sinnvoll verdichtet werden kann.

Der Konflikt: Die Vorschläge des AK Nachverdichtung sehen zwar vor, dass direkt an der Steinfelder Straße Mehrfamilienhäuser mit bis zu 6 Wohneinheiten und ohne Höhenbegrenzung entstehen dürfen. In 2. Reihe hingegen sollen nach Vorstellung des Gremiums lediglich Ein- und Zweifamilienhäuser mit einer maximalen Höhe von 9 Metern gebaut werden.

Weshalb schlägt die Verwaltung mehr vor, als die Politiker zunächst empfohlen haben?

Das heißt, das 2. geplante Mehrfamilienhaus auf dem Grundstück wäre nicht von den Empfehlungen des AK Nachverdichtung gedeckt. Aber: Empfehlungen sind Empfehlungen, verbindlich sind sie nicht. Baurecht schaffen letztendlich die Ratspolitiker durch Beschlüsse im Stadtrat oder im nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss.

Doch weshalb schlägt die Verwaltung hier überhaupt vor, von den Empfehlungen der Fachpolitiker abzuweichen und 2 hintereinander liegende Mehrfamilienhäuser zu genehmigen?

Bauamtsleiter Busch verwies in der Ausschusssitzung auf eine „Atypik“ in diesem Areal. Das sei nämlich zu den Häusern an der Juttastraße durch eine Grünanlage mit Wall abgegrenzt. Außerdem, so ist in der Sitzungsvorlage zu lesen, habe der Antragssteller erklärt, seinen Antrag auf Änderung des Bebauungsplans zurückzuziehen, wenn er "nicht mindestens 2 Mehrfamilienhäuser mit je 6Wohneinheiten auf seinem Grundstück bauen könne". Man könnte auch sagen: Er setzt der Stadt also die Pistole auf die Brust.

Nicht nur, aber vor allem Politiker der Minderheitsfraktionen zeigten Vorbehalte gegenüber den Plänen der Verwaltung. So äußerte Ulrich Heitmann (BfD) die Befürchtung, Häuser mit einer Höhe von 12 Metern könnten die umliegenden Gebäude beschatten. Er sprach sich daher für eine Höhenbegrenzung auf 9 Meter aus. Markus Blömer (SPD) warnte vor politischen Konsequenzen, wenn nun eine Abweichung von den Empfehlungen zur Nachverdichtung erlaubt würde. Auch seine Parteikollegin Susanne Witteriede plädierte für das Einhalten der Empfehlungen, also dafür, nur ein kleineres Haus in 2. Reihe zu erlauben. Christdemokrat Wulf Schwarte betonte, die gefundenen Grundsätze seien wichtig, damit die Verdichtung "nachbarschaftsverträglich" erfolgen könne.

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