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Was soll das heißen?

Thema: Papst „gewährt“ Erzbischof Heße „Auszeit“ – Für die Gläubigen ist es ein wichtiges Signal, dass ein Mächtiger Verantwortung übernimmt. Doch für die Kirche ist damit wenig gewonnen.

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Nachdem das Gutachten über Amtsverfehlungen beim Umgang mit sexueller Gewalt im Erzbistum Köln vorgestellt worden war, bot Hamburgs Erzbischof Stefan Heße dem Papst seinen Rücktritt an. Heße, der vor seiner Berufung an die Elbe Personalchef und Generalvikar in Köln war, tat damit das Richtige: Er übernahm Verantwortung für seine Pflichtverletzungen. Gut zehn Tage hat es gedauert, bis am Montag eine Antwort kam. Der Papst gewähre Heße „eine Auszeit“, hieß es. Ob der Rücktritt angenommen wird oder nicht, ist nicht beantwortet.

Will Rom mit der „Auszeit“ davon ablenken, dass der Vatikan noch keine Regeln für den Umgang mit schuldig gewordenen Bischöfen hat? Oder glaubt man, Heße für eine gewisse Zeit beiseiteschieben und ihn dann leise rehabilitieren zu können? Alles unklar. Vielleicht will die Kurie nur Zeit gewinnen, um die Causa in Ruhe behandeln zu können.

Für die deutsche Kirche ist der erbetene Rücktritt Heßes derweil gleichzeitig ein richtiges Signal und ein herber Verlust. Verlust, weil Heße im Bereich der Flüchtlingsarbeit wichtige Impulse setzte und in Reformdiskussionen über Frauenweihe und Homosexuellen-Seelsorge Positionen des kirchlichen Aufbruchs ins 21. Jahrhundert vertrat. Zugleich aber, und das ist gewichtiger, ein richtiges Signal: weil ein Mächtiger Verantwortung übernimmt und nicht einfach so davon kommt.

Doch sollte man sich nicht vertun: Mit Rücktritten alleine ist nichts gewonnen, solange es in der Kirche Christi Positionen, Strukturen und Mentalitäten gibt, die Machtmissbrauch begünstigen.

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