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"Wenn ich mit jemandem über Politik rede, dann ist es Opa"

Jonas Schulte ist mit seinen 20 Jahren das jüngste Mitglied im Friesoyther Stadtrat. Auf die Aufgabe hat er sich mit Besuchen in der SPD-Fraktion und als Zuhörer bei Ratssitzungen vorbereitet.

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Jonas Schulte: Der 20-Jährige aus Kampe sitzt für die SPD im neuen Friesoyther Stadtrat. Foto: Gerold Többen

Jonas Schulte: Der 20-Jährige aus Kampe sitzt für die SPD im neuen Friesoyther Stadtrat. Foto: Gerold Többen

Ein klein wenig aufgeregt ist Jonas Schulte schon vor seiner ersten Ratssitzung als neu gewähltes und jüngstes Mitglied im Friesoyther Stadtrat. Im Grunde aber weiß er, was auf ihn zukommt. "Ich war immer mal wieder als Gast in den Ratssitzungen, bin also nicht völlig unvorbereitet", sagt er. Auch die Fraktionsarbeit ist für den 20-Jährigen nichts Neues, denn bei der SPD können auch Parteimitglieder, die nicht der Ratsfraktion angehören, an den Fraktionssitzungen teilnehmen. "Das habe ich 2 Jahre lang regelmäßig gemacht", erzählt Schulte. "Ich weiß, was da gemacht wird."

Der in Kampe lebende Azubi kam Anfang 2017 zur SPD. "Wir waren eine Gruppe von 5 oder 6 jungen Leuten, die an Silvester 2016 festgestellt haben, dass es in Friesoythe nur wenige Jugendliche gibt, die sich politisch engagieren", erinnert er sich. Parteipolitische Prägungen durch das Elternhaus gab es nur bei einer aus der Gruppe, allen aber war klar, so Schulte, "dass es irgendwas Soziales sein soll". Der nächste Schritt lag dann nahe. "Wir sind dann einfach mal zu einer Juso-Sitzung gegangen und haben uns das angeschaut."

Kandidatur für den Stadtrat als logische Konsequenz des Engagements

Schulte ist der Einzige aus der Gruppe, der noch in Friesoythe politisch aktiv ist, die meisten anderen sind inzwischen zum Studium in andere Städte gezogen. Der neue Ratsherr hingegen ist nach dem ersten Kontakt gleich in die SPD eingetreten, inzwischen ist er auch im Juso-Vorstand und im Vorstand des SPD-Ortsvereins aktiv, "einfach, weil das eine coole Truppe ist", wie er findet. Die Kandidatur für den Stadtrat war dann die logische Konsequenz aus dem Engagement. "Als es um die Aufstellung der Liste ging, war mir klar, dass ich das möchte", sagt Schulte.

Auch die Themen, die ihm besonders am Herzen liegen, sind Schulte längst schon klar; sie speisen sich zum großen Teil aus seiner Biografie. So will der 20-Jährige, der selbst bei den Messdienern und der katholischen Landjugend in Kampe aktiv ist, Jugendliche dazu animieren, sich ehrenamtlich zu engagieren. Und auch das Dauerthema vieler Friesoyther Ortschaften steht auf seiner Agenda. "Viele junge Leute sind zuletzt aus Kampe weggezogen, weil sie hier keinen Bauplatz gefunden haben", sagt Schulte. "Die Leute sollen aber die Möglichkeit haben, vor Ort zu bleiben, und deshalb brauchen wir auch weiterhin neue Bauplätze."

„Wenn ich in der Familie mit jemandem über Politik rede, dann ist es Opa“Jonas Schulte, jüngstes Mitglied im Friesoyther Stadtrat

Dass er sich als Kamper künftig auch zu den Geruchsemissionen im Ort und zum Zustand der Brücke über den Küstenkanal äußern wird, steht für ihn ebenso fest wie das Engagement für den Umweltschutz. "Das interessiert jede und jeden in unserem Alter, das ist einfach wichtig", sagt er. Seine Hoffnung: Die Stadt könne Umweltideen und -projekte junger Leute gezielt fördern, also auch Mittel dafür bereitstellen. "Geld ist das, was immer fehlt", weiß Schulte.

Bei all diesen und weiteren Themen hofft er, dass es im Rat mehr Miteinander als gegeneinander geben wird. "Natürlich hat man auch mal inhaltliche Auseinandersetzungen", sagt er, "aber es geht darum, Friesoythe nach vorne zu bringen. Das ist das Wichtigste." Und wenn er für anstehende Diskussionen seine Argumente testen will, wird er sich wohl an seinen Großvater wenden. "Wenn ich in der Familie mit jemandem über Politik rede, dann ist es Opa", sagt der 20-Jährige. "Der ist da der Einzige, und da geht es dann um die Bundespolitik genauso wie um Friesoythe." Auf diese Weise kann der jüngste Friesoyther Ratsherr auch die Sicht der älteren Generation in die Ratsarbeit einbringen.

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