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Von wegen ewiges Eis: Auch die deutschen Gletscher schmelzen infolge der Klimakrise

Thema: Extremschmelze beschleunigt Gletschersterben – So weit ist es infolge von Scheuklappenmentalität und konsequenter Wissensverweigerung bereits gekommen.

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Lange Zeit war es schön bequem: Vom Sofa aus konnte beobachtet werden, wie sich die Klimakrise irgendwo in weiter Ferne wie Bangladesch, Australien oder dem Golf von Mexiko ihren Weg bahnt. Hinzu kam die beruhigende wie fälschliche Annahme, dass die Folgen der menschengemachten, globalen Erwärmung hierzulande frühestens in einigen Jahrzehnten spürbar sind. Alle, die beizeiten vor dem drohenden Unheil gewarnt hatten, vorwiegend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der entsprechenden Fachrichtungen, also ausgewiesener Sachverstand, wurden wahlweise belächelt oder als Panikmacher verunglimpft. Ein Versuch, das eigene Nichtstun zu legitimieren. Hat aber nicht funktioniert.

Denn: Es ist nicht mehr fünf vor zwölf, wie so oft medial beschworen. Es ist zum Teil Viertel nach zwölf. Etwa für die deutschen Gletscher. Fünf davon gibt es noch, allesamt in Bayern. Die Betonung liegt auf dem kleinen Adverb „noch“. Von den einstmals 30 Jahren, die das ewige Eis in den Alpen noch bestehen sollte, waren zwischenzeitlich noch 10 übrig geblieben. Doch auch das hat sich erübrigt. Als erstes wird wohl dem südlichen Schneeferner an der Zugspitze das Leben ausgehaucht, möglicherweise schon in diesem Jahr.

Ein Beispiel, wie nah die Klimakrise schon ist

Grund ist eine Extremschmelze, die vorwiegend durch wenig Schnee im vergangenen Winter und große Hitze in diesem Sommer verursacht wurde. Hinzu kommt aktuell Sahara-Sand, der sich auf die Gletscher gelegt hat. Er nimmt mehr Energie auf als die helle Schneeoberfläche und gibt sie als Wärme an den Schnee ab, der daraufhin schmilzt. Gletscherforscher gehen mittlerweile davon aus, dass sämtliche Ferner unterhalb von 3500 Metern zeitnah verschwinden werden.

Wer trotzdem noch bei seiner Kombination aus Scheuklappenmentalität und Wissensverweigerung bleibt und meint, dass sich die Welt auch ohne das ewige Eis in den deutschen Alpen weiterdreht, der muss sich nicht wundern, vom Zorn der Bewohner getroffen zu werden. Sie wissen: Wenn die weißen Riesen verschwinden, werden die Brunnen in trockenen Sommern leer bleiben, denn das Süßwasser aus der Gletscherschmelze war das Haupttrinkwasser-Reservoir der Region. Von wegen ewiges Eis. Vielmehr ein weiteres, erschreckendes Beispiel dafür, wie nah die Klimakrise bereits ist.

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