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Wie Dinklage Energie sparen kann

Die Stadt erstellt für zwei Gebiete ein "energetisches Quartierskonzept". Die Politik findet das Vorhaben gut, diskutiert am Ende aber über etwas völlig anderes.

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Damit den Dinklagern ein Licht aufgeht: Das Quartierskonzept soll Möglichkeiten aufzeigen, wie sich in älteren Gebäuden und Wohngebieten Energie sparen lässt. Foto: Pixabay

Damit den Dinklagern ein Licht aufgeht: Das Quartierskonzept soll Möglichkeiten aufzeigen, wie sich in älteren Gebäuden und Wohngebieten Energie sparen lässt. Foto: Pixabay

Die Stadt Dinklage erstellt ein energetisches Quartierskonzept für die Siedlungsbereiche "Zuschlag" im Westen und "Plaggenriehe" im Nordwesten der Kommune. Das hat der Stadtrat in seiner  jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen. Die SPD nutzte die Debatte, um auf die vergangene und zukünftige Klimapolitik zu blicken. Am Ende wurde jedoch über zwei Bauprojekte diskutiert, die die Fraktionsspitze des Bürgerforums Dinklage (BfD) bekanntlich massiv kritisiert: Die Ansiedlung der Firma Thees in das Gewerbegebiet "Östlich Dinklager Ring" und den Forschungsstall in Höne. Ein Überblick: 

Was ist mit dem energetischen Quartierskonzept überhaupt gemeint? Was etwas sperrig klingt, ist im Grund relativ einfach: Die Stadt Dinklage möchte untersuchen lassen, wie sich in einem bestimmten Gebiet die Energieverbräuche senken und die Treibhausgasimmissionen verringern lassen. Wie Gebäude energetisch saniert und klimafreundlich mit Wärme versorgt werden können. Oder anders formuliert: In dem Gebiet geht es um das Energiesparen. Dafür sollen dann auch finanzielle Anreize geschaffen werden. Mit den Bürgern soll erarbeitet werden, welche Verbesserungen es in puncto Gebäude- und Energieverbrauch geben kann. Nach der Auftragsvergabe dauert es etwa Jahr ein, bis das Konzept von einem externen Büro erarbeitet ist. Dank Fördermittel sind die Kosten für die Stadt Dinklage gering: 12.750 Euro.

Für welche Gebiete wird das Konzept erstellt?  Das Gebiet umfasst vor allem die Wohngebiete „Plaggenriehe“ und „Zuschlag“. Das Quartier verläuft im Westen von der Plaggenriehe bis zur Straße An der Bleiche im Osten, im Norden läuft es von der Quakenbrücker Straße bis im Süden zur Nelkenstraße. In dem Gebiet liegen unter anderem auch die Discounter Aldi, Netto und Edeka, die Höner-Mark-Grundschule und die beiden Kindertagesstätten St. Martin und St. Catharina sowie die katholische Friedhofskapelle.

Für die rot eingefärbten Wohngebiete und Gebäude wird das Quartierskonzept erstellt. Grafik: Stadt DinklageFür die rot eingefärbten Wohngebiete und Gebäude wird das Quartierskonzept erstellt. Grafik: Stadt Dinklage

Warum ist gerade das ausgewählte Gebiet geeignet? Weil das Quartier viele ältere Gebäude mit relativ geringer Solarnutzung hat, weil dort Generationenwechsel bevorstehen und die Energieversorgung sich deshalb dort verändern könnte, erklärte die von allen Fraktionen für ihre Arbeit gelobte Klimaschutzmanagerin Dorothee Arp. Dazu komme auch eine gewisse Finanzstärke der Bewohner und deshalb eine mögliche Bereitschaft zu Investitionen. Es gebe außerdem Brachflächen und große Grundstücke. Arp, die sich für das Konzept an einem Beispiel in der Stadt Quakenbrück orientiert hat, sieht ein "großes Sanierungs- und Nachverdichtungspotenzial für eine langfristige, nachhaltige und klimafreundliche Entwicklung" des ausgewählten Stadtgebiets.

