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Wehrhaftigkeit und Energiewende müssen gelingen

Das brennende AKW in der Ukraine macht klar, dass längere Laufzeiten für Atommeiler – wenn überhaupt – nur Zwischenlösungen auf dem Weg zur Energieunabhängigkeit von Russland sein können.

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Die Ukraine muss in diesen Tagen eines brutalen Angriffskriegs die Zeche zahlen für die Beschwichtigungspolitik der europäischen Demokratien gegenüber Russland. Dessen Diktator hat die von Deutschland maßgeblich formulierten Dogmen, Frieden in Europa sei nur mit Russland möglich und Handel sorge für demokratischen Wandel, als Zeichen der Schwäche interpretiert.

EU ließ Putin ein Verbrechen nach dem anderen durchgehen

Ein Verbrechen gegen das Völkerrecht nach dem anderen hat die Europäische Union Wladimir Putin durchgehen lassen, in Georgien, auf der Krim, in Syrien, im Donbass. Rückblickend stellt es sich auch als schwerer Fehler heraus, Georgien und der Ukraine 2008 auf dem Nato-Gipfel eine konkrete Beitrittsperspektive verweigert zu haben. Erst der Überfall auf die Ukraine öffnet nun der politischen Klasse in Berlin, Paris und London die Augen: Im Jahr 2022 gilt es, Russland gemeinsam mit den Amerikanern zum Frieden zu zwingen.

Immerhin haben die demokratischen Parteien im Deutschen Bundestag in letzter Minute folgenschwere Fehleinschätzungen eingestanden und sich zu harten Wirtschaftssanktionen und Waffenlieferungen an die Ukraine durchgerungen. Immerhin hat sich Europa in rasantem Tempo geeint und an die Seite der USA gestellt, um die wirtschaftlichen und politischen Kriegskosten für Russland in existenzbedrohende Höhen zu treiben. Gemeinsam werden sich die Europäer um Millionen ukrainischer Flüchtlinge kümmern. Hingebungsvoll. Diese Gestaltungskraft und Prinzipientreue hat Putin den Demokratien, die er fälschlicherweise für degeneriert hält, nicht mehr zugetraut.

"Vermeintlich siegreich und doch in die Enge getrieben, lässt der Wahnsinnige nun auch noch Atomkraftwerke beschießen."Ulrich Suffner, Chefredakteur OM-Medien

Auch wenn er Kiew tatsächlich in Schutt und Asche legen und die demokratische Regierung absetzen oder gar liquidieren sollte, kann Russland diesen Krieg nicht mehr gewinnen. Putin hat erreicht, was er gerade verhindern wollte: eine geschlossenere EU, eine stärkere, für Nichtmitglieder nun noch attraktivere Nato. Russland ist international ausgestoßen und für mindestens eine Generation moralisch diskreditiert. Sollte das russische Volk sich am Ende doch noch gegen seinen Zaren erheben, droht ihm mindestens ein internationales Strafgericht.

Vermeintlich siegreich und doch in die Enge getrieben, lässt der Wahnsinnige nun auch noch Atomkraftwerke beschießen. Diese dramatischen Bilder sollen den Widerstand der heroisch kämpfenden Ukrainer brechen und Ängste erzeugen. Ein Hoffnungsschimmer ist in diesen dunklen Tagen der amerikanische Präsident. Ein alter Mann mit großer Lebenserfahrung. Joe Biden lässt sich durch Putins atomare Drohungen nicht provozieren. Dieser terroristische Akt ist aufs Schärfste zu verurteilen, aber auch Europa darf nicht die Nerven verlieren.

In der innenpolitischen Diskussion um die Konsequenzen aus dem Überfall auf die Ukraine macht das brennende AKW deutlich, dass längere Laufzeiten für Atommeiler – wenn überhaupt – nur Zwischenlösungen auf dem Weg zur Energieunabhängigkeit von Russland sein können. So wie Deutschland in schnellstem Tempo seine Wehrhaftigkeit und Bündnisfähigkeit in der Nato wieder herstellen muss, so muss nun endlich ebenso entschlossen die Energiewende vorangetrieben werden. Beide Projekte müssen gelingen und lohnen jede Anstrengung.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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