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Viel zu wenig Kita-Plätze in Molbergen

Die Zeit drängt, denn schon jetzt stehen 18 Kinder auf der Warteliste. Im Bestand der 5 Einrichtungen sind 62 Mädchen und Jungen mehr untergebracht, als eigentlich vorgesehen.

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Aufmerksam verfolgten die Teilnehmer des Infoabends die Präsentation. Foto:  Vorwerk

Aufmerksam verfolgten die Teilnehmer des Infoabends die Präsentation. Foto:  Vorwerk

Geht es um Kita-Plätze in der Gemeinde Molbergen, dann ist man nicht nur am Limit, sondern weit darüber hinaus. 62 Kindergarten- und Krippenplätze wurden in den 5 Kindergärten der Gemeinde Molbergen zusätzlich geschaffen. Dafür wurden Flure, Aufenthaltsräume und Turnhallen geopfert und Containerplätze eingerichtet. "Damit könnten wir einen neuen Kindergarten alleine füllen", meinte Pfarrer Uwe Börner auf einer gut besuchten Informationsveranstaltung im neuen Pfarrsaal. Nur wenige Stühle blieben frei und weit vorne saßen neben Bürgermeister Witali Bastian auch mehrere Ratsvertreter.

"So wie es jetzt ist, können wir in kein weiteres Jahr gehen. Wir müssen den Kindern gerecht werden", sagte der Pfarrer. Die Kirchengemeinde ist Trägerin der 5 Häuser in Molbergen und Peheim. Schon jetzt ist es so, dass Peheimer Kinder nach Molbergen kommen. Geschwisterkinder werden nicht automatisch einen Platz in der selben Kita bekommen. "Die Leitungen sind ein Team und versuchen immer, für alle Kinder eine Lösung zu finden. Was in dem einen Haus nicht funktioniert, bieten wir in einem anderen Kindergarten an", beschrieb Börner die Bemühungen des Personals.

13 Kinder stehen für die Kindergärten und 5 für die Krippen auf der Warteliste. "Wir sind im Mai und werden im Sommer noch von ganz anderen Zahlen sprechen", erwartet Börner. "Die 62 Kinder schaffen wir, mehr geht aber nicht. Da müssen andere Lösungen her und da muss sich jemand anderes drum kümmern."

Sucht den Dialog: Pastor Uwe Börner war es wichtig, die Eltern über die prekäre Situation zu informieren. Jetzt ist die Politik am Zug. Foto: Thomas VorwerkSucht den Dialog: Pastor Uwe Börner war es wichtig, die Eltern über die prekäre Situation zu informieren. Jetzt ist die Politik am Zug. Foto: Thomas Vorwerk

Besonders für die Kinder auf der Warteliste beziehungsweise der Eltern kann es schwierig werden. Sollen die Mädchen und Jungen zu einem späteren Zeitpunkt eine der Einrichtungen besuchen, beispielsweise zum 1. November, gibt es eine garantierte Zusage erst 8 Wochen vorher. Eine Abstimmung mit dem Arbeitgeber wird so schwierig, ganz davon abgesehen, dass die Hausfinanzierung in der Regel 2 Verdiener erfordert. "Das wird in Zukunft noch mehr werden", glaubt Börner.

Zwar ist der neue Kindergarten in evangelischer Trägerschaft beschlossene Sache, doch bis er steht, gehen mindestens 2 Jahre ins Land. Eine Zwischenlösung muss her und die dürfte in einer Containerlösung bestehen. Das ist nicht das Optimum, wie die Erzieherinnen aus Erfahrung wissen. Der Lärmpegel ist darin höher und der Fußboden ist für Kinderbeine ebenfalls nicht optimal, wurde auf dem Treffen berichtet.

Es ist schwer, Personal zu finden

Nach der rund 2-stündigen Veranstaltung hatten einige Eltern vor dem Pfarrheim noch weiterdiskutiert und in Zweifel gezogen, ob sich überhaupt genügend Personal finde. "Die Erzieherinnen haben die freie Auswahl. Wo gehen sie denn hin, wenn sie sich zwischen Containern oder einer modernen Einrichtung entscheiden können?", meinte eine Mutter.

Molbergen steht mit dieser Problematik nicht alleine da, erklärte Bürgermeister Witali Bastian. Viele Kommunen im Landkreis hätten die gleiche Situation und müssten Lösungen finden. Für Peheim könnte die unter anderem so aussehen, dass Kinder nach Vrees in die Kita gehen. "Es ist nicht die glücklichste Situation für die Kinder, wenn sie später nach Peheim zur Grundschule kommen, aber es ist eine Lösung", unterstrich der Verwaltungschef. Ob es einen Anbau, Umbau oder Neubau geben wird, ist noch nicht klar. "Da warten wir noch auf Zahlen."

Peheimer Kita stand kurz vor dem Aus

Mit Preisnachlässen waren vor einigen Jahren Bauherren angelockt worden, um in dem Molberger Ortsteil Peheim ihr Eigenheim zu errichten. Das hatte seinen Grund, da Kindergarten und Grundschule mangels Kindern im Bestand gefährdet waren. Der Bauboom der vergangenen Jahre hat dazu geführt, dass man längst an die Grenzen gerät, denn der Kindergarten, der älteste in der Gemeinde, wurde 1973 für 2 Gruppen gebaut.

Heute gibt es dort 60 Kinder, die sich auf Krippe, Ganztags- und Kleingruppe sowie eine integrative Gruppe aufteilen. "Der Raum ist gleich geblieben", meinte die Leiterin Christiane Willen und zählte auf, dass die Kleingruppe in einem Ausweichraum untergebracht ist und es außerdem einen Container gibt. Alle Plätze sind zum nächsten Jahr besetzt und es stehen Kinder auf der Warteliste.

Anders sieht es in den weiteren Kitas auch nicht aus. Für das Mittagessen werden Tische und Stühle umgestellt und Besprechungen des Personals müssen auf engstem Raum stattfinden. In allen Einrichtungen werde mit Kompromissen gearbeitet, machte der Pfarrer deutlich.

Klamme Kassen erschweren die Entscheidung

"Wir stellen gerade die Weichen für eine weitere Kindertagesstätte. Es macht sich keiner leicht", versicherte Dr. Sebastian Vaske, CDU-Fraktionsvorsitzender. Gleichzeitig gab er zu bedenken, dass Molbergen noch einige weitere Aufgaben zu stemmen habe und nannte allem voran das Schulwesen und die Feuerwehr. Der Umbau der Anne-Frank-Schule sei 1,2 Millionen Euro teurer geworden und der Schuldenstand Molbergens werde von 4,9 Millionen Euro in Richtung 20 Millionen Euro laufen.

Für die jungen und werdenden Eltern ist dies zunächst einmal zweitrangig. Sie fragen sich, warum nicht früher schon gehandelt wurde. "Die Geburtenzahlen sind bekannt und es wird Erfahrungswerte geben, wie viel Nachwuchs in einem neuen Baugebiet zu erwarten ist. Darauf hätte man schneller reagieren können", sagte eine Mutter nach der Sitzung.

Pfarrer Uwe Börner war vor allem daran gelegen, Klarheit zu schaffen. "Mir war wichtig, dass wir nicht übereinander, sondern miteinander reden. Damit wir wissen, wie die Situation ist, dass alle Seite gefordert sind und dass wir zeitnah nach guten Lösungen suchen. Wir sind für alle guten Ideen offen", schloss er den offiziellen Teil des Abends.

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