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Viel Show und heiße Luft im US-Wahlkampf

Bis zu seinem Abitur lebte Daniel Feldkamp-Lynch in der Gemeinde Essen. Zu Weihnachten ist er mit seiner Ehefrau auf Heimatbesuch. Im Interview spricht er über Donald Trump und Joe Biden.

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In den USA: Der gebürtige Essener Daniel Feldkamp-Lnych lebt mit seiner Ehefrau Shannon in der Stadt Yorkville. Fotos: © Feldkamp-Lynch

In den USA: Der gebürtige Essener Daniel Feldkamp-Lnych lebt mit seiner Ehefrau Shannon in der Stadt Yorkville. Fotos: © Feldkamp-Lynch

Wie nehmen Sie den US-Wahlkampf bislang wahr?

Im Grunde unterscheidet sich der Wahlkampf wenig von den vergangenen Jahren. Man sieht gerade im Mittleren Westen auf dem Land viele Trump-Fahnen und Plakate, in den großen Städten eher Unterstützung für Biden. In den Medien wird je nach politischer Ausrichtung verstärkt auf die Verfehlungen der jeweils anderen Kandidaten eingegangen.

Das erste TV-Duell der beiden Kandidaten wird auch von vielen Wählern der Republikaner kritisch beurteilt, da etliche der Meinung sind, dass Trumps Auftritt dem Amt unangemessen bis peinlich war. Die Debatte der Vize-Kandidaten Pence und Harris wird wesentlich positiver bewertet, da es dort zivilisierter zuging und sich eher um Sachthemen gekümmert wurde. Ansonsten ist der Wahlkampf das übliche amerikanische Theater, in dem sich zwei komplett abgehobene Millionäre als volksnah verkaufen wollen. Viel Show und heiße Luft und auch für einen mittlerweile eingebürgerten Europäer auch noch nach zehn Jahren in den USA oft ein Grund zum Fremdschämen.

Was erwarten Sie von der heißen Phase kurz vor der Wahl?

Die zweite TV-Debatte wird auf jeden Fall interessant, alleine schon, um zu sehen, wie Trump sich verhält und wie er mit Biden umgeht. Ansonsten erwarte ich keine großen Unterschiede zu früheren Jahren.

Wie haben Sie die vergangenen vier Jahre unter Präsident Trump erlebt?

Die Steuersenkungen haben sich zumindest bei mir absolut bemerkbar gemacht. Von unseren Kunden wird oft auf ein stabiles Geschäftsklima hingewiesen, da Trump eine klare Kante verfolgt und so eine gewisse Planungssicherheit bietet. Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie hatten sich der Arbeitsmarkt und die Binnenwirtschaft stabil positiv entwickelt. Die Arbeitslosenzahlen bei Fachkräften mit Uni-Abschluss lagen im Bereich von zwei bis vier Prozent.

Aufgrund der Fokussierung auf Unabhängigkeit von ausländischem Öl sind die Energiepreise niedrig geblieben, was sich auch positiv auf Produktionskosten ausgewirkt hat. Die „America First“-Politik hat zumindest in einigen Branchen teilweise zur Wiederansiedlung von Produktionskapazitäten geführt, was im Umkehrschluss auch im Bereich der minderqualifizierten Arbeitnehmer die Arbeitslosigkeit in einigen bis dato eher abgehängten Regionen gesenkt hat. Dies war alles allerdings vor März und April.

Im Ausland wird oft über eine gespaltene US-Gesellschaft berichtet. Wie ist der Blick auf das Thema innerhalb der USA?

Die Fronten haben sich vor allem im Zuge der „Black Lives Matter“-Proteste und den teilweise daraus entstandenen Plünderungszügen und Ge- waltausbrüchen noch verhärtet. Die Gesellschaft ist entlang bestimmter Bruchlinien gespalten. Die Unfähigkeit, sachliche politische Dialoge zu führen, hat sich, ähnlich wie auch in Deutschland, ebenfalls verstärkt. Gerade das Thema Trump polarisiert dabei sehr stark.

Zur Person: 

  • Gemeinsam mit Ehefrau Shannon wohnt Daniel Feldkamp-Lynch in Yorkville, Illinois.
  • Der 47-Jährige leitet das Chicagoer Büro einer Untermehmensberatung, die sich auf die Betreuung deutscher Mittelständler in den USA spezialisiert hat.
  • Die Firma heißt „TH Bender & Partners“ und hat ihren Hauptsitz in Washington DC.
  • Nach der Bundeswehr hat er in England Geschichte und Politikwissenschaften studiert, war ein halbes Jahr in Tasmanien und hat seinen Master in Wales absolviert.
  • Beruflich war er unter anderem in London, Hamburg, China und mehreren europäischen Ländern tätig.

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