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Viele Schüler von digitalem Lernen ausgeschlossen

Das Lernen zuhause soll in Corona-Zeiten dafür sorgen, dass Unterrichtsstoff durchgearbeitet wird. Aber in zahlreichen Haushalten fehlen Computer oder Tablets.

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Modernes Lernen zuhause: Ein Schüler mit Tablet und und Computer. Für das Homeschooling sind digitale Endgeräte nötig. Daran mangelt es aber häufig. Foto: dpa / Settnik

Modernes Lernen zuhause: Ein Schüler mit Tablet und und Computer. Für das Homeschooling sind digitale Endgeräte nötig. Daran mangelt es aber häufig. Foto: dpa / Settnik

Noch immer ist für eine Vielzahl an Schülern das Lernen zuhause angesagt. Erst Mitte Juni sollen in Niedersachsen alle Jahrgänge in die Schulen zurückgekehrt sein. Und: Um wegen der anhaltenden Corona-Gefahr Abstandsregeln einzuhalten, sind die Klassen für den Präsenzunterricht in Gruppen aufgeteilt, die an unterschiedlichen Tagen im Klassenzimmer sitzen. Deshalb ist seit dem 22. April auch der Online-Unterricht Pflicht. So hat es das Kultusministerium verfügt.

Doch: Was als Ersatz für das Lernen im Klassenzimmer gedacht ist, mag theoretisch gut klingen, ist in der Praxis aber mit Schwierigkeiten behaftet. Denn es fehlen vielfach die technischen Voraussetzungen. Darauf macht der Verband Bildung und Erziehung (VBE) aufmerksam.

Auch eine stabile Internetverbindung fehlt oft

Notwendig seien Computer oder Tablets, also Endgeräte mit größeren Bildschirmen und hohem Funktionsumfang, sowie Drucker für die Aufgabenblätter, die per E-Mail eintreffen. Aber genau daran mangele es in vielen Haushalten, sagt der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Franz-Josef Meyer aus Langförden. Ein Smartphone sei für digitales Homeschooling – für das Lernen zuhause – nicht ausreichend, betont Meyer. Auch eine stabile Internetverbindung sei oft nicht vorhanden.

So zeigt sich gerade in Zeiten von Corona, wie soziale Unterschiede bei der Bildung ins Gewicht fallen. Während betuchte Eltern ihrem Nachwuchs für das Homeschooling sogar eigens neue Modelle kaufen können, bleibt in anderen Haushalten ein Familiensmartphone der einzige Zugang zur digitalen Welt. Dazwischen gibt es Abstufungen.

Maria Eisleb, die Leiterin der Vechtaer Geschwister-Scholl-Oberschule, schätzt, dass bei einem knappen Drittel der Schüler die digitale Ausstattung „sehr zu wünschen übrig lässt“. Da sei der persönliche Kontakt zu den Schülern wichtig. Den hätten die Lehrer frühzeitig gesucht, auch mit Hausbesuchen.

Jan Runge, Leiter der Dammer Hauptschule, sagte, bei zahlreichen Schülern fehle die erforderliche digitale Ausstattung. Derzeit laufe hierzu eine Abfrage. Gleichzeitig gibt es von der Schule einen Spendenaufruf mit Unterstützung der Stiftung Rückenwind, um gebrauchte Geräte zu erhalten (wir berichteten).

Ein Sprecher des Kultusministeriums sagte: Es werde bei der Ausstattung der Schüler bereits gegengesteuert. Er verwies auf zusätzliche 47 Millionen Euro für Niedersachsen aus Bundes- und Landesmitteln zur Anschaffung von mobilen digitalen Endgeräten durch Schulträger. Diese sollen als Leihgabe an Schüler weitergegeben werden können. Das genaue Verfahren werde noch ausgearbeitet.

"Zudem bleiben viele offene Fragen: Wer sucht die Geräte aus und beschafft sie und wer sorgt für die Wartung? (...) Schulen brauchen hier verlässliche Vorgaben."Franz-Josef Meyer, VBE-Landesvorsitzender

VBE-Chef Meyer sagte, die Ankündigung sozial benachteiligten Familien als Soforthilfe demnächst digitale Endgeräte auszuleihen, sei im Kern richtig und wichtig, löse aber die akuten Probleme nicht. Das Lernen mit digitalen Medien ersetze nicht den normalen Unterricht. Meyer: „Zudem bleiben viele offene Fragen: Wer sucht die Geräte aus und beschafft sie und wer sorgt für die Wartung?“

Es bleibe auch unklar, wer auf welcher Grundlage Anspruch auf ein Leihgerät habe. „Schulen brauchen hier verlässliche Vorgaben“, mahnte Meyer. Es stelle sich auch die Frage, wann die Leihgeräte tatsächlich in den Familien ankommen. „Ich vermute, in diesem Schuljahr nicht mehr“, sagte Meyer.

Verband beklagt verschärften Lehrermangel

Er beklagte auch einen gravierenderen Lehrermangel in der Corona-Zeit. Durch das Fehlen von Lehrkräften, die einer Risikogruppe angehören und im Homeoffice arbeiten, sei das Personal „zusätzlich dezimiert“. Insbesondere an den Schulen der Sekundarstufe I (Klassen fünf bis zehn), an denen die Unterrichtsversorgung ohnehin weit unter 100 Prozent liege, verschärfe sich der Lehrermangel weiter. An manchen Schulen, auch im Landkreis Vechta, würden mehr als 20 Prozent der Lehrer derzeit fehlen, „da sie im Homeoffice arbeiten müssen.“

An kleinen einzügigen Grundschulen sei teilweise nur noch die Hälfte des Personals einsatzfähig, so dass der Präsenzunterricht „gar nicht mehr stattfinden kann“, betonte Meyer. Mit der Rückkehr weiterer Gruppen in den Präsenzunterricht, der bis Mitte Juni abgeschlossen sein soll, werde die Herausforderung noch größer, sagte der Verbandsvorsitzende.

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