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Viele Corona-Herde im Kreis bereiten Sorgen

Private Treffen sind Ursache des drastischen Anstiegs der Infektionen  im Kreis Vechta. Nun werden sie eingeschränkt. Auch eine Maskenpflicht kommt. Für den Schulunterricht soll das aber nicht gelten.

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Im Krisenmodus: (von links) Erster Kreisrat Heinrich Heinen und die Leiterin des Gesundheitsamtes des Landkreises Vechta, Sandra Guhe. Foto: Tzimurtas

Im Krisenmodus: (von links) Erster Kreisrat Heinrich Heinen und die Leiterin des Gesundheitsamtes des Landkreises Vechta, Sandra Guhe. Foto: Tzimurtas

Die zweite Welle der Corona-Pandemie hat den Landkreis Vechta immer fester im Griff. Gestern meldete die Verwaltung 66 Neuinfektionen – ein trauriger Rekord. Die Inzidenzzahl an Fällen innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohner lag gestern bei 112,36. Als kritisch gelten bereits Werte ab 35 und in einer weiteren Stufe ab 50. Aufgrund der verschärften Hotspot-Situation gelten ab Freitag deshalb weitere Einschränkungen für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort. Das sagte der Erste Kreisrat Hartmut Heinen der Redaktion. Ein Überblick:

Zusammenkünfte: Treffen im öffentlichen Raum und im privaten Bereich werden auf sechs Personen aus maximal zwei Haushalten beschränkt. Bislang galt, dass sich zehn Personen zusammenfinden können, und zwar ohne eine Beschränkung bei der Anzahl der Haushalte. Die neue Beschränkung gilt auch für die Gastronomie.

Allerdings gebe es Ausnahmen: So sind bei Trauerfeiern, Hochzeiten, Hochzeitsjubiläen, Kommunionsfeiern, Firmungen oder Konfirmationen 25 Personen zugelassen.

Über den Grund dieses Vorgehens sagte Heinen: Ein Großteil der Neuinfektionen sei weiter auf eine private Trauerfeier in Lohne zurückzuführen. Die generelle Schwierigkeit bestehe aktuell darin, dass es Corona-Ausbrüche an verschiedenen Stellen im Landkreis gebe. Und: Die Auswirkungen auf die Corona-Lage seien vermehrt aus dem privaten Umfeld festzustellen – bei Zusammenkünften.

„Die Maßnahmen, die man ergreift, müssen angemessen sein“, betonte Heinen. Es sei zwar das Ziel, die Kontaktpersonen zu isolieren. „Aber wir müssen auch dafür sorgen, dass diese Dinge nicht mehr in dem Umfang stattfinden“, sagte Heinen mit Blick auf die Ausbruchsherde im Zusammenhang mit Feiern. Zwei Mal habe er Appelle formuliert. Irgendwann sei aber der Punkt erreicht, eine Allgemeinverfügung zu verschärfen, damit hier „steuernd“ eingegriffen werde. Heinen: „Die Zusammenkünfte bereiten uns am meisten Sorgen, deshalb ist es unser Ziel, diese zu begrenzen.“

Da würden „natürlich Freiheiten der Bevölkerung eingeschränkt, aber durch die Inzidenzzahl sehen wir uns dazu gezwungen“, sagte Heinen. „Wir würden uns wünschen, dass wir es nicht müssten.“ Er verwies auch hierauf: Wenn die Verwaltung weniger über die Ursachen der Corona-Ausbrüche wüsste, „dann sei man in einer Situation wie in Berchtesgaden“ Aber von einem solchen Lockdown wie in Südbayern, „da sind wir hier weit von weg“, sagte Heinen.

Maskenpflicht: In allen öffentlichen Räumlichkeiten und in Unternehmen gilt ab Freitag eine Maskenpflicht – „immer dann, wenn die Abstandsregelungen nicht eingehalten werden können, etwa auf Gängen“, erklärte Heinen. Die Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, Sandra Guhe, erläuterte hierzu: Ihre Behörde habe mehrfach bemerkt, „dass viele Infektionen in Besprechungen entstanden sind, an denen viele Personen teilgenommen haben“. Der nötige Anstand von 1,5 Metern untereinander sei bei diesen Konferenzen in Firmen nicht eingehalten worden.

Mögliche weitere Schritte: Sollte sich das Infektionsgeschehen verschärfen, sind weitere Einschränkungen nicht ausgeschlossen. Es gibt Überlegungen, Sportveranstaltungen zu untersagen. Beim Fußball sei der Spielbetrieb bereits eigenständig eingestellt worden. Der Blick müsse aber auch auf andere Sportarten gerichtet werden. „Aber zum jetzigen Zeitpunkt gibt es dafür keinen Anlass“, sagte Heinen. Und: „Wir gucken sehr gezielt, wo die Ursachen liegen.“ Guhe sagte, im Sport sei bislang „recht wenig passiert“, solange draußen gespielt wurde. Sie gehe davon aus, dass sich das ändern werde, wenn die Spiele in geschlossenen Räumen stattfinden.

Schule: Hier sind von Seiten des Landkreises keine Verschärfungen vorgesehen – vorerst. Die Allgemeinverfügung gehe zum jetzigen Zeitpunkt nicht über die Regeln hinaus, die für Schulen und Kitas bereits gelten. Hier habe es „nicht zwangsläufig“ Infektionsherde gegeben. Schärfere Regeln einzuführen, „das sehen wir nicht“, sagte Heinen. Und weiter: „Beim Thema Schule tun wir uns schwer, das anzufassen.“ Denn Bildung sei „essenziell“. Da seien „sehr gute Gründe“ erforderlich, um beim Infektionsschutz einzugreifen.

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