Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Wie die Stadt Lohne nachhaltiges Bauen fördern möchte

Durch Vergünstigungen und Zuschüsse sollen künftig mehr Gründächer, Photovoltaikanlagen und Zisternen entstehen. Die Verwaltung hat zusammen mit dem OOWV ein detailliertes Konzept erarbeitet.

Artikel teilen:
Symbolfoto: dpa

Symbolfoto: dpa

Gründächer, Zisternen, Photovoltaikanlagen: Mit einem Mix aus Vergünstigungen und finanziellen Anreizen will die Stadt Lohne nachhaltige Lösungen bei Bauvorhaben fördern. Nach Angaben der Verwaltung soll so versucht werden, durch Bauleitplanung und andere Instrumente dem fortschreitenden Klimawandel, dem Absinken des Grundwasserspiegels und der Häufung von Starkregenereignissen entgegenzusteuern.

Das jüngst in der Sitzung des Bauausschusses vorgestellte Konzept für die grüne Welle fürs Klima besteht aus 3 Bausteinen und ist sehr detailliert. Es wurde von der Stadt teilweise in Zusammenarbeit mit dem Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) entwickelt. Im Wesentlichen geht es darum, dass Bauwillige und Eigentümer von Bestandsimmobilien unter anderem zur Anlegung von Gründächern, dem Bau von Zisternen und der Installation von Photovoltaikanlagen animiert werden sollen.

In Gewerbegebieten will die Stadt indes den Betrieben vorschreiben, dass künftig beim Bau von Gebäuden und Hallen mit Flachdach diese begrünt oder mit einer Photovoltaikanlage versehen werden. Auch eine Kombination soll möglich sein.

Bauamtsleiter stellt Bausteine einzeln vor

Zur Genese des Konzepts: Im August 2012 war auf Antrag der CDU-Fraktion beschlossen worden, dass die Stadt künftig die Anlegung von Dachbegrünungen sowohl bei privaten als auch bei gewerblichen und landwirtschaftlichen Bauvorhaben fördern soll. Im März 2020 stand das Thema erneut auf der Agenda. Da aber noch weiterführende Gespräche mit dem OOWV notwendig waren, wurde die Angelegenheit zurückgestellt.

Am Ende des langwierigen Prozesses steht ein Konzept, das Ralf Blömer nun während der Sitzung vorstellte. Der städtische Bauamtsleiter ging auf jeden Baustein einzeln ein:

Baustein I

Die Stadtverwaltung hat ein Leitbild zur Förderung nachhaltiger, umwelt- und klimaschützender Bauvorhaben entwickelt, welches künftig bei allen neu aufzustellenden Bebauungsplänen sowie Änderungen bestehender Pläne angewendet werden soll. Abweichungen sollen nur in Ausnahmefällen zulässig sein. Die Richtschnur sieht vor, dass Grundstücke in künftigen Wohngebieten nur bis maximal 40 Prozent bebaut werden dürfen. Die Stadt gewährt Überschreitungen für Nebenanlagen, wenn bestimmte Kriterien erfüllt werden – wie die vollständige Versickerung des Niederschlagswassers auf dem Grundstück, der Betrieb einer Photovoltaikanlage oder eine Dachbegrünung. So wäre eine maximale Versiegelung des Grundstücks von bis zu 60 Prozent möglich. Weiter setzt die Stadt die Bepflanzung der nicht versiegelbaren Flächen mit heimischen, standorttypischen Sträuchern, Bäumen, Bodendeckern und Rasen (Blühmischung) fest. In Gewerbebetrieben werden die Betriebe künftig dazu verpflichtet, flach geneigte Dächer – kleiner/gleich 10 Grad – als Gründächer zu erstellen, alternativ eine Photovoltaikanlage zu installieren oder beide Lösungen zu kombinieren. Walter Mennewisch (Grüne) kritisierte, dass sich die Betriebe dann wohl gegen Gründächer entscheiden.

Baustein II

Zur Förderung einer nachhaltigen dezentralen Regenwasserbewirtschaftung erläuterte OOWV-Regionalleiter Kay Schönfeld, dass es für Lohne vorstellbar sei, Dachbegrünungen im Bestand und bei Neubauvorhaben sowie zum Beispiel Zisternen anteilig von den Oberflächenwassergebühren zu befreien. Schönfeld sprach von einer 50-prozentigen Ermäßigung. Die Gebühr liegt aktuell bei 55 Cent pro Quadratmeter versiegelter Fläche. Auf Nachfrage von Mennewisch zur Finanzierung antwortete der OOWV-Regionalleiter, dies sei durch Umverteilungen der Entgelte kompensierbar. "Die einen zahlen mehr, die anderen dafür weniger", sagte Schönfeld.

Baustein III

Aufbauend auf der OOWV-Ermäßigung strebt die Stadt die Entwicklung eines weitergehenden Förderprogramms zur nachhaltigen dezentralen Regenwasserbewirtschaftung an. Für den gänzlichen Verzicht auf Einleitung des Niederschlagswassers gewährt die Stadt demnach einen Zuschuss in Höhe der fünffachen Regenwassergebühr. Dieser Bonus verdoppelt sich, wenn das Niederschlagswasser – zum Beispiel als Grauwasser für Toilettenspülungen – im Haushalt verwendet wird. Wenn der OOWV eine 50-prozentige Ermäßigung für ein Gründach gewährt, erhält der Hauseigentümer einen städtischen Zuschuss in Höhe der fünffachen jährlich anfallenden Oberflächenwassergebühr. Die Förderung soll einmalig sein und nicht kombiniert werden können. Entsprechende Förderbedingungen will die Stadt erarbeiten, sobald die Politik grünes Licht gegeben hat. Auf Nachfrage von Mennewisch ergänzte Bauamtsleiter Blömer, dass explizit der Neubau von Zisternen gefördert werden soll. Das Konzept beziehe sich nicht auf bestehende Anlagen.

Grünen-Anträge sollen eingearbeitet werden

Der SPD-Antrag auf Zurückstellung des Themas wurde mehrheitlich abgelehnt. Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer führte aus, dass die von der Grünen-Fraktion erarbeiteten Anträge zur Förderung von Dach- und Fassadenbegrünung sowie zur Sicherung und dem Schutz des Grundwassers eingearbeitet werden sollen. Mit den Stimmen der CDU-Fraktion wurde den Plänen zugestimmt.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Wie die Stadt Lohne nachhaltiges Bauen fördern möchte - OM online