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Von der Thronerbin und der scheidenden Ministerin

Meine Woche: Was Fiktion und Realität eint? Dass Frauen nach wie vor weniger zugetraut wird. Ein Blick nach Westeros und Berlin.

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Ich habe Anfang der Woche die letzte Folge der ersten Staffel „House of the Dragon“ gesehen. Im Folgenden werde ich auf den Inhalt der Serie eingehen. Wer sich nicht spoilern lassen möchte, sollte jetzt aussteigen. Wer trotzdem wissen will, wie ich das mit dem Rücktritt von Christine Lambrecht in Verbindung bringe, tut dies bitte auf eigene Gefahr.

Nach der wahnsinnig enttäuschenden letzten Staffel von „Game of Thrones“ bin ich ziemlich erwartungsfrei an „House of the Dragon“ herangegangen. Zu meiner großen Freude wurde ich positiv überrascht. Man fühlte sich zuweilen 10 Jahre zurückversetzt, in Zeiten, als „Game of Thrones“ noch richtig gut war und man von Woche zu Woche auf die neueste Folge hinfieberte.

Eine Frau auf dem Eisernen Thron?

Die Handlung von „House of the Dragon“ spielt fast 200 Jahre vor der von „Game of Thrones“ und behandelt vornehmlich die Ereignisse rund um das Königshaus Targaryen. Die Serie steigt im Grunde damit ein, dass König Viserys seine Thronnachfolge regelt. Aus Ermangelung eines Sohns zu diesem Zeitpunkt (das wird später noch wichtig, als er tatsächlich noch Söhne mit seiner zweiten Frau bekommt), ernennt er sein bis dato einziges Kind, seine Tochter Rhaenyra, zur Erbin des Eisernen Throns – sehr zum Missfallen der vielen mächtigen Männer am Hof. Eine Frau als Herrscherin? Der König muss von Sinnen sein.

Dabei beweist der König als einer der wenigen Weitblick und vor allem Vernunft. Denn ziemlich plakativ führt uns die Serie vor Augen, dass die männliche Alternative – der jüngere Bruder des Königs – völlig ungeeignet ist. Das wissen übrigens auch die Berater des Königs. Aber das Motto lautet einhellig „Besser schlecht regiert, als von einer Frau“.

"Die kompetenteste Person sollte an der Spitze eines wichtigen Ministeriums stehen."Carina Meyer

Während ich also in die fiktive Welt von Westeros abtauchte, wurde parallel in Berlin darüber spekuliert, wer das Erbe von Christine Lambrecht antritt. Unbestritten, Lambrecht erwies sich als ungeeignet für das Amt der Verteidigungsministerin. Es ist nur richtig, dass sie dieses aufgibt. Schnell wurden Stimmen laut, die forderten, dass der Posten nach Kompetenz besetzt wird – und nicht aufgrund des Geschlechts.

Das Kabinett soll paritätisch – also zu gleichen Teilen mit Frauen und Männern – besetzt sein. So die eigene Vorgabe der Bundesregierung. Deshalb schien es nicht abwegig, dass eine Frau auf Christine Lambrecht folgt. An dieser Maßgabe stießen sich schon die Ersten. Siehe oben: Bitte nach Kompetenz und nicht nach Geschlecht besetzen.

Hälfte der Bevölkerung weniger fähig?

Grundsätzlich lässt sich dieser Aussage nur zustimmen. Die kompetenteste Person sollte an der Spitze eines wichtigen Ministeriums stehen. Aber wie schon bei der generellen Debatte um die Frauenquote schwingt in der Argumentation „Nach Kompetenz, nicht nach Geschlecht“ eine gewisse Misogynie mit. Das muss nicht mal bewusst geschehen. Der Gedanke, dass ein womöglich besser geeigneter Mann um seine Chance gebracht wird, keimt dabei aber fröhlich vor sich hin.

Können wir uns endlich davon verabschieden, davon auszugehen, dass die Hälfte der Menschheit aufgrund des Geschlechts besser oder schlechter geeignet für Führungspositionen ist? Und falls wir tatsächlich den Eindruck haben, dass es deutlich weniger geeignete Kandidatinnen als Kandidaten gibt, dann liegt es sicherlich nicht daran, dass Männer von Natur aus kompetenter sind, sondern daran, dass es für Frauen nach wie vor schwieriger ist, ihre Kompetenz unter Beweis zu stellen. Denn wer ernsthaft glaubt, dass die Hälfte der Menschheit grundsätzlich unfähiger ist als die andere, hat sich ohnehin für jede vernünftige Debatte disqualifiziert.


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