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Wer zu spät kommt

Thema: Die anhaltenden Proteste in Belarus - Alexander Lukaschenko ergeht es mit den Demonstranten wie einst der Führung der DDR. Seine anstehende Reise nach Moskau ist ein Zeichen der Schwäche.

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Die Szenerie in der Republik Belarus erinnert an der Mauerfall vor 30 Jahren in der DDR. Das weckt Ängste und Hoffnungen zugleich. Zehntausende gehen in Minsk, Grodno und Vitebsk immer wieder auf die Straße, um gegen Diktator Alexander Lukaschenko zu demonstrieren. Sie kritisieren die offensichtliche Wahlfälschung und werben für einen friedlichen Machtwechsel. Sichtbar wird dabei, wie sehr Lukaschenko inzwischen fürchtet, dass ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Wie anders ist es zu erklären, dass er das ganze brutale Arsenal seines Polizei- und Armeeapparates auffährt, um den Widerstand zu brechen?

Oppositionelle und Kritiker wurden schon vor der Wahl eingeschüchtert, mussten mit Repression und Inhaftierung rechnen. Die Verfolgung ging nach der Wahl weiter, eine Welle von Festnahmen hält an. Jetzt spürt der Diktator offensichtlich, dass seine Macht derart schwindet, dass die staatlichen Sicherheitskräfte nicht mehr ausreichen, um ihn zu retten. Warum sonst kamen jetzt Maskierte zum Einsatz, um die Oppositionsführerin Maria Kolesnikowa zu verschleppen?

Ein weiteres Zeichen der Schwäche ist die Ankündigung des Diktators, sich in Kürze zu Gesprächen mit Putin nach Moskau begeben zu wollen. Ablehnen kann der russische Präsident das nicht. Gleichwohl dürfte Lukaschenko für Putin längst zu einem Ärgernis geworden sein, das gerade jetzt ungelegen kommt. Der Ausgang des Treffens ist sicherlich offen. Zu hoffen ist aber, dass es dem Diktator ergeht, wie einst Honecker nach seinem letzten Treffen mit Gorbatschow. Wer zu spät kommt ...

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