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Warum die Stadt ein Gebäude am Epouvilleplatz abreißt

Das ehemalige Haus Pölking wird zu einer Grünfläche. Für einen möglichen Rathaus-Neubau spielt die Fläche  (noch) keine Rolle. Im Gegenteil: Diese Debatte liegt sowieso erst mal auf Eis.

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Von wegen Kunstgalerie:  Das ehemalige Haus Pölking (Flachdachgebäude) am Epouvilleplatz verschwindet bald aus dem Dinklager Stadtbild. Foto: Böckmann

Von wegen Kunstgalerie:  Das ehemalige Haus Pölking (Flachdachgebäude) am Epouvilleplatz verschwindet bald aus dem Dinklager Stadtbild. Foto: Böckmann

Die Stadt Dinklage wird das ehemalige Haus Gier beziehungsweise Pölking am Epouvilleplatz in Kürze abreißen und dort wohl zunächst  eine Grünfläche anlegen, "unabhängig von Entscheidungen zur weiteren Nutzung des Grundstücks in den kommenden Jahren", wie die Verwaltung mitteilte. Der Grund: Das leer stehende Gebäude weist elementare Schäden auf und war   anfällig für Vandalismus. Die Stadt hatte das Haus im vergangenen Jahr auf Drängen der SPD vom bisherigen Besitzer zurückgekauft. 

Rückblick: Im Jahr 2006 hatte die Stadt Dinklage das Haus an einen Investor veräußert. Dieser Verkauf war mit der Auflage verbunden, dass innerhalb von zehn Jahren ein damals diskutiertes Bauvorhaben – ein sogenanntes "Multifunktionsgebäude" mitsamt Kunstgalerie – verwirklicht wird. Ansonsten habe die Stadt das Recht, es zurückzuerwerben. Da der Käufer dieses Vorhaben nicht realisierte, sind die Flächen jetzt laut geschlossenem Vertrag gegen Erstattung des damaligen Kaufpreises an die Stadt zurückgegangen.  SPD-Fraktionsvorsitzender Matthias Windhaus urteilte in einer Pressemitteilung: "Bei den gestiegenen Grundstückspreisen und aus städtebaulicher Sicht ist die Rückübertragung heute eher als Gewinn zu bezeichnen."

Ein eigenes Grundstück in der Innenstadt, direkt daneben mehr als 40 Parkplätze - wäre die Fläche da nicht für einen möglichen Rathaus-Neubau geeignet? Jein. Alle drei Ratsfraktionen erklärten im vergangenen Jahr, das Gebäude zumindest in die Überlegungen einzubeziehen. Auch im Rathaus dürfte ziemlich sicher darüber diskutiert worden sein. Aber: Die Frage, ob der Rathaus-Standort an der Rombergstraße umgebaut werden oder an anderer Stelle ein neues Gebäude geplant werden soll, stellt sich in der Verwaltung zurzeit nicht (mehr) - vor allem aus zwei Gründen.

Dinklage tätigt die nächsten Jahre millionenschwere Investitionen

Erstens: Wegen der vielen Investitionen in den nächsten Jahren - Freibad (4,4 Millionen Euro), Kita In der Wiek (3,9 Millionen Euro), Bauhof (2,55 Millionen Euro) und Kardinal-von-Galen-Halle (1,6 Millionen Euro) -  sollte das Thema Rathaus erst in der nächsten Legislaturperiode wieder auf die Tagesordnung kommen. Unter anderem auch deshalb sei die Vorstellung der aktuellen Kostenermittlung, ob ein Neu- oder Umbau des Rathauses finanziell sinnvoller wäre, zunächst zurückgestellt worden. (Weiterlesen: Rathaus-Debatte nimmt wieder Fahrt auf)

Stadtsprecher Westermann erinnerte in der Rathaus-Debatte auch daran, dass es nach wie vor einen gültigen Ratsbeschluss gibt, der darauf abzielt, ein neues Verwaltungsgebäude auf dem Parkplatz hinter dem jetzigen Rathaus (Am Markt 1) zu bauen. Zuletzt wurde im März 2019 ein Investorenwettbewerb ohne Auftragsvergabe vom Rat einstimmig beendet, weil ein Neubau mehr als zehn Millionen Euro verschlungen hätte – zu viel nach Ansicht der Verwaltung und auch des Stadtrates.

Die SPD-Fraktion teilt die Einschätzung der Verwaltung, das leer stehende Gebäude abzureißen und erstmals eine Grünfläche anzulegen. "Ich bin schon irritiert darüber, in welch schlechtem Zustand sich das Gebäude befindet", sagte Matthias Windhaus. Er glaubt: Im Rahmen einer weiteren städtebaulichen Entwicklung werde dieses Grundstück noch benötigt. Mit Blick in das Investitionsprogramm werde dieses aber nicht in naher Zukunft sein. "Deshalb sollte man mit Geduld abwarten können. Übereilte und unüberlegte Entscheidungen führen, wie dieses Beispiel zeigt, nicht zum Erfolg."

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