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Wenn ein Westfale und ein Franke sich zusammen tun

Personaldebatte bei den Christdemokraten: Eine kleine Fantasie zur Kür des Kanzlerkandidaten der Union in der Nachfolge von Angela Merkel.

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Letzte Woche besuchte Angela Merkel Markus Söder. Der lud in das Schloss Herrenchiemsee. Reinstes Ludwig II. Ein schöner Ort. Inhaltlich hat sich nichts Berichtenswertes ereignet. Aber den Symbol-Charakter des Treffens kann man gar nicht überschätzen. Etwas Symbolisches tut die Kanzlerin auf Abruf nicht ohne Bedacht. Markus Söder, der Franke aus Nürnberg, sieht seitdem ein bisschen aus wie ein Kronprinz.

Dabei ist Markus Söder aktuell gar nicht in der Kanzlerkandidaten-Verlosung. In dieser Trommel liegen zurzeit drei Herren aus Nordrhein-Westfalen, Norbert Röttgen, Friedrich Merz und Armin Laschet. Aber da könnte sich noch etwas bewegen bis zum CDU-Parteitag im Dezember.

Im Normalfall ist der neue CDU-Parteichef dann auch der gegebene Kanzlerkandidat der Union. Aber normal ist im Corona-Jahr 2020 ziemlich wenig. Dass Armin Laschet Jens Spahn (noch einer aus Nordrhein-Westfalen) mit ins Boot holen konnte, das sah Anfang des Jahres wie ein geschickter Schachzug aus. Heute nicht mehr – zumindest der Westfale Jens Spahn fühlt sich vermutlich eher in einer Fesselung.

"Dass aber Armin Laschet eine so geringe Zustimmungsrate erzielt, bleibt doch erstaunlich; die Deutschen trauen ihm offensichtlich den Job im Kanzleramt nicht zu."Dirk Dasenbrock

Das hat mit den Umfragewerten der drei Kandidaten zu tun. Die sind bei jedem schlecht. Norbert Röttgen gilt ohnehin nur als Zählkandidat; Friedrich Merz ist fast von der Bildfläche verschwunden – in einer Krise rücken die Regierenden, die handelnden Personen noch stärker in den Vordergrund. Dass aber Armin Laschet eine so geringe Zustimmungsrate erzielt, bleibt doch erstaunlich; die Deutschen trauen ihm offensichtlich den Job im Kanzleramt nicht zu.

Wobei wir bei der CSU und Markus Söder wären. Die bayerische Schwesterpartei hat nicht das Erstvorschlagsrecht für die Kanzlerkandidatur. Aber ihr Vorsitzender hat – deutschlandweit – die mit Abstand besten Umfragewerte. Markus Söder hat in der Krise einen erstklassigen Job gemacht. Und das ganz unaufgeregt. Man könnte an Damaskus und Saulus und Paulus denken. Söder hat aus der Flüchtlingskrise nach eingehender Analyse seine Lehre gezogen: Man kann die AfD nicht rechts überholen, vor allem nicht per Verlautbarung, das geht immer schief.

Also hat er, etwas unfreundlich formuliert, Kreide gefressen. Das aber offenkundig so intensiv, dass, um im Bild zu bleiben, Kreide und nicht mehr Leberkäse sein Grundnahrungsmittel geworden ist. Der Ministerpräsident hat sein besonders Corona-betroffenes Land Bayern mit großer Besonnenheit und klaren Ansagen und Taten erfolgreich durch die Krise geführt – das sieht die große Mehrheit der Bevölkerung so.

"Der Deal: Spahn beansprucht den Parteivorsitz der CDU – verzichtet aber auf die Kanzlerkandidatur, für die er Markus Söder vorschlägt."Dirk Dasenbrock

Folgendes Szenario ist nicht völlig undenkbar: Jens Spahn löst irgendwann im Herbst, Zeitpunkt und Anlass wollen wohlüberlegt sein, seine Anbindung an Armin Laschet. Und tut sich mit Markus Söder zusammen. Der Deal: Spahn beansprucht den Parteivorsitz der CDU – verzichtet aber auf die Kanzlerkandidatur, für die er Markus Söder vorschlägt. Das ist nicht völlig realitätsfern; zumal Jens Spahn noch immer ziemlich jung ist. Er kann warten.

Käme es zu diesem Szenario, hätte der Bayer vermutlich eine erstklassige Chance, ins Berliner Kanzleramt gewählt zu werden. Bessere Aussichten in jedem Fall als die zwei CSU-Granden, die bislang ins Rennen gingen. Franz Josef Strauß hatte 1980 gegen Helmut Schmidt nie eine reelle Siegchance. Und Edmund Stoibers Wille zur Macht war 2002 längst nicht so robust wie der seines Widersachers Gerhard Schröder. Markus Söder bekäme es, das ist sicher, mit Olaf Scholz (und nicht mit Robert Habeck) zu tun. Ein interessantes Duell.

Das Problem von Scholz ist – seine eigene Partei; die wirft ihm mit Sicherheit etliche Knüppel zwischen die Füße. Wenn Jens Spahn und Markus Söder eine geschlossen agierende Union organisieren, ist der Wahlausgang ziemlich klar. Ein Bayer, pardon: Franke in Berlin.

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