Wie lief die Debatte zum Tagesordnungspunkt? Für die Sozialdemokraten nutzte Markus Blömer den Aufschlag zur Diskussion, um auf den "langen Atem" seiner Fraktion beim Thema Klimaschutz zu verweisen.  Die SPD habe schon lange vor den Klimaschutzbewegungen die "Zeichen der Zeit" erkannt. Bereits vor acht Jahren sei das Thema von der SPD angeschoben worden. Aber: Bis das energetische Quartierskonzept überhaupt umgesetzt werden kann, sei es bereits 2022 oder 2023.  Abgesehen von der E-Ladesäule auf dem Marktplatz sei in Dinklage bis dahin nicht wirklich Nennenswertes für den Klimaschutz umgesetzt worden. Für frischen Wind habe erst Klimaschutzmanagerin Arp gesorgt.

Markus Blömer betonte, auch aus eigener Erfahrung: Altbausanierungen wiesen ein sehr großes Einsparpotenzial auf. Dies bedeute aber nicht, alte Gebäude im Quartier abzureißen und neue Wohnblöcke zu erstellen – "das wäre der falsche Weg". Ein sinnvolles Abwägen der Maßnahmen sei daher wichtig, um neuen Wohnraum zu schaffen. Die Quartierssanierung sei aber nicht nur für das Klima gut. Es komme auch den Anwohnern und Bürgern zugute, weil das Quartier erheblich aufgewertet werde. Aber: Die finanzielle Mehrbelastung müsse tragbar sein. Denn zukünftig stehen in einigen der ausgewählten Gebiete Straßenausbaumaßnahmen an.

Markus Blömer forderte von der CDU-Mehrheitsfraktion "mehr Gestaltungswillen" für eine klimafreundlichere und lebenswertere Stadt. Und von der Grünen Claudia Meyer-Blömer wünschte er sich "überhaupt mal eine Äußerung zum Thema Klimaschutz" - die es im Übrigen nicht gab. 

Joe Behrens von der CDU sagte: "Wir sollten nicht so viel in die Vergangenheit gucken. Sondern gemeinsam in die Zukunft." Das Quartierskonzept sei sehr sinnvoll. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Andreas Windhaus ergänzte später noch: Seine Partei habe den Umweltschutz sehr wohl im Blick und unterstütze ihn auch.

Und warum wurde plötzlich über die Themen Thees und Forschungsstall debattiert? Weil der BfD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Heitmann die Diskussion auslöste. Er wundere sich, warum sich SPD und CDU plötzlich als Klimaschützer darstellten. Für ein Quartierskonzept zu sein, dann aber die Bauprojekte Thees und Forschungsstall zu unterstützen, das passe nicht zusammen. Naturschützer Heitmann schimpfte:  Der Forschungsstall sei eine Gelddruckmaschine für die beteiligten Firmen Bröring und Big Dutchman, um weitere Ställe bauen zu können.

Diese Aussagen ließ die CDU naturgemäß nicht auf sich sitzen. Landwirt Wulf Schwarte warf der Fraktionsspitze des Bürgerforums einmal mehr "Ideologie sondergleichen" vor. Das gehe ihm gehörig auf den Keks. Er fragte: Wie wolle man mehr Klimaschutz erreichen, wenn die Umweltschützer immer alle neuen Wege stoppten? Big Dutchmann und Böring seien "tolle Unternehmen", die sich neuer Technik aufgeschlossen zeigten.  Sabine Meyer war überzeugt, dass die Versuchsställe "mehr Effekte" für den Klimaschutz erreichen. 

CDU-Ratsfrau Nicole Bramlage, hauptberuflich Wirtschaftsförderin des Landkreises Vechta, verwies hierauf: Die Projektpartner beteiligten sich an dem Kooperationsvorhaben 5G-Agrar. Sie sagte im Nachgang der Sitzung: Forschungsvorhaben seien nicht nur für Unternehmen wichtig. Sondern: Es würden in diesem Fall Synergien geschaffen werden, die auch für die Wissenschaft, Gesellschaft und die Kreislaufwirtschaft künftig von großem Nutzen sein können. Es sei sehr schade, "wenn derartige Vorhaben von einigen Ratskollegen kritisch gesehen und kategorisch abgelehnt werden". Denn diese Einrichtungen könnten einen Beitrag zur Nachhaltigkeit und mehr Tierwohl leisten.

Die stellvertretende BfD-Fraktionsvorsitzende Claudia Bausen , wie Heitmann bekanntlich auch im Vorstand der Umweltschutzorganisation Pro Natura aktiv, überzeugten die Argumente der CDU nicht. Im Gegenteil. Wer glaube, der Forschungsstall würde dem Klimaschutz dienen, sei "völlig falsch informiert". 

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